Meine erste Chorprobe und ein Abend bei Familie Eßeling auf dem Sofa

mlz#teinetuckert

In Südlohn hab ich einen Platz im Gästezimmer von Familie Eßeling bekommen, gefrühstückt und an meiner ersten Chorprobe teilgenommen. Ein Abend, der mir lange im Gedächtnis bleiben wird.

Südlohn

, 10.09.2019, 11:53 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es gibt diese Abende, die einen einfach völlig sprachlos zurücklassen. Maria und Alois Eßeling aus Südlohn hatten mich per E-Mail eingeladen, dass ich bei ihnen übernachten könnte. Da hatte ich noch damit gerechnet, dass ich mein Zelt in einem kleinen Winkel ihres Gartens aufstellen würde. Doch da hatte ich die Rechnung ohne Maria Eßeling gemacht. „Nee, nee, nee. Das gibt‘s nicht. Das machen wir vernünftig“, sagte sie, als ich fragte, wo ich denn mein Zelt aufschlagen dürfe. Vernünftig hieß in diesem Fall: Ich durfte im Gästezimmer übernachten. Und bekam auch noch ein ausgiebiges Frühstück dazu. Doch dazu später mehr.

Einladung zur Chorprobe

Als ich am Montagabend so vor der Tür der Eßelings stand, hatten beide eigentlich noch ganz andere Termine. Maria Eßeling wollte ihre Schwägerinnen besuchen und Alois Eßeling war gerade auf dem Sprung zur Chorprobe. „Aber komm doch einfach mit“, sagte er. Also hab ich den Deutz in die Garage gestellt und mich zu meiner ersten Chorprobe mit dem Männerchor Südlohn ins Haus Wilmers aufgemacht.

Ich komme etwas zu spät, weil ich noch etwas essen musste. Als ich vor dem Haus Wilmers stehe, schallen die Männerstimmen schon laut und deutlich bis auf den Kirchplatz herunter. Santianos „Frei wie der Wind“ steht auf dem Programm. Und die Männer schmettern es aus vollen Kehlen. Oben, im Wiegbold-Saal, haben sie sich im Halbkreis um ihre Chorleiterin und das Piano gesetzt. Jeder mit dem Notenzettel in der Hand.

Chorleiterin hat ihre Männer fest im Griff

Eva Maria Gröner (35) führt dort ein straffes Regiment. Die Chorleiterin weiß ganz genau, was sie von den insgesamt 29 Männern, die deutlich älter sind als sie, will. „Das klingt ja immer besser, aber ich muss euch noch ein bisschen ärgern“, ruft sie ihnen gutgelaunt zu. Die Männer murren ein wenig, nehmen es aber treu und brav hin. Zusammen nehmen sie das Lied auseinander. Erst die Bässe, dann die Tenöre, bis das Lied so sitzt, wie die Chorleiterin es gerne hätte, vergehen ein paar Anläufe. Nächstes Lied: Das Morgenrot. Die Männer singen, doch Eva Maria Gröner bricht ab: „Macht mal leiser!“ Eine klare Ansage: Die Männer singen zu laut. „Wenn ihr das leiser singt, ist der Effekt viel besser.“ Die Männer nicken, setzen neu an und singen leiser. Geht doch.

„Wollen Sie nicht mitsingen?“, die Chorleiterin hat mich durch die Reihen ihrer Sänger direkt angesprochen. Ich schüttele den Kopf. Singen? Vielleicht unter der Dusche oder am Lagerfeuer, aber auf keinen Fall in einem Chor. „Na, abwarten, wir haben noch jeden zum Mitsingen gebracht“, sagt sie und lacht.

Angststück: „Männer“ von Herbert Grönemeyer

„So! Jetzt euer Angststück“, gibt sie dem Chor vor. Männer von Herbert Grönemeyer. „Denkt daran, das ist kein Kunstlied. Das muss ganz abgehackt und ganz locker kommen“, gibt sie vor. Die Männer singen. Und doch ist es wieder viel zu getragen. Zu langsam. „Ihr seid auf dem richtigen Weg, aber ihr traut euch noch nicht so richtig“, tadelt sie ganz vorsichtig.

