Im Juli sind Judith Deitert und Jonas Wissing an die Seite von Vater Ludger Wissing in der Geschäftsführung bei Pfreundt gerückt. Mit der Entscheidung, das Bürogebäude aufzustocken, haben die beiden Geschwister schon einen Akzent gesetzt. © Michael Schley
Wirtschaft

Pfreundt leitet Generationswechsel ein – geplant war dies ursprünglich so nicht

Die Unternehmensnachfolge stellt viele Unternehmen vor eine Herausforderung. Nicht so bei Pfreundt. Judith Deitert und Jonas Wissing sind früh an die Seite von Vater Ludger Wissing gerückt.

Seit 1995 ist Ludger Wissing Geschäftsführer des Südlohner Familienunternehmens Pfreundt, er übernahm von Hans-Günter Pfreundt, der das Unternehmen im Jahr 1979 gegründet hatte. 2023 peilt Wissing den Rückzug in den Ruhestand an. Dass er das Unternehmen in die Hände seiner Kinder übergeben wird, ist für ihn „ein sehr glücklicher Umstand“: „So ist sichergestellt, dass das Unternehmen im Münsterland bleibt. Und dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Unsere Mitarbeiter haben Pfreundt schließlich mit aufgebaut.“

In den gut 40 Jahren ist das Unternehmen zu einem begehrten Partner und Marktführer für mobile und stationäre Wiegetechnik geworden.

Einstieg in die Geschäftsführung war zunächst nicht geplant

Dieser im Sommer eingeleitete Generationenwechsel war nicht geplant – zunächst: Sowohl Judith Deitert als auch Jonas Wissing hatten andere berufliche Wege im Sinn, dies unabhängig voneinander. Mit der Zeit lernten sie das Unternehmen jedoch immer besser kennen, das „Interesse ist gewachsen“, so Deitert. Ein Seminar zum Thema Familienunternehmen sei 2014 so etwas wie der Türöffner gewesen.

Ludger Wissing (l.) wird 2023 den Staffelstab endgültig an seine Kinder übergeben. Und auch die dritte Generation der Familie sorgt schon für Belebung im Haus.
Ludger Wissing (l.) wird 2023 den Staffelstab endgültig an seine Kinder übergeben. Und auch die dritte Generation der Familie sorgt schon für Belebung im Haus. © Michael Schley © Michael Schley

Dabei ist Judith Deitert bereits seit 2011 bei Pfreundt tätig und unterstützte in ihrer Anfangszeit zunächst die Personalabteilung und Buchhaltung. Nebenbei machte sie eine berufsbegleitende Weiterbildung zur Personalfachkauffrau und studierte anschließend, ebenfalls berufsbegleitend, Business Administration. Jonas Wissing absolvierte zunächst ein Studium der Geoinformatik.

Als der Wunsch, die Geschäftsführung von Pfreundt zu übernehmen, wuchs, orientierte er sich jedoch thematisch bereits in Richtung Wirtschaftsinformatik um. Neben seinem Studium unterstützte er zudem den Telefonsupport von Pfreundt.

Judith Deitert und Jonas Wissing verfügen somit über langjährige Erfahrung bei Pfreundt und umfassende Kenntnisse zu den Branchen, Produkten, Prozessen und Kundenanforderungen. 2019, nach einem gemeinsamen Schnupperjahr in der Geschäftsführung, entschieden die Geschwister dann, die Führung des Unternehmens gemeinsam zu übernehmen.

Begleitet worden waren sie ein Jahr lang eng von einer Unternehmensberaterin mit dem Ziel der Nachfolgeplanung. „Thema war dabei auch die Besonderheit der Geschwisterkonstellation, die ja auch zu Konflikten führen kann“, erklärt Judith Deitert.

Neue Geschäftsführergeneration ergänzt sich gut

Als man bei der Vorstellung in der Hauptversammlung die Rückendeckung der Mitarbeiter erfahren habe, sei der Entschluss endgültig gewesen. „Unsere Mitarbeiter sind das wichtigste Gut des Unternehmens, diese müssen wir mit ins Boot nehmen. Wir wollten zeigen, dass wir die Geschäftsführung nicht nur können, sondern vor allem auch wollen“, betont die Geschäftsführerin. Weiter: „Wir ergänzen uns gut. Ich bin eher der kaufmännische Part, Jonas der technische. Die Kombination macht uns aus.“

Seit 1979 hat sich das Unternehmen zu einem Experten und Marktführer für mobile und stationäre Wiegesysteme entwickelt.
Seit 1979 hat sich das Unternehmen zu einem Experten und Marktführer für mobile und stationäre Wiegesysteme entwickelt. © Michael Schley © Michael Schley

Die kommende Geschäftsführungsgeneration hat bereits erste Akzente gesetzt. „Die Entscheidung, das Bürogebäude aufzustocken, haben Judith und Jonas getroffen“, berichtet Ludger Wissing. Ihm sei es wichtig, dass beide „ihren eigenen Weg“ gingen. Eine gewisse Kontinuität sei schon zu erkennen, auch jetzt in der Corona-Zeit. „Uns hat es immer ausgezeichnet, dass wir auch in Krisen investiert haben“, so Ludger Wissing. Antizyklisch.

Der schnelle Profit sei nie ein Anreiz gewesen. Das solide wirtschaftliche Handeln weiß Sohn Jonas zu schätzen: „Wir übernehmen ein stabiles und unabhängiges Unternehmen.“ Das organische Wachstum soll ein Erfolgsfaktor bleiben.

