Ohne Zögern nimmt Monty die waagerechte Leiter in Angriff und trifft mit seinen Pfoten zielgenau die Sprossen. © Anne Winter-Weckenbrock
Rettungshund-Ausbildung

Mit Video: Monty trainiert auf wackeligen Wippen und waagerechten Leitern

Labradorwelpe Monty wird zum Rettungshund ausgebildet. Seine Trainingseinheit auf dem Gelände der Rettungshundestaffel Münsterland absolviert er mit Bravour. Die Redaktion durfte dabei sein.

Vier Monate ist er jetzt alt, Monty, der helle Labradorrüde, den die Redaktion auf seinem langen Weg zum Rettungshund begleitet. Seit er neun Wochen alt ist, lebt Monty bei Dirk Heinbokel in Oeding. Der Oedinger ist in der Rettungshundestaffel Münsterland ehrenamtlich aktiv – und Monty soll einmal dabei helfen, Vermisste aufzuspüren.

An diesem sonnigen, aber sehr windigen Samstag Ende März ist Monty bestens aufgelegt und begrüßt den Besuch von der Redaktion und Ausbilderin Martina Linke, die sich auf dem Trainingsplatz der Rettungshundestaffel in Coesfeld unterhalten, ausgelassen. „Das Anspringen ignorieren“, lernt der Gast von der Münsterland Zeitung. Streicheleinheiten sind also nicht drin zum Auftakt.

Ein gutes Gespann sind Monty und Dirk Heinbokel in den letzten vier Wochen geworden.
Ein gutes Gespann sind Monty und Dirk Heinbokel in den letzten vier Wochen geworden. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Es ist nicht Montys erster Besuch auf dem Gelände in Coesfeld-Stevede, auf dem die Rettungshundestaffel Übungsgeräte aufgebaut und eine Trümmerlandschaft nachgebaut hat. Aber er kennt noch nicht alle Geräte. Dirk Heinbokel darf den Labrador für einen Moment von der Leine lassen. Monty freut sich, läuft aber nicht allzuweit weg und sondiert die Lage. Hinten sind zwei Personen mit ihren Hunden in den Trümmern unterwegs.

Spielerische Herausforderungen nimmt Monty gerne an

Montys Training beginnt weiter vorne, an den Geräten. Dirk Heinbokel nimmt ihn wieder an die Leine, auf geht´s zum „schrägen Brett“. Das kennt der Labrador noch nicht. Dirk Heinbokel und Martina Linke stehen an der Seite, geben eine kurze Motivation – und er nimmt die spielerische Herausforderung an und läuft hoch. Das gibt ganz viel Lob und ein Leckerli. Dirk Heinbokel erklärt: „Das wird aber vom Futter abgezogen.“ Denn Monty wird sich in der Dreiviertelstunde eine Menge Leckerlis verdienen.

Martina Linke ist schon voll des Lobes. „Die beiden haben schon gut zusammengefunden“, erkennt die zertifizierte Ausbilderin des BRH. Monty habe gute Anlagen für einen Rettungshund: Er gehe die Dinge ohne Scheu an, aber sei gleichzeitig nicht zu draufgängerisch. Weiter geht es zur Wippe: Bei der Gleichgewichtsübung ist Monty schon fast routiniert.

Monty trainiert auf wackeligen Wippen und waagerechten Leitern

Wenn er auf diesem Gerät einmal geprüft werden wird, muss er die Wippe zum Kippen bringen und dann verharren. Das hat Monty schon fast raus, wie er zeigt, auch wenn ein Abgang dann etwas zu hektisch verläuft. Martina Link hat immer alles im Blick, kommentiert und gibt Tipps. Sie bevorzugt klare Kommandos für den Hund. „Rauf“, „Runter“ oder „Komm“. Da sollte nicht gewechselt werden, gibt sie den Rettungshundeführern mit auf den Weg.

Der Labrador überlegt, und dann nimmt er den Weg über den Schutt zu Dirk Heinbokel in Angriff. Eine gute Übung, Monty soll Vertrauen haben zu seinem Hundeführer.
Der Labrador überlegt, und dann nimmt er den Weg über den Schutt zu Dirk Heinbokel in Angriff. Eine gute Übung, Monty soll Vertrauen haben zu seinem Hundeführer. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Ob schräges Brett, Wippe oder waagerechte Leiter: Die Geräte trainieren nicht nur die Gewandtheit und das Gleichgewicht des Hundes, sondern auch den Gehorsam. „Es ist einfach wichtig. Wenn es in Trümmerlagen wackelig zugeht, muss der Hund auf den Menschen hören“, erläutert die Ausbilderin.

