Messwagen schießen 14.000 Fotos pro Jahr

Radarmessung

Auf der Doornte steht regelmäßig der graue VW Caddy: Der Kreis Borken kontrolliert mit der mobilen „Blitze“ die Geschwindigkeit – aus gutem Grund.

Südlohn

, 16.07.2018, 17:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bernhard Sieverding, Leiter Verkehrssicherung und Verkehrsaufklärung beim Kreis Borken, sitzt in der Doornte in Südlohn in einem der mobilen Überwachungsfahrzeuge des Kreises Borken.

Bernhard Sieverding, Leiter Verkehrssicherung und Verkehrsaufklärung beim Kreis Borken, sitzt in der Doornte in Südlohn in einem der mobilen Überwachungsfahrzeuge des Kreises Borken. © Stephan Teine

Nur einen kurzen Augenblick hatte der Autofahrer nicht genau hingesehen. Da – und wirklich nur da – war er etwas schneller geworden, als erlaubt. Im Moment als er den grauen VW Caddy im Augenwinkel sieht, ist es fürs Bremsen längst zu spät. Der rote Blitz in der Rückscheibe, der hektische Blick auf den Tacho und ein lauter Fluch. Wieder mal geblitzt. „Abzocke, willkürliche Wegelagerei, Unverschämtheit“, blitzen hinter seiner Stirn auf.

„So ein Vorwurf ist natürlich Quatsch“, sagt Karlheinz Gördes, Pressesprecher des Kreises Borken. Der Kreis ist täglich mit zwei mobilen Messfahrzeugen auf den Straßen unterwegs, um die Geschwindigkeit zu kontrollieren. Insgesamt 458 Standorte werden mehr oder weniger regelmäßig angefahren. So wie an diesem sonnigen Morgen in Südlohn an der Doornte. „Das ist hier ein Schulweg, da leuchtet wohl jedem ein, dass hier die Geschwindigkeit kontrolliert werden muss“, sagt Gördes weiter.

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Insgesamt 14.000 Mal haben die mobilen Anlagen 2017 ausgelöst. Noch einmal 30.000 Fotos haben die 28 stationären Anlagen geschossen. Dr. Gerswid Altenhoff-Weber, Leiterin des Fachbereichs Verkehr bei der Kreisverwaltung, belegt die Messung mit weiteren Zahlen: „Zwölf Prozent aller Unfälle im Kreis hängen direkt mit überhöhter Geschwindigkeit zusammen“, sagt sie. Und in 78 Prozent der Unfälle lässt sich ein Zusammenhang mit überhöhter Geschwindigkeit zumindest nicht ausschließen. Die Unfallfolgen im Kreis sind gravierend: 18 Tote, 252 Schwer- und 1162 Leichtverletzte allein im Jahr 2017.

Tempo im Rahmen halten

Geschwindigkeitsmessungen seien also dringend notwendig, um das Tempo im erlaubten Rahmen zu halten. Denn: „Wir merken sofort, wie sich das Verhalten der Autofahrer ändert, wenn wir an manchen Stellen eine Weile nicht kontrollieren“, erklärt sie weiter. Die Auswahl der Messpunkte erfolgt dabei aber nicht willkürlich. Neue Messstellen werden meist nach einem Hinweis von Kommune oder Anwohner aufgenommen. „Wenn bei einer ersten Messung dann mehr als zwölf Prozent aller gemessenen Fahrzeuge zu schnell sind, richten wir eine neue Messstelle ein“, erklärt Bernhard Sieverding. Er ist im Kreis Borken Leiter der Abteilung Verkehrssicherung und Verkehrsaufklärung im Fachbereich Verkehr.

Auch den Vorwurf der Abzocke lässt Altenhoff-Weber nicht stehen. Natürlich werde die Tempokontrolle nicht durchgeführt, um den Haushalt des Kreises zu sanieren: „3,2 Millionen Euro kommen pro Jahr kreisweit durch Tempoverstöße zusammen“, rechnet sie vor. Wohlgemerkt insgesamt aus allen Messungen des Kreises und der Polizei. Bei einem Gesamtvolumen von rund 556 Millionen Euro ein eher kleiner Posten.

Gemischte Resonanz

In der Regel sei die Resonanz auf die Tempomessungen ungefähr 50:50, sagt die Leiterin des Fachbereichs: „Die Hälfte der Menschen findet es gut, dass gemessen wird, die andere sind wütend darüber, dass sie in die Radarfalle geraten sind.“ A propos Radar: Das hat beim Kreis bald ausgedient. „In zwei bis drei Jahren“, schätzt Bernhard Sieverding, werden die Fahrzeuge auf Laser-Scanner umgerüstet. Die alten Messgeräte werden dann schlicht nicht mehr produziert und können dann nicht mehr gewartet und geeicht werden. Mit der neuen Messtechnik sollen die Messungen noch sicherer werden: Gleichzeitig können bis zu vier Spuren erfasst werden. Messungen sind bis in 75 Metern Entfernung möglich und die gesamte Datenverarbeitung läuft viel schneller. Auch die Aufstellung des Fahrzeugs und die Einrichtung der Messgeräte sollen dann einfacher werden.

Klare Regeln für die Messwagen:
  • Parallel zum Fahrbahnrand
  • ohne Hindernisse zwischen Messgerät und ankommenden Fahrzeugen
  • Gerader Straßenverlauf (mindestens 30 Meter)
  • Einsatzfahrzeuge vom Kreis Borken – also auch die Messfahrzeuge – haben einige Ausnahmegenehmigungen: Sie dürfen zum Teil auf Rad- oder Gehwegen, in Bushaltestellen oder quer in zwei Senkrechtstellplätzen stehen. Auch Grundstückseinfahrten, Ackerzufahrten oder Grünstreifen können genutzt werden – wenn der Eigentümer das erlaubt.
  • Sie dürfen aber andere Verkehrsteilnehmer nicht behindern: So muss zum Beispiel immer ausreichend Platz für Fußgänger, Kinderwagen, Rollstühle oder Radfahrer bleiben.
  • Geschwindigkeitsüberschreitungen kosten übrigens außerorts/innerorts bis 10 km/h: 10 Euro/15 Euro; 11 bis 15 km/h: 20 Euro/25 Euro; 16 bis 20 km/h: 30 Euro/35 Euro; ab 21 km/h: 70 Euro / 80 Euro; 1 Punkt, ab 26 km/h Überschreitung werden Fahrverbote verhängt.
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