Auf der Borkener Straße (L572) wurden am Montag Markierungen aufgebracht: Entlang der viel befahrenen Straße werden ab der nächsten Woche die neuen Rohre für die Wasserleitung gelegt. Der Verkehr wird umgeleitet oder halbseitig an der Baustelle vorbei. © Anne Winter-Weckenbrock
Neue Wasserleitung

Mit Video: Warum die Straßen nicht aufgerissen werden für die neue Wasserleitung

Die Rohre für die neue Wasserleitung von Borken nach Stadtlohn werden nach und nach in die Erde „gebohrt“: Die Baustelle ist in der Tünte angekommen. Bald wird die Ortslage Südlohn erreicht.

Die SVS-Versorgungswerke lassen eine neue Leitung bauen, in der Trinkwasser von Borken nach Stadtlohn transportiert wird. Im September starteten die Arbeiten in Borken – seit geraumer Zeit wird in der Südlohner Bauerschaft Tünte „gebohrt“, um die Rohre unter die Erde zu bekommen.

Am Montag werden sich viele Autofahrer auf der Borkener Straße gefragt haben, welche Baustelle da in Zukunft auf sie zukommen wird: Baken wurden aufgestellt und die Fahrbahn mit einer gelben, durchgehenden Linie markiert. Alles Vorbereitungen dafür, dass bald entlang der L 572 die Rohre für die neue Wasserleitung gelegt werden. „Ich schätze nächste Woche“, sagte Bernhard Wüpping von den SVS beim Ortstermin mit der Redaktion in der Tünte.

In der Südlohner Bauerschaft Tünte laufen Bauarbeiten: Entlang der alten
In der Südlohner Bauerschaft Tünte laufen Bauarbeiten: Entlang der alten „Trasse“ wird die neue Wasserleitung von Borken bis zum Wasserwerk Hundewick in Stadtlohn verlegt. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

In der Südlohner Bauerschaft laufen die Bauarbeiten schon seit einiger Zeit. Die neuen Rohre werden praktisch parallel zur bestehenden Wasserleitung in die Erde gebracht. Aber ohne Straßen aufreißen oder eine Trasse tief in die Erde baggern zu müssen: Die SVS hat sich für das Spülbohrverfahren entschieden, eine „grabenlose Rohrverlegung“.

Warum die Straßen nicht aufgerissen werden für die Wasserleitung

Es gibt „Start- und Zielgruben“, die offengelegt werden. Ansonsten spielt sich alles unter der Erde ab, in „geschlossener Bauweise“, wie es im Fachjargon heißt. Winfried Leusbrock, Geschäftsführer des mit dem Rohrleitungsbau beauftragten Heeker Unternehmens Eggertbau, ergänzt: „Wenn wir zum Beispiel wissen, dass viele Fremdleitungen unter der Erde liegen, dann bauen wir offen.“

Viele der Wasserrohre, die in der Ortslage Südlohn per Spülbohrung unter die Erde getrieben werden, lagern auf der Brache am Kreisverkehr am alten Vereinshaus.
Viele der Wasserrohre, die in der Ortslage Südlohn per Spülbohrung unter die Erde getrieben werden, lagern auf der Brache am Kreisverkehr am alten Vereinshaus. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Damit die Beteiligten wissen, wo eben ganz genau schon Versorgungsleitungen liegen oder wo auf Kanäle zu achten ist, sind zwei Tage lang Yannick Fahlenbock und Nour Saifelislan in Südlohn unterwegs gewesen. Die beiden Geowissenschaftler von der Heeker Firma Georadar sind mit einem Gerät unterwegs, das über eine Antenne Wellen in den Untergrund sendet. Leitungen oder andere Objekte dort werden reflektiert, von der Antenne empfangen und dann ist auf einem Bildschirm für die Experten zu erkennen, wo zum Beispiel Leitungen verlaufen.

Dieses Radargramm ist für einen Laien ähnlich gut zu lesen wie ein Ultraschallbild. Aber: Die Lage der Leitungen ist dann digital erfasst, und zusätzlich markieren die beiden Geowissenschaftler noch auf dem Pflaster des Gehwegs, wo im Untergrund auf Leitungen, Kanäle und Co. geachtet werden muss. Sechs Meter weit in die Tiefe können die Wellen des Geräts gehen. 1,3 Kilometer entlang der Ortsdurchfahrt wurden in zwei Tagen auf diese Weise untersucht, erklärt Nour Saifelislan.