„Männer sind so verletzlich“, singt der Chor - doch Eva Maria Gröner grätscht schon wieder dazwischen: „Singt das mit mehr Ironie, auch wenn der Text natürlich die reine Wahrheit ist“, sagt sie augenzwinkernd. Die Männer lachen, tuscheln, setzen noch einmal an, dann passt es auch der Chorleiterin.

„Herbert Grönemeyer hat natürlich eine enorm schwere Rhythmik“, erklärt sie später. Und das dann noch sechsstimmig zum Klingen zu bringen, ist eine ganz andere Aufgabe, als das Lied bei dieser oder jener Zeltparty mitzugröhlen. „Der Chor liegt insgesamt im Mittelfeld“, erklärt die Chorleiterin später vor der Tür, „ist aber auf dem Weg nach oben.“ Wichtig ist ihr, dass der Spaß im Vordergrund steht. Nur so können sie neue Mitglieder gewinnen.

Meine erste Chorprobe und ein Abend bei Familie Eßeling auf dem Sofa

Bei Maria und Alois Eßeling bin ich für eine Nacht in Südlohn untergekommen. Mein Zelt durfte ich aber nicht aufstellen. „Das machen wir vernünftig“, hatte Maria Eßeling gesagt. Und das wird dann auch befolgt. © Stephan Teine

Und mit der Mitgliederentwicklung ist sie sehr zufrieden. „Wir haben auch ein paar jüngere Sänger dabei“, sagt sie. Und das ist - verglichen mit anderen Chören - schon etwas besonderes. Beim Repertoire versucht sie, neben den typischen Chorklassikern auch ein paar Popstücke oder etwas Rock mit unterzubringen. Natürlich nur ganz vorsichtig. Ein paar Proben bleiben dem Männerchor Südlohn noch bis zu seiner herbstlichen Konzertreise am 29. September.

Ein gemütlicher Abend im Wohnzimmer

Zurück im Wohnzimmer der Eßelings. Bis um zwölf Uhr in der Nacht haben wir über Gott und die Welt und sprichwörtlich über Hölsken und Stöcksken miteinander geredet. Ein paar Pullen Bier hat Alois Eßeling dazu natürlich auch aus dem Keller geholt. „Da freu ich mich schon richtig drauf“, hatte er mir vorher gesagt. Und es war wirklich ein lustiger Abend. Die Gespräche wiederzugeben würde nicht nur den Rahmen sprengen, sondern gehört auch nicht hierher. Aber schön war’s. Todmüde hab ich mich dann schließlich ins Bett fallen lassen.

Früh aufstehen für den Weg nach Stadtlohn

Am Dienstagmorgen ging es früh wieder los. Um 7 Uhr klingelte der Wecker. Der Frühstückstisch bog sich regelrecht. Auch da hätte ich noch ewig sitzen, reden und Kaffee trinken können. Aber die Tour ist ja kein reines Vergnügen, ich hab ja noch einiges vor.

Meine erste Chorprobe und ein Abend bei Familie Eßeling auf dem Sofa

Südlohn liegt hinter mir. Früh am Dienstagmorgen habe ich meinen Traktor in Richtung Stadtlohn gelenkt. © Stephan Teine

Kurz nach halb Neun hab ich dann also den Traktor wieder angelassen und mich auf den Weg gemacht. Über den Leegen Weg nach Stadtlohn. Dort auf dem Marktplatz hab ich mich dann mit meiner kleinen Unterwegs-Redaktion eingerichtet, um die nächsten Erlebnisse aufzuschreiben und ein paar Ideen für Stadtlohn vorzubereiten. Die Gastfreundschaft der Eßelings ist aber jetzt schon etwas, das mir lange im Gedächtnis bleiben wird.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt