Mahnwache: Niklas Gröting (25) findet Reaktion von Svenja Schulze feige

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Die Mahnwache der Landwirte in Münster ist aufgelöst. Auch der 25-jährige Südlohner Niklas Gröting war dabei. Ein Gespräch mit Svenja Schulze gab es nicht, ein Erfolg war die Aktion trotzdem.

Südlohn

, 19.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vorweg: Das Gespräch mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze haben die Landwirte der Initiative „Land schafft Verbindung“ (LsV) mit ihrer Mahnwache in Münster nicht erreicht. Auch wenn sie die Mahnwache am Donnerstagabend aufgelöst haben, sind sie mit ihrer Aktion zufrieden.

Erntesaison beginnt – Mahnwache wird aufgelöst

Ihr Problem: das Wetter: Das ist im Moment so warm und sonnig, dass wohl schon in der nächsten Woche die Ernte beginnt. „Und da haben wir alle in unseren Betrieben genug zu tun“, sagt Niklas Gröting. Der 25-jährige Südlohner arbeitet zwar nicht direkt in der Landwirtschaft, aber in einem nachgelagerten Betrieb. „Wir sind von der Politik ja genauso betroffen“, erklärt der Futtermittelberater von der Raiffeisen-Genossenschaft Hohe Mark Hamaland.

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Landwirte lösen Mahnwache in Münster auf

Deswegen hat er sich auch an der Mahnwache beteiligt. In den vergangenen drei Wochen hat er in zehn Schichten einen der Posten am Hauptbahnhof Münster besetzt. So,, wie es ihm neben der Arbeit möglich war. Aus ganz Deutschland waren Landwirte aus der Initiative „Land schafft Verbindung“ dabei. „Sogar von der Nord- und Ostsee oder aus Bayern“, freut sich Niklas Gröting. Eine Landkarte mit bunten Pins im Pavillon der Mahnwache verdeutlicht das.

Jeder Pin ein Mahnwachen-Teilnehmer: Landwirte aus ganz Deutschland haben sich an der Mahnwache in Münster beteiligt. 21 Tage haben sie dort ausgeharrt.

Jeder Pin ein Mahnwachen-Teilnehmer: Landwirte aus ganz Deutschland haben sich an der Mahnwache in Münster beteiligt. 21 Tage haben sie dort ausgeharrt. © Stephan Teine

Neben dem Gespräch mit der Bundesumweltministerin ging es den Teilnehmern der Mahnwache darum, mit den Verbrauchern zu reden. „Und das haben wir geschafft“, sagt Niklas Gröting.

Unwissen bei den Verbrauchern ärgert Landwirte

Bei den Menschen, mit denen er und seine Mitstreiter sprechen konnten, sei immer noch viel Unwissen verbreitet. „Wenn man denen dann erklärt, warum wir so große Maschinen brauchen oder wie wir Dünger oder Pflanzenschutzmittel einsetzen, blickt man meist in erstaunte Gesichter“, erklärt er.

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Dann erzählt er von einer älteren Dame, die sich eine Landwirtschaft wie in den 1960er-Jahren zurückwünschte. „Natürlich standen damals die Kühe im Sommer auf der Weide“, sagt er. Dafür seien sie im Winter im Stall angebunden worden. „Dass die Tiere damals monatelang auf der Stelle standen, wusste die Frau gar nicht“, erzählt Niklas Gröting. Einige umstehende Landwirte nicken. Auch sie haben ähnliche Erfahrungen während der Mahnwache gemacht.

Die drei Traktoren, die für die Mahnwache vor Svenja Schulzes Wahlkreisbüro abgestellt waren, wurden am Donnerstagabend mit einem "kleinen" Traktorkorso aus Münster abgeholt: Laut der Initiative "Land schafft Verbindung" haben sich daran 400 Landwirte mit ihren Maschinen beteiligt.

