Der Bohrer bohrt sich in den Boden – bis zu acht Meter tief. Ein Kunststoffrohr wird dann eingelassen, durch das die Sonde in die Tiefe gelassen wird, die auf Metall reagiert. Auch auf etwaige Blindgänger, die entlang der L 572 in Südlohn an sechs Stellen tief unter der Erde liegen könnten. © Bernd Schlusemann
Landstraße 572

Mit Video: Landstraße durch Südlohn wochenlang gesperrt – Bombensuche

Keine Autos, dafür aber Sperrbaken, ein Bagger, der einen Bohrer postiert und Bauarbeiter in Warnwesten: Zwischen Turmhaus und Kreisverkehr Am Vereinshaus wird nach Blindgängern gesucht.

Voll gesperrt ist die L 572 in Südlohn zwischen Turmhaus/Beckedahl und dem Kreisverkehr Am Vereinshaus. Auf dem Teilstück der namenlosen Südlohner Ortskernumgehung wird nach Bomben gesucht, die im Zweiten Weltkrieg von den Alliierten abgeworfen wurden, aber nicht zündeten.

Sechs Verdachtspunkte für Blindgänger gibt es allein auf diesem Teilstück der Straße. Sie könnten sich tief unter der Erde verbergen und so eine große Gefahr darstellen für die Bauarbeiten, die dort geplant sind: Die SVS-Versorgungswerke bauen eine neue Wasserleitung, die Trinkwasser von Borken über Südlohn nach Hundewick zum Wasserwerk leitet. Dafür geht es tief ins Erdreich – und so ist die Blindgängersuche als Sicherheitsmaßnahme ein wichtiger Teil der Bauarbeiten.

Die Bezirksregierung Arnsberg ist zuständig für die Einsätze des

Kampfmittelräumdienstes in Westfalen. Dort erreicht die Redaktion Karl-Friedrich Schröder. Der Technische Einsatzleiter kann genau erklären, was entlang der L 572 gerade vor sich geht. Und was die Sucharbeiten überhaupt erst ausgelöst hat.

Denn bevor die von der SVS beauftragte Firma die Wasserleitungsrohre legen kann, hat die Gemeinde Südlohn erst einmal einen Antrag auf Luftbildauswertung gestellt. Weil bekannt ist, dass im Zweiten Weltkrieg Bomben auf Südlohn fielen.

Große Trichter – Explosion, kleine Löcher – eventuell Blindgänger

Nach dem Krieg wurde rund 20 Jahre in den von Bombardierungen betroffenen Flächen geräumt, „aber ohne es zu dokumentieren“, weiß Karl-Friedrich Schröder.

Mitte der 1960er-Jahre hätten die Engländer Luftbilder freigegeben. Diese könne nun der Kampfmittelräumdienst auswerten. „Das muss man interpretieren“, erläutert der Technische Einsatzleiter. Wo große Trichter auf den Luftbildern zu sehen sind, habe sich eine Explosion ereignet. „Aber wo kleine Löcher zu sehen sind, da könnten sich Blindgänger verbergen.“

Auch großes Gerät ist im Einsatz bei den Sondierungsbohrungen entlang der L 572 in Südlohn: Wegen der Blindgängersuche ist die Straße auf dem Teilstück zwischen Kreisel am Vereinshaus und dem Turmhaus voll gesperrt.
Auch großes Gerät ist im Einsatz bei den Sondierungsbohrungen entlang der L 572 in Südlohn: Wegen der Blindgängersuche ist die Straße auf dem Teilstück zwischen Kreisel am Vereinshaus und dem Turmhaus voll gesperrt. © Bernd Schlusemann © Bernd Schlusemann

Dass jetzt sechs Verdachtspunkte in Südlohn ausgemacht wurden, also sechs „kleine Löcher“ gesichtet wurden, heiße nicht, dass da sechs Bomben liegen, betont Karl-Friedrich Schröder. Aber, um das Bauen sicherer zu machen, werde nach Blindgängern gesucht. „Unsere Trefferquote liegt bei 30 Prozent.“

Die sogenannten „Sondierungsbohrungen“ gehen bis zu acht Meter tief in die Erde – „ausgegangen wird dabei von der Geländeoberfläche von 1945“, betont Karl-Friedrich Schröder. Mit Hilfe von Detektoren werde ein Erdmagnetfeld gesucht, das durch Metall – vielleicht eine Bombe – verursacht wird.

Der Bohrer schafft kreisrunden Platz für ein Kunststoffrohr, das dann in die Erde eingelassen wird. Durch das Rohr wird die Sonde in die Tiefe gelassen. „Bis zu acht Meter tief detektieren wir“, sagt der Technische Einsatzleiter. 37 Bohrungen werden pro Verdachtspunkt absolviert in einem Radius von sechs Metern rund um die Verdachtsstelle, die mit einem gelb gestrichenen Holzpflock gekennzeichnet ist.

Daten gehen per Mail zur Auswertung nach Arnsberg

Die Daten, die die Sonde ermittelt, werden per E-Mail an die Abteilung Geophysik und Detektion der Bezirksregierung weitergeleitet. Dort wird ausgewertet. „Das geht relativ schnell“, sagt der Technische Einsatzleiter, das Ergebnis solle in der Regel vorliegen, bevor die mit den Sondierungsbohrungen beauftragte Firma wieder abrückt.

Bei sechs Verdachtspunkten – „da bohren die wohl eine Woche“, schätzt Karl-Friedrich Schröder. Wird kein Blindgänger geortet, kann die SVS mit den Bauarbeiten für die Wasserleitung fortfahren. Wird ein Blindgänger gefunden, müsste dieser erst entschärft werden.

Straße ist wegen Bauarbeiten mindestens sechs Wochen gesperrt

Für die Wasserleitungsbauarbeiten, die sich vom Turmhaus bis zur Borkener Straße/Abzweig Tünte hinziehen, wird die L 572 im Anschluss der Blindgängersuche gesperrt. Sechs Wochen müssen sein, so die SVS, die mit den Bauarbeiten von der Ortsmitte in Richtung Borkener Straße „wandert“.

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Anne Winter-Weckenbrock

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