Pläne für Fahrradstraße bringen Landwirte am Leegen Weg auf die Palme

mlzBauausschuss

Fahrradfahrer sollen in Zukunft auf dem Leegen Weg absolute Vorfahrt bekommen. Der Wirtschaftsweg soll als Fahrradstraße ausgewiesen werden. Bei den Anliegern sorgt das für schlechte Laune.

Südlohn

, 25.05.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bekommen Fahrradfahrer in Zukunft auf dem Leegen Weg absolute Vorfahrt? Der Bauausschuss hat am Mittwochabend dafür gestimmt, den Wirtschaftsweg parallel zur L572 zwischen Südlohn und Stadtlohn zur Fahrradstraße umzuwidmen. Das soll für mehr Sicherheit auf der schmalen Straße sorgen. Denn auch die Autos sollen so eingebremst werden. Schließlich dürfen sie auf einer Fahrradstraße höchstens 30 km/h fahren. Gleichzeitig müssen sie Fahrradfahrern in jedem Fall Vorfahrt gewähren.

Fahrradfahrer sollen auf dem Leegen Weg Vorrang bekommen. In Stadtlohn soll gleichzeitig die Hegebrockstraße ebenfalls zur Fahrradsstraße erklärt werden.

Fahrradfahrer sollen auf dem Leegen Weg Vorrang bekommen. In Stadtlohn soll gleichzeitig die Hegebrockstraße ebenfalls zur Fahrradsstraße erklärt werden. © Stephan Teine

Die Idee stammt aus Stadtlohn. Dort beschäftigt sich die Politik damit, die Hegebrockstraße – also die Verlängerung des Leegen Weg – ebenfalls als Fahrradstraße auszuweisen. „In guter, nachbarlicher Beziehung zu Stadtlohn sollten wir das auch machen“, sagte Alois Kahmen (CDU) im Südlohner Ausschuss. Positiver Nebeneffekt sei, dass das Tempo auf der Strecke auf 30 gedrosselt würde. „Damit wird die Strecke für Autofahrer uninteressant“, fügte er hinzu.

Als Test wäre es eine Idee

Ludger Rotz (UWG) wollte die Umwidmung zumindest noch eingrenzen. „Als Versuch wäre das eine Idee“, sagte er. Zum Beispiel für ein Jahr. Dann solle das Ergebnis ausgewertet werden. Außerdem wäre es wichtiger, dort die Geschwindigkeit der Autofahrer zu messen und entsprechend zu bestrafen. In jedem Fall müsse mit der Landwirtschaft gesprochen werden.

Der Knoten zwischen Landwirten und Fahrradfahrern ist noch nicht durchschlagen.

Der Knoten zwischen Landwirten und Fahrradfahrern ist noch nicht durchschlagen. © Schwarze-Blanke

Das forderte auch Dieter Valtwies (UWG) und gleichzeitig Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Südlohn-Oeding. „Ich finde es befremdlich, dass wir so über Wege reden, die die Anlieger für ihren wirtschaftlichen Betrieb brauchen“, sagte er. Der Weg sei eine Lebensader für den gesamten Außenbereich. Durch die Umwidmung wären Landwirte, Zulieferer und Lohnunternehmer gezwungen, hinter Radfahrern herzufahren.

CDU und SPD wollen die Fahrradstraße

Alois Kahmen wollte ein zustimmendes Signal senden. Schließlich sei die Landwirtschaft ja auch mit zwei Vertretern in der sechsköpfigen Wirtschaftswegekommission vertreten. Diese hatten auch dort allerdings gegen die Pläne gestimmt. Dort hatten Vertreter aus Verwaltung, Politik und Landwirtschaft über den Zustand der Wirtschaftswege gesprochen. Auch der Leegen Weg soll saniert werden und dann umgewidmet werden.

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„Wir sollten das machen. Stadtlohn macht es ja auch“, erklärte Siegfried Reckers. Doch ganz soweit ist Stadtlohn noch gar nicht: Dort kommt das Thema am 25. Juni auf die Tagesordnung. Wie Bürgermeister Helmut Könning erklärt, hatte es dazu eine Anfrage aus der Bürgerschaft gegeben. „Bevor wir darüber reden, wollte ich erst mal wissen, wie es in Südlohn aussieht. Sonst müssten wir ja auf halber Strecke die Fahrradstraße unterbrechen“, erklärte er gegenüber unserer Redaktion.

