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Planung für neue Windräder bringt Südlohner Politiker auf die Barrikaden

mlzWindkraft in Südlohn

Windkraft bleibt in Südlohn ein heißes Eisen. Bevor der Rat über neue Anlagen entscheidet, sollen die Investoren erst einmal ihre Pläne vorstellen. Hitzig diskutiert wurde im Rat dennoch.

Südlohn

, 12.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Investoren möchten neue Windkraftanlagen in Südlohn aufstellen. Eine vage Vorstellung der Pläne präsentierte die Verwaltung am Mittwochabend im Rat. Zwei unterschiedliche Investoren oder Investorengruppen wollen – je nach Lesart – bis zu zehn oder zwölf und noch einmal zwei Windräder aufstellen. Wie groß die genau sein sollen, wo sie stehen werden, welche Leistung sie haben werden – alles Fragen, die in der Ratssitzung am Mittwochabend zunächst unbeantwortet blieben.

Planung für neue Windräder bringt Südlohner Politiker auf die Barrikaden

Die Investoren möchten in der rötlich gefärbten Fläche nach Standorten für Windkraftanlagen suchen. © Grafik: Nina Dittgen

Andreas Peek (CDU) ließ seiner Wut darüber freien Lauf: „Darüber haben wir doch schon 2017 und 2018 diskutiert. Wir haben ein Gutachten in Auftrag gegeben und drei Windenergiezonen eingerichtet. Passiert ist seitdem nichts.“ Und direkt an Bürgermeister Christian Vedder und Bauamtsleiter Dirk Vahlmann gerichtet: „Ich verstehe Sie nicht. Wie kann man Investoren gegenüber die Tür auch nur ansatzweise offen halten.“ Die jetzt angesprochene Untersuchungsfläche sei dreimal so groß wie alle anderen Windkraft-Konzentrationszonen zusammen.

Bisher drei Konzentrationszonen, aber noch kein Flächennutzungsplan

Drei Konzentrationszonen für Windkrfat gibt es bisher: eine zwischen Südlohn und Oeding am Ottenstapler Weg, eine am Gescherer Dyk im Osten des Gemeindegebietes und eine weitere direkt an der Grenze zu Stadtlohn-Immingfeld. In den ersten beiden Gebieten stehen aktuell insgesamt fünf Anlagen. Der Flächennutzungsplan soll entsprechend geändert werden. Das Verfahren dazu ist aber, obwohl bereits 2017 angestoßen, bisher noch am Anfang.

Planung für neue Windräder bringt Südlohner Politiker auf die Barrikaden

Jenseits der Gemeindegrenze – in Immingfeld – drehen sich bereits etliche Windräder. © Stephan Teine

Die privaten Investoren wollen nun ein Gebiet untersuchen, das sich zwischen den beiden letzten Gebieten nach Süden erstreckt. „Das ist eine Zone zum Schutz der Landschaft“, hatte eingangs noch Bürgermeister Christian Vedder erklärt. Das sei jedoch kein Ausschlusskriterium für Windkraftanlagen.

Diese Erweiterung der möglichen Flächen brachte vor allem die CDU-Politiker auf die Barrikaden: „Uns wird suggeriert, dass wir jetzt entscheiden müssen. Dabei haben wir doch 2017 schon entschieden“, machte Christel Sicking (CDU) deutlich. Damals hatte der Rat der Gemeinde eine Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen, um drei Windkraft-Konzentrationszonen auszuweisen.

Gemeinde wirbt nicht um Investoren bekommt aber Anfragen

Die Vorwürfe von Andreas Peek und Christel Sicking konterte zunächst Dirk Vahlmann. „Es ist ja bekannt, dass sich aktuell Investoren mit Grundstückseigentümern abstimmen“, erklärte er. Deswegen informiere die Verwaltung den Rat. Um mehr gehe es erst einmal nicht. Später sprang Christian Vedder ihm bei: „Wir ziehen uns keine Investoren an Land, die haben bei uns angefragt“, erklärte er. Bei der eingezeichneten Fläche handele es sich lediglich um ein technisches Suchgebiet. Die einzelnen Anlagen müssten so oder so noch in Baugenehmigungsverfahren überprüft werden.

