Jochen Albers' Tage im Henricus-Stift sind gezählt: Ende Mai verlässt er das Seniorenheim und den Caritasverband. Er übernimmt die Leitung des Seniorenheims Guter Hirte in Bocholt. © Stephan Rape
Henricus-Stift

Nach 17 Jahren: Jochen Albers übernimmt Leitung in Bocholter Seniorenheim

Jochen Albers hat mit 52 eine neue Herausforderung gesucht und gefunden: Nach 17 Jahren als Leiter im Henricus-Stift wechselt er nach Bocholt. Den Schritt nach Südlohn hat er nie bereut.

Es war schon eine kleine Bombe, die der Caritasverband im Dekanat Ahaus-Vreden am Freitagabend (22. Januar) platzen ließ: Jochen Albers verlässt das Henricus-Stift. Seit 2004 hat er das Seniorenheim geleitet.

„Nach der Nachricht stand mein Handy erstmal nicht mehr still“, sagt der 52-Jährige am Dienstag. Und was hat er jetzt vor? „Ich kann ja nichts anderes, als ein Altenheim zu leiten“, sagt er gut gelaunt. Er übernimmt die Leitung im Haus „Guter Hirte“ Bocholt, einem Alten- und Pflegeheim der Stiftung Haus Hall. 120 Plätze, plus zehn Plätze in der Kurzzeitpflege und zwei Hospizplätze gibt es dort. Damit sei es eines der größeren Pflegeheime im Kreis Borken.

Neue Herausforderung mit 52

„Der bisherige Leiter dort geht in den Ruhestand. Ein Nachfolger wurde gesucht“, sagt Jochen Albers. Er habe sich beworben und den Zuschlag bekommen. „Ich bin glücklich und zufrieden hier“, sagt er über das Henricus-Stift. Aber mit 52 wollte er eben noch einmal eine neue Herausforderung annehmen.

17 Jahre hat er das Henricus-Stift geleitet und es dabei auch durch schwierige Zeiten gesteuert – nicht nur in der aktuellen Coronakrise. „Als ich 2004 hier angefangen habe, wurde gerade das Therapiezentrum mit dem Schwimmbad geschlossen“, erinnert er sich. Eine Entscheidung, die er nicht getroffen habe, die er aber ausbaden musste: „Die Reaktionen waren wütend und die Leserbriefspalten voll. Das steckt man nicht so einfach weg“, sagt er.

Deutlich ruhiger sei der Übergang des Henricus-Stifts in die Trägerschaft des Caritasverbands gelaufen. Das war im Juli 2018. „Immer noch die richtige Entscheidung“, sagt Jochen Albers heute. Allein mit Blick auf den immensen Verwaltungsaufwand.

Bisherige Tiefpunkte waren bestenfalls Kindergeburtstag

Ein Tiefpunkt war, als sich vor einigen Jahren die Krätze im Henricus-Stift ausgebreitet hat. „Das war damals natürlich der Horror. Aber im Vergleich mit der Corona-Pandemie bestenfalls Kindergeburtstag“, sagt Jochen Albers heute.

Den aktuellen Zustand beschreibt er knapp: „Absolute Katastrophe.“ Ab Ende dieser Woche sollen auch im Henricus-Stift Bundeswehrsoldaten das Personal bei Verwaltungsaufgaben unterstützen. Etwa bei der Testung der Besucher oder Erfassung von Kontaktdaten. „Dass wir uns selbst nicht mehr helfen können, hab ich noch nicht erlebt“, sagt er. Aber das eigene Personal bekomme die Aufgaben einfach nicht mehr gestemmt.

Was sich sonst noch in 17 Jahren verändert hat? „Die Bewohnerstruktur“, sagt er. In seinen Anfangsjahren in Südlohn hätten viele fitte Senioren im Henricus-Stift gewohnt. „Da haben wir Ausflüge organisiert. Zur Wallfahrt nach Kevelaer oder eine Schifffahrt auf dem Rhein“, sagt er. Heute kämen die Menschen viel später ins Seniorenheim und seien auf viel mehr Pflege angewiesen. „Oft verlassen die Bewohner ihr Bett gar nicht mehr“, sagt er. Dafür werde heute der Bereich ambulantes Wohnen viel weiter ausgebaut.

Neues Personal ist kaum zu bekommen

Auch mit Blick auf das Personal sehnt er sich ein Stück weit in alte Zeiten zurück: „Früher hatten wir jeden Monat einen Stapel von Initiativbewerbungen.“ Heute brauche er mehrere Monate Vorlauf, um eine Stelle zu besetzen. „Wir als Einrichtung müssen uns bei den Arbeitnehmern bewerben“, ergänzt er. Dass sich das noch einmal ändere, mag er nicht glauben.

Trotzdem würde er den Schritt in die Altenpflege und auch ins Henricus-Stift jederzeit noch einmal machen. „Die Zusammenarbeit mit dem Team, dem Kuratorium und auch dem Caritasverband war einfach toll“, sagt er. Was ihm in Zukunft fehlen wird? Das mag er noch nicht beantworten. Auch weil er noch nicht genau weiß, was ihn erwartet.

Südlohn kehrt aber nicht ganz den Rücken, sondern bleibt im Ort wohnen. Sein Nachfolger steht noch nicht fest, Gespräche liefen aber. „Und wenn dann noch einmal Hilfe gebraucht wird, bin ich ja nicht weit weg“, sagt er.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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