„Ich will nicht wieder ins Gefängnis“: 21-Jähriger wurde mit Drogen und Waffen erwischt

mlzDrogendealer verurteilt

Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht? Bei dieser Einschätzung lagen Staatsanwalt und Gericht auseinander. Beim Urteil gegen einen 21-jährigen Drogendealer lagen sie dann nahe beieinander.

Südlohn

, 18.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kiloweise Drogen, einen Elektroschocker, einen Schlagring und 28.010 Euro Bargeld hat die Polizei im August 2018 bei einem Drogendealer in Oeding sichergestellt. Vor dem Landgericht in Bocholt wurde der 21-Jährige am Dienstag zu dreieinhalb Jahren Haftstrafe verurteilt - nach dem Jugendstrafrecht. Die sichergestellten Drogen und das Bargeld werden außerdem eingezogen.

Der zweite Prozesstag gegen den Oedinger begann mit der Befragung des Polizeibeamten, der den Dealer nach seiner Festnahme in der Zelle vernommen hatte. Der 56-Jährige betonte, dass der 21-Jährige kooperativ und geständig war, reinen Tisch machen wollte. Trotzdem habe er keine Aussagen zu seinen Lieferanten oder Abnehmern gemacht.

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Am ersten Verhandlungstag hatte das Gericht angedeutet, dass es sich noch nicht ganz im Klaren darüber ist, ob bei dem Angeklagten das Jugend- oder das Erwachsenenstrafrecht anzuwenden sei. Daher befragte der Vorsitzende Richter den 21-Jährigen erneut zu seinen Lebensumständen.

Ob er neben Schlafen, Sport und Drogenverkauf noch etwas anderes gemacht habe, wollte der Richter wissen. Er habe auch mal den Rasen gemäht, antwortete der Angeklagte. „Sie haben also quasi vor sich her gelebt“, resümierte der Richter.

Der Oedinger Heimatverein hat den Platz mit Sitzgruppe und Schachbretttisch eingerichtet, an dem mit nicht unerheblichen Mengen Drogen gehandelt wurde.

Der Oedinger Heimatverein hat den Platz mit Sitzgruppe und Schachbretttisch eingerichtet, an dem mit nicht unerheblichen Mengen Drogen gehandelt wurde. © Bernd Schlusemann

Der Blick ins Strafregister des Angeklagten machte dann deutlich, dass der 21-Jährige bei Polizei und Gericht kein Unbekannter ist: Sachbeschädigung, Körperverletzung, Betäubungsmitteldelikte. Zuletzt wurde der Oedinger verurteilt, weil er in 20 Fällen für schuldig gesprochen wurde, mit Drogen gehandelt zu haben. Diese Bewährungsstrafe wurde im vergangenen Jahr getilgt, wurde im jetzigen Verfahren also nicht mehr einbezogen.

Staatsanwalt fordert vier Jahre Haft

In seinem Plädoyer sah es der Staatsanwalt als erwiesen an, dass der Angeklagte in erheblichem Maß mit Drogen gehandelt hatte. Die Beweisaufnahme habe aber nicht strafverschärfend ergeben, dass der Angeklagte Schlagring und Elektroschocker bei seinen Drogengeschäften dabei hatte.

Der Angeklagte sei in diesem „nicht minderschweren Fall“ nach dem Erwachsenenstrafrecht zu vier Jahren Haft zu verurteilen, so der Antrag des Staatsanwalts. Er stützte sich bei dieser Forderung auf die Aussage der Jugendgerichtshilfe, die keine Reifeverzögerung bei dem Oedinger sah. Genauso wurde es auch von der Justizvollzugsanstalt beurteilt, in der der 21-Jährige seit einem halben Jahr in U-Haft sitzt.

Anwalt beantragt Urteil nach Jugendstrafrecht

Ja, sein Mandant habe mit „erheblicher krimineller Energie“ gehandelt, räumte der Anwalt des Angeklagten ein. Für ihn war der 21-Jährige aber nach dem Jugendstrafrecht zu verurteilen. „Er wohnt zu Hause, mäht den Rasen, lässt sich bekochen“, führte er aus und beantragte eine Jugendstrafe von höchstens drei Jahren. Das würde ihm auch die Chance geben, seine im Gefängnis begonnene Ausbildung zu beenden.

„Ich will nicht wieder ins Gefängnis“, äußerte sich der Angeklagte nach den Plädoyers „geschockt“ vom Antrag der Staatsanwaltschaft. Das Urteil des fünfköpfigen Gerichts fiel zeitlich dann aber ähnlich hoch aus, wie vom Staatsanwalt beantragt: dreieinhalb Jahre, allerdings als Jugendstrafe, lautete das Urteil.

Den schwunghaften Drogenhandel des 21-Jährigen sah auch das Gericht als erwiesen an. Anders als die Staatsanwaltschaft bewertete das Gericht das Vorhandensein von E-Schocker und Schlagring. „Die lagen griffbereit“, dort, wo die Drogen verpackt und portioniert wurden, nahm das Gericht die Waffen mit ins Urteil.

Das, zusammen mit den nicht unerheblichen Drogenmengen die sichergestellt wurden: Der Richter sprach von einer bis zu siebenjährigen Haftstrafe, die einem Erwachsenen für so eine Tat drohen würde.

Gericht setzt Jugendstrafrecht beim Strafmaß an

Das Gericht urteilte am Ende mit den dreieinhalb Jahren aber nach Jugendstrafrecht. Die Entwicklung des Angeklagten, mit der Trennung der Eltern, dem Scheitern in der Schule und dem eigenen Drogenkonsum begründete das Gericht dabei. Ganz besonders aber, dass der Angeklagte bereits vor seiner Festnahme zu der Erkenntnis gekommen sei, „dass es so nicht mehr weitergeht“ und er mit dem Dealen aufhören wollte.

Aus dieser Aussage des Angeklagten am ersten Prozesstag schloss das Gericht, dass „vorher die Reife nicht vorlag“. Die Jugendstrafe gebe dem Angeklagten Gelegenheit, seine Ausbildung fortzusetzen, setzt das Gericht darauf, dass der 21-Jährige seine Lehren gezogen hat.

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