Die Verbindung für Fahrradfahrer hält er für eine spannende Idee. „Neben der L572 und der Hegebrockstraße gibt es ja noch den Wienkamp links. Deswegen kann man ja eine der beiden Verbindungen für Fahrradfahrer ausrichten.“, erklärt er. Schweller, Kegel oder andere Mittel um die Geschwindigkeit der Autos zu begrenzen, seien aber erst mal nicht vorgesehen. „Wir hoffen, dass die Schilder ausreichen, um den Verkehr dort zu regeln“, sagt er. Auch er setzt auf die gegenseitige Rücksichtnahme zwischen Autofahrern, landwirtschaftlichem Verkehr und Radfahrern.

Im Bauausschuss stimmten die Politiker schließlich gegen die Stimmen von Ludger Rotz und Dieter Valtwies für die Umwidmung zur Fahrradstraße.

Landwirte überlegen, wie sie auf den Beschluss antworten

Diesen Beschluss möchten die Landwirte nicht ohne Weiteres auf sich beruhen lassen. Was genau sie tun wollen, sei aber noch nicht spruchreif, erklärte Dieter Valtwies am Freitag gegenüber unserer Redaktion. „Es geht ja nicht nur um die Gespanne, die zur Ernte- oder Feldarbeit fahren“, sagt er. Die umliegenden Höfe seien ja auch auf fast täglichen Lieferverkehr angewiesen.

Ludwig Lefting ist einer dieser Landwirte. Er wohnt unmittelbar am Leegen Weg – und zwar seit 43 Jahren, sagt er. Er kennt den Weg und den Verkehr vor seiner Hofeinfahrt. Was er jedoch nicht weiß, ist welche Auswirkungen die Umwidmung genau haben werden. Wenn in Zukunft ein Lohnunternehmer hinter einer Kolonne von Radfahrern herzuckeln müsse, mag er sich die Mehrkosten gar nicht vorstellen. Für ihn ist es selbstverständlich, dass auch jetzt schon landwirtschaftlicher Verkehr und Radfahrer aufeinander Rücksicht nehmen. „Das klappt auch in 95 Prozent aller Fälle“, sagt er. Schließlich sei er selbst auch oft genug als Radfahrer unterwegs. Wenn er also mit dem Schlepper unterwegs sei, würde er sich auch entsprechend verhalten. Andere Verkehrsteilnehmer seien da längst nicht so rücksichtsvoll, fügt er hinzu. Damit meint er zum Beispiel Kolonnen von Rennradfahrern. Oder auch Autofahrer aus dem nahen Wohngebiet, die die Strecke als Abkürzung zur alten B70 nutzen. „Manche auch mit ziemlichen Krampf im Gasfuß“, sagt er. Deren Geschwindigkeit einzudämmen, hält auch er für eine gute Idee.

Eins macht ihn aber richtig wütend: „Dass die Politik einfach über unsere Köpfe hinweg entscheidet, statt zumindest mit uns zu reden.“ Denn der Wirtschaftsweg ist in seinen Augen eine Lebensader für die umliegenden Bauernhöfe.

Dieses Zeichen markiert eine Fahrradstraße. Andere Verkehrsteilnehmer dürfen dort nur fahren, wenn ein Zusatzschild das erlaubt. Fahrradfahrer haben in jedem Fall absolute Vorfahrt.

Dieses Zeichen markiert eine Fahrradstraße. Andere Verkehrsteilnehmer dürfen dort nur fahren, wenn ein Zusatzschild das erlaubt. Fahrradfahrer haben in jedem Fall absolute Vorfahrt. © Straßenverkehrsordnung

Was ist überhaupt eine Fahrradstraße?

  • Laut Straßenverkehrsordnung dürfen auf einer Fahrradstraße nur Fahrräder fahren. Andere Fahrzeuge dürfen dort nur unterwegs sein, wenn es durch ein zusätzliches Schild ausdrücklich erlaubt wird.
  • Radfahrer dürfen auf einer Fahrradstraße auch nebeneinander fahren.
  • Sie dürfen überholt werden. Allerdings nur mit einem Abstand von mindestens 1,5 Metern.
  • Die Rechts-vor-Links-Regel gilt allerdings auch für die Radfahrer. Autofahrern, die von rechts kommen, müssen sie Vorfahrt gewähren.
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