Panofen © Markus Gehring
Rettungseinsätze

Notfall am Panofen: Rettungswagen stand an falscher Seite der Schlinge

Der Notfall war an der Straße Panofen im Neubaugebiet Burloer Straße West in Oeding passiert, das Navi führte den Rettungswagen zu den Supermärkten an der Straße. Wie es dazu kommen konnte.

Die Straße Panofen in Oeding wird von der Schlinge durchtrennt. Zur Ortsmitte hin mündet der Panofen praktisch auf der Pfarrer-Becker-Straße, im Neubaugebiet Burloer Straße West, jenseits der Schlinge, wird er fortgeführt. Aber die Brücke mit Straße über den Fluss gibt es halt noch nicht. Das führte jetzt bei einem Rettungseinsatz zu Schwierigkeiten.

Ein Leser hatte sich an die Redaktion gewandt: Nach einem kleinen Unfall habe man die „112“gerufen. Nach drei Minuten sei ein Rückruf gekommen mit der Frage, wie der Rettungswagen zum Haus kommen könne. „Wir wohnen im Neubaugebiet in Oeding, der Rettungsdienst stand bei den Supermärkten“, beschreibt der Oedinger den weiteren Verlauf.

Mutmaßung: Zuwegung über „An der Schlinge“ nicht bekannt?

Im Nachhinein habe er erfahren, dass der Rettungsdienst die ehemalige Zufahrtsstraße verwendet hat, die seit als Fuß- und Radweg mit einem Sperrposten versehen ist. Seine Mutmaßung: Die neue Zufahrt zum Panofen über die Straße „An der Schlinge“ sei anscheinend nicht bekannt. Woran das liegen könnte, ob die Gemeinde versäumt habe, die Straßenführung mitzuteilen? „Solche Fälle können gegebenenfalls Menschenleben kosten“, betont er mit Blick auf Notrufe wegen eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls.

Den Verlauf des Rettungseinsatzes am Panofen vor ein paar Tagen bestätigt Stephan Kruthof, der Leiter der Leitstelle des Kreises Borken. In diesem Fall habe tatsächlich das Navigationsgerät den Rettungswagen zunächst an das Teilstück des Panofens geleitet, wo es nicht weiterging. „Das passiert manchmal“, räumt Kruthoff ein. Der Rettungsdienst habe keine „Alarm-Navis“, nutze die gängigen des Herstellers Garmin.

Gleichwohl gebe es Besonderheiten: Strecken, die für Lkw nicht befahrbar sind, seien von vornherein ausgeklammert. Ansonsten schildert der Leiter der Leitstelle den normalen Ablauf so: „Bei einem Notruf werden auch die Standortdaten übertragen. Diese Koordinate wird an die Navigationsgeräte der Rettungsdienstfahrzeuge übermittelt. Von dort aus erfolgt dann die Navigation zum Einsatzort.“

Bei Unstimmigkeiten wird telefoniert

Soweit, so gut. Bei Unstimmigkeiten – so wie jetzt bei dem Einsatz in Oeding geschehen – erfolge eine weitere Kommunikation zwischen dem Anrufer, der Rettungswagenbesatzung und der Leitstelle. Nach der Klärung sei dann der Weg über die mit Sperrpfosten versehene Zuwegung gewählt worden. „Der Rettungsdienst hat Sperrpfostenschlüssel auf dem Fahrzeug und nutzt diese auch“, erläutert Kruthoff.

Aber auch die Zufahrt über „An der Schlinge“ sei dem Rettungsdienst bekannt – und ist nach dem Vorfall jetzt auch noch einmal als Extra-Info hinterlegt, wie Stephan Kruthoff erläutert. Was er damit meint: Die Rettungssanitäter haben an Bord ihres Fahrzeugs ein Display, das neben der Wegbeschreibung des Navis weit mehr anzeigt an Informationen. Ob die Notlage im ersten Stock eines Gebäudes ist oder aber aktuell auch, ob es sich um eine corona-infzizierten Patienten handelt.

Diese Info sei jetzt eingetragen. „Aber das machen wir nicht überall“, sagt der Leitstellen-Leiter. In anderen Fällen, wenn Wege durch Betonpfosten abgesperrt sind, sei das ähnlich gelagert. „Wenn der Einsatzort nur 20 Meter dahinter ist, laufen die Mitarbeiter auch dahin“, beschreibt er. Die kürzesten Wege seien schon das Ziel bei einer Rettungsfahrt – solche Zusatzinformationen helfen dann den Rettungswagen-Fahrern.

Kommunen teilen neue Straßennamen frühzeitig mit

In diesem Fall lag es also eher am Navi als an unvollständigem Kartenmaterial. „Die Kommunen teilen uns die neuen Straßen beziehungsweise Baugebiete direkt nach Planungsbeginn, also schon dann, wenn diese im Bauausschuss festgelegt werden, mit“, erklärt Kruthoff die Vorgehensweise. Diese Straßendaten würden dann im Einsatzleitsystem hinterlegt. „Die genaue Hausnummer, der Standort, wird dann über die Notrufdaten ermittelt und an die Navigationsgeräte der Rettungsdienstfahrzeuge übermittelt.“

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Anne Winter-Weckenbrock

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