Noch aber stehen die Projektbeteiligten vor einer anderen Herausforderung: Die Schlinge liegt auf dem Weg, oder besser gesagt: Sie muss mit den zwölf Meter langen Rohren unterquert werden. Genauso wie die Borkener Straße. Aber auch das wird mit dem Spülbohrverfahren erledigt. Winfried Leusbrock sieht da keine großen Probleme auf die Beteiligten zukommen.

Bauarbeiten liegen trotz „Schneewoche“ gut im Zeitplan

Probleme gab es auch bislang nicht: „Wir liegen richtig gut im Zeitplan“, zieht

Versorgungsingenieur Norman Sladeczek (SVS) eine positive Zwischenbilanz für das 3,5 Millionen Euro teure Projekt. Selbst die Schneemassen-Woche im Februar warf die Baustelle insgesamt nicht zurück, auch wenn zu dem Zeitpunkt rein gar nichts gemacht werden konnte. Nur, dass die Anlieger der betreffenden Wirtschaftswege in der Tünte jetzt ein paar Tage länger hin und wieder mit Einschränkungen rechnen müssen. Sie werden „auf kurzem Weg“ so Bernhard Wüpping von den SVS, informiert, falls Absperrungen nötig sind.

In der Südlohner Bauerschaft Tünte laufen Bauarbeiten: Entlang der alten
In der Südlohner Bauerschaft Tünte laufen Bauarbeiten: Entlang der alten „Trasse“ wird die neue Wasserleitung von Borken bis zum Wasserwerk Hundewick in Stadtlohn verlegt. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Bislang ging es nur „durchs Gelände“ von Borken bis zur Tünte, immer parallel zur bestehenden Wasserleitung. Zum ersten Bauabschnitt zählt aber die Trasse bis zum ehemaligen Lidl-Gebäude. Dort werden dann 5,6 Kilometer der insgesamt 9,6 Kilometer langen Leitungsstrecke geschafft sein. Von dort wird die Leitung weiter bis zum Turmhaus neben der L 572 verlegt, dort wird die Trasse dann Richtung Beckedahl nach links abknicken und hinter dem Beckedahl nach rechts Richtung Hundewick verlaufen, erläutert Norman Sladeczek den Verlauf der Leitungstrasse.

Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, bleibt die alte Wasserleitung liegen, funktionsfähig und wird durch Haltespangen mit der neuen Leitung verbunden. Die neuen Rohre haben mit 28 Zentimetern mehr Durchmesser als die alten mit 25 Zentimetern, „es könnte in Zukunft mehr durchlaufen“, sagt der Versorgungsingenieur. Aber: Aus Borken können vertraglich pro Jahr bis zu 1,75 Millionen Kubikmeter Trinkwasser bezogen werden. Mehr als die Hälfte des Jahresverbrauchs.

Yannick Fahlenbock und Nour Saifelislan sind Geowissenschaftler und waren zwei Tage lang für das Heeker Unternehmen Eggert in Südlohn entlang der L 572 unterwegs, um vor der Verlegung der neuen Wasserleitung die bestehenden Versorgungsleitungen zu orten.
Yannick Fahlenbock und Nour Saifelislan sind Geowissenschaftler und waren zwei Tage lang für das Heeker Unternehmen Eggert in Südlohn entlang der L 572 unterwegs, um vor der Verlegung der neuen Wasserleitung die bestehenden Versorgungsleitungen zu orten. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

„Diese Obergrenze reizen wir komplett aus“, so Norman Sladeczek: So könnten 250.000 Kubikmeter weniger aus eigenen Reserven beansprucht werden, „um das Grundwasser zu schonen“. Engpässe sollen vermieden werden. Wobei der SVS-Mitarbeiter wieder betonen muss, dass nach den trockenen Sommern in Folge nach wie vor ein besonnener Umgang mit dem Lebensmittel Trinkwasser angesagt sei in den Haushalten in Stadtlohn, Südlohn und Vreden, die die SVS beliefert. Der Verbrauch sei im Jahr 2020 mit rund drei Millionen Kubikmetern ähnlich hoch gewesen wie im Jahr 2019, so Norman Sladeczek auf Nachfrage.

Verkehr muss umgeleitet werden – wie, wird noch geklärt

Wie der Verkehr um die Baustelle geleitet wird, wenn die Leitung entlang der L 572 durch den Ort verlegt wird, wird aktuell mit den zuständigen Behörden abgeklärt.

Über die Autorin
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Anne Winter-Weckenbrock

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