Natur hat sich das Biotop am Regenrückhaltebecken zurückerobert

mlzGewerbegebiet Oeding

Das Regenrückhaltebecken an der Daimlerstraße konnte sich die Natur zurückerobern. Die Idee hatte Jürgen Gesing. Selbst Eisvögel lassen sich dort regelmäßig blicken.

Südlohn

, 24.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er hatte es sich so schön ausgemalt: Beim Gewerbetag in Oeding wollte Jürgen Gesing „sein“ kleines Biotop am Regenrückhaltebecken hinter den Hallen an der Daimlerstraße für ein großes Publikum öffnen.

Mit dem Fischereiverein Gemen-Burlo-Gelsenkirchen hatte er ein Rahmenprogramm organisiert. „Die Leute standen parat“, sagt er. So wollte er ein Schnupperangeln anbieten. Auch ausgiebige Erklärungen zu den einzelnen Stationen des Biotops waren vorbereitet. Tafeln mit Erklärungen zu Tieren und Pflanzen liegen bereit.

Viel Betrieb im Insektenhotel. An einem Schaukasten zeigt Jürgen Gesing, wie sich die Wildbienen in den kleinen Öffnungen ihre Bruthöhlen bauen.

Viel Betrieb im Insektenhotel. An einem Schaukasten zeigt Jürgen Gesing, wie sich die Wildbienen in den kleinen Öffnungen ihre Bruthöhlen bauen. © Stephan Teine

Doch der Gewerbetag wurde wegen des Coronavirus abgesagt. Auch geplante Führungen mit Kindergärten, Grundschulen oder Vereinen hat Jürgen Gesing erst einmal abgesagt. „Ich führe hier niemanden mit Mundschutz herum“, sagt er ganz deutlich. Solange das Virus sich noch ausbreite, müsse das eben noch warten.

Ein Stück Natur direkt im Gewerbegebiet. Technisch bleibt das Areal ein Regenrückhaltebecken und Löschteich. Doch drumherum ist inzwischen ein echtes Biotop entstanden.

Ein Stück Natur direkt im Gewerbegebiet. Technisch bleibt das Areal ein Regenrückhaltebecken und Löschteich. Doch drumherum ist inzwischen ein echtes Biotop entstanden. © Stephan Teine

Doch von dem Virus draußen einmal abgesehen, hat sich das Biotop rund um das Regenrückhaltebecken dennoch prächtig entwickelt.

Eisvögel kommen regelmäßig ans Wasser zur Jagd

„Sogar Eisvögel sind inzwischen regelmäßig hier. Genau wie ich es mir damals erhofft habe“, sagt er. Damals, vor vier Jahren, als die Arbeit am Biotop begann, habe ihm das niemand abgenommen. Selbst unter Kollegen und Helfern sei er für die Idee mit dem Eisvogel eher noch belächelt worden. „Umso größer war bei denen die Überraschung, dass es tatsächlich geklappt hat“, erklärt er.

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Unzählige Videos mit Eisvögeln habe er inzwischen durch eine Wildkamera aufnehmen können. „Die fühlen sich hier richtig wohl und jagen nach Fischen und Molchen“, erklärt er. Nur die Nisthöhlen in einem kleinen Steilhang haben sie bisher noch nicht genutzt.

Jürgen Gesing, Jugendleiter beim Fischereiverein Gemen-Burlo-Gelsenkirchen, hatte vor ein paar Jahren die Idee für das Biotop rund um das Regenrückhaltebecken. Mit vielen Helfern hat er sie umgesetzt.

Jürgen Gesing, Jugendleiter beim Fischereiverein Gemen-Burlo-Gelsenkirchen, hatte vor ein paar Jahren die Idee für das Biotop rund um das Regenrückhaltebecken. Mit vielen Helfern hat er sie umgesetzt. © Stephan Teine

Gerade blühen auch die Wildblumen-Streifen rund um das Gewässer. Die Luft ist erfüllt mit schwirrenden Insekten. Schwalben stürzen sich von den Stromleitungen an der Straße immer wieder im Tiefflug über das Gewässer.

Insektenhotel ist fast komplett ausgebucht

Auch das Insektenhotel direkt am Eingang zum Biotop ist gut besetzt. Wildbienen haben sich in den verschiedenen Öffnungen eingenistet und die Löcher verschlossen. Jürgen Gesing deutet auf die Bambusstäbe und Backsteine: „Überall, wo ein Deckel auf den Öffnungen ist, hat sich ein Tier eingenistet“, erklärt er. Dann zieht er einen Schaukasten aus der Halterung. Durch eine seitliche Plexiglasscheibe können die Tiere in den Höhlungen beobachtet werden. „Vor ein paar Wochen ging es hier wortwörtlich zu wie im Bienenstock“, sagt Jürgen Gesing lächelnd.

Schwalben im Tiefflug über dem Gewässer. "Das sieht man doch heute sonst nirgends mehr", sagt Jürgen Gesing.

Schwalben im Tiefflug über dem Gewässer. "Das sieht man doch heute sonst nirgends mehr", sagt Jürgen Gesing. © Stephan Teine

„Wenn ich hier nur ein paar Minuten sitze, ist das fast wie Urlaub“, sagt Jürgen Gesing. Der Kontrast könnte dabei kaum größer sein: Unmittelbar vor dem Zaun des Regenrückhaltebeckens erstrecken sich die Hallen und Anlagen des Gewerbegebietes. Lastwagen rangieren, chemische Anlagen arbeiten auf Hochtouren. Doch rund um das kleine Gewässer gerät das in den Hintergrund.

Führungen durch das kleine Biotop rund um das Regenrückhaltebecken sind nach der Corona-Krise mit telefonischer Anmeldung bei Jürgen Gesing, Tel. 02862 5563, möglich.

Natur zum Anfassen und zum Erklären – das hat dem Fischereiverein bereits mehrere Preise bei unterschiedlichen Wettbewerben eingebracht. Die Preisgelder wurden wieder investiert. Beispielsweise für die großen Tafeln mit Erklärungen. „Ohne die enge Zusammenarbeit mit vielen Vereinen und Helfern wäre das gar nicht möglich gewesen“, sagt er.

Führungen sind nach Anmeldung möglich

Der Zaun rund um das Biotop ist normalerweise geschlossen. Schließlich handelt es sich immer noch um ein Regenrückhaltebecken der Gemeinde. „So bekommen wir wenigstens kein Problem mit Vandalismus“, sagt Jürgen Gesing. Trotzdem möchte er das Biotop möglichst vielen Menschen zeigen.

Gruppen können sich telefonisch anmelden. Mit Kindergärten und Grundschulen sind enge Kooperationen geplant. „Es ist einfach toll, wie schnell sich die Natur so eine Fläche zurückholt, wenn man ihr nur die Gelegenheit lässt“, sagt er.

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