Opfer des Überfalls hat noch immer Probleme im Alltag

Ein Jahr später

"Ich bin nicht mehr der, der ich früher war". Seitdem er vor einem Jahr von einem Trio überfallen wurde, ist das Leben für den 20-jährigen Südlohner eingeschränkt. Er traut sich nicht mehr alleine heraus, fährt nur zu zweit zur Schule, kämpft mit Konzentrationsschwierigkeiten. So erzählte er am Mittwoch, als er als Zeuge vor dem Landgericht Münster im Verfahren gegen einen 25-jährigen Legdener aussagte. Die Zwischenprüfung am Dienstag - er befürchtete das Schlimmste.

SÜDLOHN

, 13.04.2016, 21:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Zugleich tritt er als Nebenkläger auf. Das Schadensgeld wurde am Mittwoch auf 1500 Euro festgelegt. Das hatte der Angeklagte, der zum Prozessauftakt die Taten gestanden hatte, sofort akzeptiert.

Der Südlohner war im Februar 2015 dazu gebracht worden, mit zwei Männern nach Legden zu fahren. Dort stieg der Angeklagte zu, gemeinsam ging es nach einem Tankstellen-Stopp weiter in einen Wald in Wüllen. Bis dahin, so sagte der 20-Jährige, sei er nicht mit Waffen oder Worten gezwungen worden. Erst dort wurde er mit einem Messer bedroht.

Vage Erinnerungen

Dass der Angeklagte ihn in den Magen getreten und ins Gesicht geschlagen habe, daran konnte er sich nur noch vage erinnern. "Ich habe versucht, alles zu verdrängen", begründete er.

Warum er denn alles mitgemacht habe? Auch diese Frage konnte der Südlohner nicht so recht beantworten. Erst auf Nachfrage sagte er, er habe Angst gehabt.

Drei Sparkassen

So nutzte er keine Situation, um zu flüchten. Er fuhr mit dem Trio zu drei Sparkassen und einem Elektronikmarkt in Ahaus. Hier rauchte er gemeinsam mit einem von ihnen auf dem Parkplatz eine Zigarette, während die anderen (vergeblich) versuchten, mit seiner Kreditkarte Waren zu bezahlen. Wenig später gab das Trio ihm Handy, Fahrzeugschein und Sonnenbrille wieder und flüchtete. Bei den Sparkassen hatte der Angeklagte insgesamt 1000 Euro abgehoben.

Der Legdener nutzte am Mittwoch die Gelegenheit, sich noch einmal zu entschuldigen. Mehr wird dem Opfer geholfen haben, dass Richter Eberhard Groesdonk eine andere Sache aus der Welt räumte. In einem Verfahren gegen einen bereits verurteilten Mittäter kam zur Sprache, dass darüber nachgedacht worden sei, den Südlohner "wegzumachen". Einen Auftragskiller aber, so wurde jetzt im Verfahren klar, hat es nie gegeben. "Da können Sie beruhigt sein."

Lesen Sie jetzt
Münsterland Zeitung Hilfseinsatz für „Habitat for Humanity“

Oedinger Bauunternehmer Hubert Epping (58) war als „Hoffnungsbauer“ in Kenia