Die drei Traktoren, die für die Mahnwache vor Svenja Schulzes Wahlkreisbüro abgestellt waren, wurden am Donnerstagabend mit einem "kleinen" Traktorkorso aus Münster abgeholt: Laut der Initiative "Land schafft Verbindung" haben sich daran 400 Landwirte mit ihren Maschinen beteiligt. © Land schafft Verbindung (LSV)

Natürlich habe es auch negative Reaktionen gegeben, die seien aber deutlich in der Minderheit gewesen. Daran wollen die Landwirte anknüpfen: „Es bringt ja nichts, ständig zu protestieren und den Verkehr zu behindern“, erklärt Niklas Gröting. Das verschaffe den Landwirten keine Sympathien. Es funktioniere nur über ständige Gespräche, über Information und ein Miteinander. Natürlich gebe es auch in der Landwirtschaft – wie überall in der Gesellschaft – schwarze Schafe, die gegen Regeln oder den Tierschutz verstoßen. Doch das sei nicht die Regel.

Der Dialog zwischen Landwirten und Verbrauchern müsse weiter geführt werden. „Das ist uns klar“, sagt Niklas Gröting. Nur so könne das negative Image der Landwirtschaft bekämpft werden.

Der Morgen in der Stadt: Kein Vogel singt

Noch einen Unterschied zwischen Stadt und Land hat er ganz genau bemerkt: „Wenn man bei uns zuhause um 5 Uhr wach wird, kann man nicht mehr einschlafen, weil man so viel Vogelgezwitscher hört“, sagt er. In der Stadt sei es morgens totenstill gewesen. „Die Menschen hier wollen Naturschutz und Natur, dabei haben sie hier in der Stadt längst keine mehr“, erklärt er, während neben ihm gerade mehrere Busse vorbeidröhnen und sich der Feierabendverkehr staut.

„Wir sind doch für Naturschutz“, sagt Niklas Gröting.

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Auf lokaler Ebene funktioniere die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutzgruppen oder -verbänden sehr gut. Nur auf der übergeordneten Ebene und in der Politik sei das schwierig. Genau deswegen wollen sie mit der Politik – allen voran Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) – ins Gespräch kommen.

Für ihr Verhalten finden die Teilnehmer der Mahnwache an diesem letzten Tag klare Worte: „Svenja Schulze war während der Mahnwache mehrfach in Münster“, sagt Niklas Gröting. Sich überhaupt nicht vor Ort blicken zu lassen, sei ganz einfach feige. „Wir wollen ein offenes Gespräch. Wovor hat sie Angst?“, fragt er.

Bei der Abschlussveranstaltung haben sich die Traktoren, die am Donnerstagabend durch Münster rollten, zu einem Schriftzug aufgestellt: "Mahnwache MS LSV" haben sie im Dunkeln auf eine Wiese geschrieben.

Bei der Abschlussveranstaltung haben sich die Traktoren, die am Donnerstagabend durch Münster rollten, zu einem Schriftzug aufgestellt: "Mahnwache MS LSV" haben sie im Dunkeln auf eine Wiese geschrieben. © Land Schafft Verbindung (LSV)

Am Donnerstagabend wurde die Mahnwache schließlich aufgelöst. Von einem „kleinen“ Treckerkorso von rund 100 bis 150 Traktoren wurden die drei Traktoren vor dem Hauptbahnhof und die Landwirte abgeholt.

Laut einer Sprecherin des Bundesumweltministeriums hatte Svenja Schulze bereits mehrfach den Dialog mit den Landwirten von Land schafft Verbindung gesucht. Etwa beim Runden Tisch Insektenschutz. Weitere Gespräche sollen folgen. Auch mit den Organisatoren der LsV-Proteste in Münster oder an anderen Stellen habe sie in Kontakt gestanden. Wegen der Vielzahl der Gesprächsanfragen könnten aber nicht immer alle berücksichtigt werden.

Das reicht den Landwirten nicht: Ihre Einladung zum Gespräch lassen sie stehen: Sie wollen mit Svenja Schulze reden. Auf einem Hof im Münsterland. „Im Laufe der nächsten vier Wochen wird sich sicherlich ein halber Tag finden lassen, um die dringlichsten Fragen in einer kleinen Runde zu erörtern“, schreiben sie in einer Mitteilung zur Auflösung der Mahnwache.

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