Mit dem Kletterseil in die Baumwipfel: Alexander Emming kommt beruflich hoch hinaus

mlzUnternehmen Baum Emming

Alexander Emming hat einen Beruf gewählt, der ihn in die Natur und in die Höhe bringt: Er kontrolliert, begutachtet und pflegt Bäume. Und wenn es sein muss, klettert er zum Fällen hinauf.

Südlohn

, 02.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

An diesem sonnigen Tag im August bringt sein Beruf Alexander Emming wieder hoch hinaus: Eine Buche am Rande eines Wäldchens in der Coesfelder Bauerschaft Flamschen neigt sich in Richtung Straße und Nachbarhaus. Sie muss gefällt werden. Leider, wie der Eigentümer des Waldstücks, Karl Knapp, betont. Er hatte den Südlohner Unternehmer zu Rate gezogen. Alexander Emming ist Baumsachverständiger und hatte sich vor ein paar Tagen den Baum angesehen. „Nicht mehr standfest“, lautete das Urteil.

Der Baum wurde sofort per Seil am Nachbarbaum befestigt, um Gefahren auszuschließen. Nun hängt Alexander Emming selber am Seil. Er ist ausgerüstet wie ein Bergkletterer. Und das ist ein Alleinstellungsmerkmal in seinem Metier: Baumpfleger mit Seilklettertechnik-Ausbildung gibt es in Südlohn, Münster, Dülmen und Bocholt, zählt Alexander Emming auf. Sie arbeiten auch zusammen, denn beim Bäume fällen mit Seilklettertechnik müssen immer ein „Bodenmann“ und ein „Baumkletterer“ im Einsatz sein.

Mit dem Kletterseil in die Baumwipfel: Alexander Emming kommt beruflich hoch hinaus

Alexander Emming erklimmt per Seilklettertechnik die Bäume, die er beschneidet, sichert oder fällen muss. © Anne Winter-Weckenbrock

Was ist das besondere an der Baumpflege mit Seilklettertechnik? „Man ist standortunabhängig“, sagt Alexander Emming. Egal, wo der Baum steht, kann er ihn erklimmen. Das ist in machen Gärten, Innenhöfen oder am Hang oder an Böschungen nicht möglich, wenn mit einer Hubbühne gearbeitet werden muss, um in die Höhe zu kommen.

Studium in Arboristik

Nach seinem Abitur schlug Alexander gleich die Richtung zu diesem Beruf ein. Nach einer Ausbildung zum Gärtner mit der Fachrichtung Baumschule arbeitet er zunächst einige Jahre in dem Beruf, bevor er an der HAWK in Göttingen Arboristik (Arbor ist das lateinische Wort für Baum) studierte.

In diesem Studiengang geht es auch um den Schutz, die Pflege und die nachhaltige Entwicklung von Gehölzen und Einzelbäumen in städtischen Gebieten. Sechs Monate sammelte er in Baumschulen in Neuuselland und dann ab 2012 in einem Sachverständigenbüro für Bäume in Krefeld Berufserfahrung, bevor er 2014 den Sprung in die Selbstständigkeit in Baumpflege und Sachverständigenwesen für Bäume wagte.

Auch wenn er auch Hubarbeitsbühnen bedienen kann und darf – der 37-Jährige absolvierte zwei Lehrgänge, Seilklettertechnik Teil A und Teil B, so dass er auch in Kletterausrüstung und mit Steigeisen unter den Arbeitsschuhen „am Baum“ arbeiten kann. Beim Besuch von der Redaktion steht er in mindestens 15 Metern Höhe am Baumstamm.

Mit dem Kletterseil in die Baumwipfel: Alexander Emming kommt beruflich hoch hinaus

Baumpfleger Christoph Seemann und Baumeigentümer Karl Knapp nehmen das abgesägte Stück Stamm in Empfang, das Alexander Emming angeseilt zu Boden hat gleiten lassen. © Anne Winter-Weckenbrock

Die großen Äste aus der Krone hat er schon abgesägt, nun ist noch einer übrig. In einer ganz bestimmten Technik knotet er ein Seil um den Ast, setzt dann gekonnt die Motorsäge von beiden Seiten an. Unten hält sein Kollege Christoph Seemann aus Münster als „Bodenmann“ das Seil in Spannung und sorgt dafür, dass der Ast langsam zu Boden gleitet. Dann wird stückweise der Stamm abgesägt, die schwersten Stücke werden auch per Seil befördert.

Kontrollen, Gutachten und Baumpflege

Nicht nur zum Fällen wendet Alexander Emming die Seilklettertechnik an, auch bei der Pflege, wenn er Bäume beschneidet zum Beispiel, ist es eine baumschonende Arbeitsweise, wie er betont. 70 bis 80 Prozent seiner Arbeitszeit umfasse die Baumpflege – Einkürzen, Totholz entfernen, Fällen –, ansonsten sei er für Kontrollen oder Gutachten im Einsatz.

Mit dem Kletterseil in die Baumwipfel: Alexander Emming kommt beruflich hoch hinaus

Motorsägen mit unterschiedlichen Schwertlängen setzt Alexander Emming ein und darf sie nach speziellen Fortbildungen angeseilt und gesichert mit auf den Baum nehmen. © Anne Winter-Weckenbrock

Bei den Kontrollen und Gutachten gehe es oft um die Verkehrssicherheit von Bäumen im öffentlich zugänglichen Raum, die die Eigentümer gewährleisten müssen. Bei der Sichtkontrolle hält er mit geübtem Blick zum Beispiel nach Totholz in der Baumkrone oder Höhlungen Ausschau.

Gerade habe ihn noch ein Anruf von einer Baumbesitzerin im privaten Garten erreicht. „Sie möchte wissen, ob ihr Baum noch standfest ist, oder in Nachbars Garten fallen könnte“, erzählt der Südlohner. Alexander Emming schaut dann vor Ort nach, ob er den Baum einkürzen oder die Krone absichern kann oder ob er als letzte Lösung fällen muss. Bei einer Baumkronensicherung verbinde er die Teile der Baumkrone mit Seilen, erklärt Alexander Emming.

Alexander Emming prüft oft die Stand- und Bruchsicherheit von Bäumen

Ein Gutachten über einen Baum ist da schon aufwendiger. Diese werden angefertigt, wenn Zweifel bestehen und etwaige Schäden dokumentiert werden müssen. Bei stadtbildprägenden und sehr alten Bäumen ist das zum Beispiel der Fall. Es geht dann meist um die Stand- und Bruchsicherheit. Bei solchen Untersuchungen nutzt er technische Hilfsmittel wie einen Schalltomographen oder er führt Zugversuche durch.

Mit dem Kletterseil in die Baumwipfel: Alexander Emming kommt beruflich hoch hinaus

So sehen die Steigeisen aus, mit denen Alexander Emming die Bäume erklimmt. © Anne Winter-Weckenbrock

Ein anderes Arbeitsfeld: die Beratung. Wenn Baumaßnahmen anstehen und zu erhaltende Bäume auf dem Grundstück stehen, wird auch ein Baumpfleger zu Rate gezogen. Anders, als noch auf seiner Internetseite aufgeführt, führt Alexander Emming aber keine Beratung zur Gartenpflege mehr durch. Die Baumpflege füllt seine Kapazitäten voll aus, wie er zufrieden feststellt.

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