Modehaus Hollad in Südlohn geschlossen - hinter den Kulissen geht es weiter

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Das Modehaus Hollad hat bis wenigstens Ende März seine Türen geschlossen. Gearbeitet wird aktuell aber trotzdem mit Hochdruck. Christoph Hollad weiß, dass nun schwere Zeiten anstehen.

Südlohn

, 17.03.2020, 16:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Montagabend, 20 Uhr, Tagesschau im Ersten: Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigt weitere Konsequenzen in der Corona-Krise an. Geschäfte sollen bis auf wenige Ausnahmen geschlossen werden, um die Ausbreitung der Krankheit weiter einzudämmen. Es ist der Moment, in dem Christoph Holland beschließt, den Familienbetrieb am Dienstagmorgen nicht mehr zu öffnen.

„Die Gesundheit unserer Kunden und Mitarbeiter steht einfach im Vordergrund“, heißt es in einem Posting auf der Plattform Facebook. Hinter den Kulissen geht es aber auch am Dienstag weiter. Schließlich müssen knapp 1000 Teile, die teilweise lange vor der Corona-Krise bestellt wurden, geändert und für den Kunden fertig gemacht werden.

„Die Arbeit muss weitergehen. Es gibt feststehende Termine und von unserer Seite muss die Ware dann für die Kunden bereitstehen“, sagt Christoph Hollad im Gespräch mit der Redaktion am Dienstagmorgen. Eine seiner Mitarbeiterinnen ist den gesamten Dienstag damit beschäftigt, Telefonate mit Kunden zu führen und die Situation zu erklären.

Planungen aktuell fast unmöglich

Obwohl der Südlohner weiß, dass Planungen über den Tag hinaus aktuell nahezu unmöglich sind, sagt er: „Falls sich in 14 Tagen die Lage entspannt haben sollte, wollen wir direkt wieder durchstarten können. Wir wollen vor unseren Kunden das Gesicht wahren.“ Nach aktuellem Stand soll das Modehaus Ende März wieder eröffnen.

Der Optimismus entweicht allerdings aus Christoph Hollads Stimme, wenn er auf die Situation seiner Mitarbeiter zu sprechen kommt. Von seinen 45 Angestellten hat er einen Großteil nach Hause schicken müssen. Putzkräfte und Verkäuferinnen wären aktuell beschäftigungslos.

Mitarbeiterin Lena nimmt am Dienstag zahlreiche Anrufe entgegen. Die Kunden haben viele Fragen.

Mitarbeiterin Lena nimmt am Dienstag zahlreiche Anrufe entgegen. Die Kunden haben viele Fragen. © Markus Gehring

„Der Umsatz liegt gerade bei null. Wir haben keine neuen Einkünfte“, erklärt der Geschäftsmann. Seinen Lieferanten musste er mitteilen, dass er keine weitere Ware mehr annehmen könne. „Die Regale und Ständer sind voll mit bereits bezahlter Ware.“

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Kein gutes Haar lässt Christoph Hollad an der Regierung: „Ich fühle mich vom Staat im Stich gelassen.“ Bei den zuständigen Behörden sei man auf die großen Ankündigungen der Politik - wie zum Beispiel eine Ausweitung des Kurzarbeitergeldes und Fördergelder - nicht vorbereitet.

Kurzarbeitergeld steht noch nicht zur Verfügung

„Das ausgeweitete Kurzarbeitergeld ist überhaupt noch nicht freigegeben, Anträge werden erst ab Mittwoch bearbeitet. Was Ministerpräsident Armin Laschet im TV erzählt, widerspricht sich in jeglicher Form“, berichtet Christoph Hollad. Damit meint er auch die versprochenen Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). „Wer soll denn diese Zinsen zahlen?“, fragt Hollad rhetorisch.

Unumwunden gibt der Südlohner zu: „Es sind sehr schwierige Zeiten. Ich bin froh, dass die örtlichen Banken aktiv und auf unkonventionelle Weise ihre Hilfe anbieten.“ Eine Prognose für die Zukunft kann und will Christoph Hollad nach aktuellem Stand der Dinge nicht abgeben. Er sagt nur: „Wir werden alles aufbrauchen, was wir zur Verfügung stehen haben. Aber der Topf ist nicht grenzenlos.“ Das Beispiel Hollad zeigt deutlich: Die Corona-Krise bringt selbst ansonsten kerngesunde Unternehmen ins Wanken.

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