Michael Tenk (40) geht der Glasfaserausbau in der Gemeinde viel zu langsam

mlzAktion Schneckentempo

Aufkleber sollen auf ein Problem aufmerksam machen: Der Glasfaserausbau kommt in der Gemeinde nur langsam voran. Viel zu langsam, findet Bäckermeister Michael Tenk aus Südlohn.

Südlohn

, 21.01.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Forderung war klar: Per Bürgerantrag hatte Bäckermeister Michael Tenk bei der Gemeinde beantragt, den Glasfaserausbau für schnelle Internetverbindungen im Südlohner Ortskern voranzutreiben. Doch Politik und Verwaltung zuckten mehr oder weniger ratlos mit den Schultern: „Es herrscht freie Marktwirtschaft, da können wir nichts diktieren“, sagte Bürgermeister Christian Vedder in der Haupt- und Finanzausschusssitzung am vergangenen Mittwoch. Wann und zu welchen Konditionen die verschiedenen Anbieter ihre Leitungen auf dem Südlohner Markt anbieten, liege einzig und allein in deren Händen. Werner Stödtke, der in der Südlohner Verwaltung die Breitbandversorgung im Ort koordiniert, ergänzte noch, dass für dieses Jahr ein Beratungsverfahren angesetzt ist: Insgesamt 200.000 Euro sind für die Beratung und Bezuschussung von Breitbandversorgung in der Gemeinde in diesem Jahr vorgesehen.

„Wir bleiben dran“, sagte Vedder. Fernziel sei der flächendeckende Anschluss an das Glasfasernetz. Bis es soweit ist, sollen aber Zwischenlösungen den schnellen Zugang zum Internet sichern. Etwa Vectoring, also die Steigerung der Bandbreiten in den vorhandenen Kupferleitungen.

Arbeiten verzögern sich, obwohl alle Voraussetzungen vorliegen

Jörg Battefeld (UWG) sprach noch ein anderes Problem an: Selbst wenn der Ausbau der Glasfaser für ein Gebiet beschlossene Sache ist, beginnen die Arbeiten längst noch nicht: „In Oeding Nord zum Beispiel sind alle Voraussetzungen geschaffen. Aber die Umsetzung hakt.“ Das sei in Südlohn in mehreren Gebieten nichts anderes. Ein Problem, das die Verwaltung auch in anderen Zusammenhängen genannt hatte: „Tiefbau ist im Moment einfach zu marktüblichen Preisen nicht zu bekommen“, erklärte Werner Stödtke.

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Für Michael Tenk (40) ist „Dranbleiben“ aber nicht genug: Er hat eine kleine Aufkleberkampagne gestartet und möchte im Ort Stimmung machen: „Im Schneckentempo in die Zukunft“ prangt auf den Din-A5 großen Aufklebern. In seinem Schaufenster klebt er am Freitagmorgen schon. Auch bei seinen Nachbarn hat er sie schon verteilt. Und die seien begeistert gewesen.

Deutlicheres Zeichen gefordert

In seinen Augen hätten Politik und Verwaltung ein deutliches Zeichen setzen sollen. „Natürlich können sie dem Markt nichts diktieren“, sagt er. Doch als Mitinhaber der SVS-Versorgungsbetriebe hätte die Gemeinde Südlohn den Druck erhöhen müssen, damit der Ausbau der Glasfaserleitungen im Ort stärker vorangebracht wird. „In den Außenbereichen wird ja etwas gemacht. Hier im Ortskern hört man gar nichts davon“, sagt er. Eine Nachfragebündelung wäre das mindeste, was man im Ort anstoßen könnte. „Genug Kunden gäbe es auf jeden Fall“, da ist sich der Bäckermeister sicher. Sie müssten nur „vernünftige Konditonen“ bekommen.

Michael Tenk (40) geht der Glasfaserausbau in der Gemeinde viel zu langsam

Auf der Doornte werden gerade Glasfaserleitungen verlegt. Mit den Leitungen sollen die Hans-Christian-Andersen-Schule und der Bauhof angeschlossen werden. © Stephan Teine

Michael Tenk malt ein düsteres Szenario: „Wenn das so weitergeht, haben wir in ein paar Jahren gleich mehrere Leerstände im Dorf.“ Denn schnelle Glasfaserverbindungen sind nicht nur für Geschäftsleute sondern auch für potenzielle Mieter der Wohnungen im Ortskern dringend notwendig. „Im Moment kommen wir mit den verfügbaren Bandbreiten noch gut klar. Aber was ist in fünf Jahren?“, fragt der Bäckermeister. Auch sein Betrieb, die Bäckerei Tenk-Bomkamp, ist längst auf schnelle Datenverbindungen angewiesen: „Datenverarbeitung, Betriebsverwaltung, Bestellsystem – das läuft doch alles längst über die Cloud“, erklärt er. Und die Entwicklung wird mit riesigen Schritten in diese Richtung weitergehen. Da ist er sich sicher. Doch Michael Tenk denkt bei seinem Kampf für schnelle Leitungen auch an Privatleute: „Das hat Michael Schichel in der Hauptausschusssitzung ja auch gesagt: Wegen der Sozialen Medien und Streamingdienste hat ja eine vierköpfige Familie heute schon mehr Datenverkehr als ein kleines Unternehmen“, sagt er.

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