Planung für neue Windräder bringt Südlohner Politiker auf die Barrikaden

Naherholung oder Windkraft? Die Südlohner Politiker sehen darin einen klaren Widerspruch und wollen neuen Windkraftanlagen engere Grenzen setzen. © Stephan Teine

Eine Gefahr sieht die Verwaltung darin, nur die Minimallösung für Windenergie zuzulassen. Ermögliche sie in einem neuen Flächennutzungsplan nur minimale Standorte für neue Windenergieanlagen, fürchtet Bürgermeister Christian Vedder, dass schneller gegen die Gemeinde geklagt werden könne.

Mehr Informationen, mehr Bürgerbeteiligung

Auch Siegfried Reckers (SPD) forderte eine genauere Information. Und er kritisierte noch etwas anderes. „Windräder werden und müssen so oder so kommen“, sagte er. Da sei er auch ganz klar dafür. Allerdings sei die Art, wie sie kommen sollen, entscheidend: „Das Investorenmodell ist nicht das Richtige“, sagte er. Man müsse die Bürger beteiligen, sie auf dem Weg der Energiewende mitnehmen. „Alles andere gibt nur Ärger“, sagte er. Mit einer Beteiligung der ganzen Bürgerschaft – beispielsweise durch eine Genossenschaft – könnten auch Vorbehalte ausgeräumt werden.

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Maik van de Sand (Grüne) bemühte sich um Vermittlung: „Wir haben Beschlüsse zur Windenergie gefasst. Inzwischen haben sich Konzepte geändert.“ Er warb dafür, zunächst die möglichen Konzentrationszonen zu untersuchen, den Suchbereich der privaten Investoren aber außen vor zu lassen.

Beschlüsse wurden nicht eingelöst

Alois Kahmen (CDU) kam dann noch einmal zurück auf die Überlegungen von Ende 2017. „Die damals gefassten Beschlüsse wurden nicht eingelöst“, sagte er. Auch hätte er sich zu dem Thema eine umfassende Ratsvorlage und nicht nur eine „oberflächliche Information“ durch die Verwaltung gewünscht. „Die Fakten müssen hintereinander gebracht werden“, donnerte er in Richtung Verwaltungsspitze. „Mit einem Lächeln wird das nicht besser, Herr Bürgermeister“, griff er Christian Vedder direkt an, der sich die Argumente betont gelassen und lächelnd anhörte.

Investoren sollen im Rat ihre Pläne vorstellen

Der schlug schließlich vor, dass die Investoren in einer Fraktionsspitzensitzung ihre Pläne vortragen könnten. Doch auch das war Alois Kahmen nicht genug. „Alle Ratsmitglieder brauchen die Informationen aus berufenem Mund“, sagte er. Um das Richtige für die Gemeinde zu entscheiden, brauche er alle Informationen und müsse im Zweifel auch Fragen stellen können. „Die Investoren trachten nach der höchstmöglichen Rendite. Denen geht es nicht um Ökologie“, erklärte er.

Frank Engbers (CDU) setzte noch einen drauf: „Wir haben ja nicht nur die Windenergie“, erklärte er. Der Rat müsse das Gesamtbild betrachten: Schließlich liefen auch die Trassen der Zeelink-Gasleitung und der Höchstspannungsleitung A-Nord mitten durch das Gemeindegebiet oder gerade an der Grenze entlang. „Wir haben schon viel substanziellen Raum für regenerative Energien gegeben“, erklärte er. Jetzt müsse man sich fragen, ob nicht andere Gemeinden auch mal am Zug seien. „Wir sollten abwägen, wie viel wir in der Gemeinde insgesamt zulassen“, sagte er.

Die Investoren für die Windkraftanlagen sollen nun in einer der kommenden Ratssitzungen ihre Pläne vorstellen. Dazu werden auch die Gutachter eingeladen, die die bisherigen Windkraftzonen in Südlohn und Oeding bemessen hatten.

Dabei beließ es der Rat. Daraufhin verließ auch der Großteil der Zuschauer den Saal.

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