Letzteres stelle man nicht zuletzt durch nachhaltige Ausbildung sicher. Sechs verschiedene Ausbildungsberufe werden angeboten, 16 ehemalige Azubis sind heute noch im Unternehmen tätig. „Darunter auch in der Vertriebsleitung oder in leitender Position in der Buchhaltung“, so Judith Deitert.

Die Übernahme von Verantwortung sei ein wesentlicher Wert, den man selbst von den Eltern mitbekommen habe. Wie viele weitere, betont Ludger Wissing: „Meine Werte und die meiner Kinder sind identisch.“ Grundlegend sei eine besondere Sozialkompetenz.

Strategische Ziele wurden bereits ausgearbeitet

Wie sehen die Ziele aus? „Wir haben mit den Abteilungsleitern die strategische Ausrichtung ausgearbeitet“, erzählt Jonas Wissing. Dabei habe man auch neue Schritte im Blick. Unter anderem werde man die internationale Vermarktung der Wiegesysteme in enger Zusammenarbeit mit den weltweiten Pfreundt-Vertretungen weiter ausbauen.

Das Bürogebäude wird aufgestockt, zum Sommer 2022 hofft man, die neue Etage nutzen zu können.
Das Bürogebäude wird aufgestockt, zum Sommer 2022 hofft man, die neue Etage nutzen zu können. © Michael Schley © Michael Schley

Mit der Investition in die Digitalisierung habe man in den vergangenen Jahren eine wichtige Grundlage geschaffen, um für die Zukunft gerüstet zu sein, so Ludger Wissing. Interne Prozesse, E-Learning, Webshop – der Geschäftsführer nennt einige Beispiele. Die Erfahrung seines Vaters in der Geschäftsführung sei ein unermesslicher Fundus, betont Jonas Wissing.

Neben der Digitalisierung sei der Klimaschutz ein weiterer Zukunftsfaktor. „Von Beginn an kennzeichnet die Nachhaltigkeit die Firmenphilosophie – im Unternehmen wie nach außen“, erklärt Ludger Wissing. Ein Beispiel: „Unsere Servicemitarbeiter sind auf das Auto angewiesen, diese haben wir aber gedrosselt“, so Jonas Wissing. „Wer nichts für die Umwelt tut, hat keine Zukunft“, bringt es Ludger Wissing auf den Punkt. Und Jonas Wissing ergänzt: „Wer Energie spart, der spart Kosten.“

Digitalisierung und Klimaschutz sind nachhaltige Ziele

Schon vor zehn Jahren habe man bei der Errichtung des Bürogebäudes an Themen wie Geothermie oder PV-Anlage gedacht. Eingepreist wurde ebenfalls die Option, das Gebäude bei Bedarf weiter aufstocken zu können, auch die Grundstückssituation ist komfortabel. Von diesem Weitblick profitiert nun die Nachfolgegeneration.

Die Erweiterungsoptionen am Standort sind Ausdruck des Weitblicks, mit dem das Unternehmen seit über 40 Jahren agiert.
Die Erweiterungsoptionen am Standort sind Ausdruck des Weitblicks, mit dem das Unternehmen seit über 40 Jahren agiert. © Michael Schley © Michael Schley

Gemeinsam visiere man auch einen Wechsel in der Wahrnehmung beim Kunden an. „Wir sind nicht der reine Produktlieferant, wir bieten dem Kunden viele weitere Mehrwerte“, so Jonas Wissing. Auch in Sachen Prozessoptimierung. In den über 40 Jahren habe man schließlich viele Prozesse gesehen und den Blick für diese geschärft, ergänzt Vater Ludger Wissing.

„Zufriedene Mitarbeiter bringen ein Unternehmen nach vorne“

Judith Deitert richtet den Blick noch einmal auf die Mitarbeiter. „Zufriedene und gesunde Mitarbeiter bringen ein Unternehmen nach vorne“, betont sie. Für ein gutes Klima sorgten unter anderem die Kinder der Mitarbeiter, die im Haus selbst betreut werden können. So auch die Kinder von Judith Deitert und Jonas Wissing. „Es ist einfach klasse, drei Generationen unter einem Dach erleben zu können.“

Ludger Wissing hat ein sicheres Gefühl, das Unternehmen in solide Hände zu übergeben. „Beide haben den Ansporn, sich die Sporen durch Fleiß zu verdienen“, so Wissing. Beide sollten ihren Weg gehen für ein „erfüllendes Leben“. Für ihn soll 2023 definitiv Schluss sein: „Ich werde dann das Zepter auch endgültig aus der Hand geben, das muss auch“, vertraut er gänzlich seinen Kindern.

Pfreundt öffnet die Türen

  • Als Begründer mobiler Wiegesysteme ist die Südlohner Pfreundt GmbH seit über 40 Jahren weltweiter Innovationsführer im Markt.
  • Ob bei der Entwicklung innovativer Wiegelösungen, der Qualitätskontrolle oder der Optimierung interner Abläufe – das Unternehmen nutzt die Chancen der Digitalisierung in allen Unternehmensbereichen.
  • Am 8. September öffnet das Unternehmen von 15 bis 18 Uhr die Türen und lädt alle Interessierten, Kunden, Vertreter interessierter Firmen sowie potentielle Mitarbeitende und Auszubildende mit ihren Familien ein, einen Blick hinter die Kulissen von Pfreundt zu werfen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
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