Oedingerin sieht besondere finanzielle Probleme bei älteren Frauen

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Immer mehr ältere Menschen leiden unter finanziellen Schwierigkeiten. Erika Matschke aus Oeding kennt einige Gründe dafür und weiß, warum es vor allem Frauen im Alter schwer haben können.

Oeding

, 19.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Immer mehr alte Menschen in Deutschland können ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Seit 2013 habe sich die Zahl der überschuldeten Verbraucher im Alter ab 70 Jahren mehr als vervierfacht - auf mittlerweile rund 470.000 Betroffene. Das berichtete die Wirtschaftsauskunftei Creditreform in ihrem „Schuldneratlas 2020“.

Erika Matschke aus Oeding setzt sich unter anderem in der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) für die Belange von Senioren ein. Sie überrascht der Trend nicht. „Wenn nicht eingezahlt wird, kann auch nicht ausgezahlt werden“, sagt sie und sieht die niedrigen Löhne als Hauptproblem. „Alle sagen, man soll vorsorgen, aber bei einem geringen Gehalt ist das einfach nicht möglich“, stellt die 72-Jährige ernüchtert fest.

Frauen sind besonders gefährdet

Besondere Probleme sieht die Oedingerin auf Frauen zukommen. Zum einen verdienen sie bei gleicher Arbeit oft weniger als ihre männlichen Arbeitskollegen. Zum anderen haben sie durch Schwangerschaft und die spätere Kindererziehung und Pflege von Angehörigen, Auszeiten genommen bzw. in Teilzeit-Jobs und Minijobs gearbeitet.

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„In meiner Generation musste der Mann früher noch entscheiden, ob die Frau arbeiten darf. Viele Frauen haben Heimarbeit geleistet und dafür keine Sozialabgaben gezahlt“, erläutert Erika Matschke die Schwierigkeiten. Daher würden Frauen häufig nur 60 Prozent der Rente erhalten, die Männer bekommen.

Erika Matschke kritisiert zu niedrige Löhne als Hauptursache für Altersarmut.

Erika Matschke kritisiert zu niedrige Löhne als Hauptursache für Altersarmut. © Anne Winter-Weckenbrock

Gerade in Städten haben es Senioren schwer

„Hier in Südlohn und Oeding ist die Situation insgesamt noch nicht ganz so kritisch, in meinem Alltag fällt es mir zumindest nicht so auf“, berichtet die Rentnerin. Anders sei es in größeren Orten und Städten. „Da hört man, dass Senioren nicht heizen können oder Flaschen sammeln müssen“, schildert Erika Matschke ihr bekannte Zustände. „Das ist ein ganz schwieriges Thema und individuell sehr unterschiedlich“, meint sie.

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Hinzu komme, dass zahlreiche Arbeitnehmer aufgrund von Erkrankungen früher als geplant ihre Arbeit aufgeben müssen und in Erwerbsminderungsrente gehen müssen. Auch die neue Grundrente sei längst kein Durchbruch. „Das ist nur für eine Handvoll Leute relevant, weil man mindestens 33 Jahre eingezahlt haben muss“, weiß Erika Matschke.

Mindestlohn-Erhöhung geht Matschke nicht weit genug

Der Mindestlohn soll zum Januar 2021 auf 9,50 Euro angehoben werden und stufenweise bis Juli 2022 auf 10,45 Euro steigen. „Bei dieser finanziellen Entwicklung ist wohl kaum eine Verbesserung in der Causa Altersarmut zu erwarten“, zeigt sich Erika Matschke enttäuscht. Die KAB fordere einen Mindestlohn von 13,69 Euro, um ein gewisses Gleichgewicht herzustellen.

Wenn sich nichts ändert, macht sie für die Zukunft eine düstere Prognose: „Es wird eine große Schere zwischen Arm und Reich geben und die Älteren werden darunter leiden müssen.“

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