Auch die Einheit hin zum perfekten „Detachieren“ läuft zu ihrer Zufriedenheit: Monty wird zu zwei Podesten geführt, springt auf und bleibt oben. Das kennt er schon vom letzten Mal. Hier geht es darum, dass er später mit Hör-und/oder Sichtzeichen zu einem für ihn erkennbaren Objekt oder in eine bestimmte Richtung geschickt wird.

Für die nächsten zehn Minuten – dazwischen macht Monty immer Pause im Bulli – geht es dann in die Trümmerlandschaft. Monty hört auf Dirk Heinbokel, folgt ihm durch die Tür auch in ein Gebäude hinein, in dem viele Dinge herumliegen. Leere Flaschen, Papier, mit dem Dirk Heinbokel raschelt. Monty ist neugierig, schnuppert hier und da, aber lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

Es ist gut, dass Monty nicht kopflos über die Trümmer stürmt

Dirk Heinbokel klettert über einen Schuttberg auf ein Gebäude. Monty schaut interessiert, überlegt einen Moment und macht sich dann auf den Weg zum Herrchen. Da wird er mit Lob überschüttet. Dirk Heinbokel ist stolz auf Monty. Er zwingt ihn zu nichts, wartet, bis er sich traut. Auf der Trümmerlandschaft gibt es verschiedene Untergründe. „Es ist gut, dass er nicht kopflos drüber stürmt“, erklärt der Oedinger. Es gehe darum, dass Monty zu ihm Vertrauen fasse, wenn er ihn dann in einigen Jahren zur Suche schickt.

Monty folgt Dirk Heinbokel in das Innere eines Gebäudes in der Trümmerlandschaft.
Monty folgt Dirk Heinbokel in das Innere eines Gebäudes in der Trümmerlandschaft. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Zum Abschluss des Trainingstages machen die Drei noch einen „Witterungsspaziergang“. Ein kleiner Anreiz für Monty wird geschaffen, in dem Martina Linke ihm ein paar Leckerlis aus einem kleinen Beutel gibt. Dann macht sie sich auf den Weg und versteckt sich, Dirk Heinbokel und Monty drehen derweil eine Runde um die Trümmerlandschaft.

Witterungs-Spaziergang – auch da kann der Welpe punkten

Martina Linke ist nicht mehr zu sehen, der Oedinger lässt den Hundewelpen von der Leine und der stürmt erst mal ein paar Meter los. „Jetzt nimmt er Witterung auf“, sagt Dirk Heinbokel, der Monty genau beobachtet. Es dauert nicht lange, bis er Martina Linke aufgestöbert hat. Die Wiedersehensfreude ist groß. Nach dem zweiten Spaziergang steuert Monty als erstes in Richtung des ersten Verstecks, bleibt stehen, zögert und nimmt dann die richtige Richtung auf.

Fotostrecke

Monty auf dem Traingingsplatz

Und das mit dem „Verbellen“ beim Auffinden klappt bei Monty auch schon gut. Am Ende des Trainings sind Menschen und Hund bestens zufrieden. Und: „Wir hatten Spaß. Das ist wichtig, für die Hunde und die Hundeführer“, sagt Martina Linke lachend. Monty darf sich wieder in seiner Transportbox in Dirk Heinbokels Bulli ausruhen, es geht wieder nach Hause. Und da wird weiter trainiert im Alltag – natürlich auch das mit viel Spiel und Spaß.

Orte zum Üben gesucht

  • Die Rettungshundestaffel Münsterland hat ihren Platz in Coesfeld, aber natürlich ist es auch wichtig, dass die Hunde auf unbekanntem Terrain trainieren.
  • Der Verein freut sich, wenn den Mitgliedern mit ihren Hunden ermöglicht wird, zum Beispiel nach dem Abriss eines Gebäudes einige Stunden auf und in den Trümmern zu trainieren.
  • Auch darüber, unbekannte Flächen zur Verfügung gestellt zu bekommen, wäre der Verein froh.
  • Kontakt per E-Mail über die Internetseite
Über die Autorin
Redaktion Ahaus
Hat besondere Freude daran, das Besondere im Alltäglichen zu entdecken
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Anne Winter-Weckenbrock

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