Schlagabtausch im Rat, die Fronten verhärten sich. Das Kulturbürgerhaus kommt nicht voran. Ein Gespräch soll jetzt die Entscheidung bringen, doch Manfred Wanning zweifelt am Erfolg.

Südlohn

, 10.05.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das geplante Kulturbürgerhaus erhitzt weiter die Gemüter. Eine Stunde lang hat der Rat am Mittwochabend hitzig über Standorte, Finanzierung, Fördermittel und die eigentliche Idee diskutiert. Einen Schritt vorwärts kam das Projekt dabei nicht. Am Ende stand nur eine erneute Vertagung – dieses Mal auf die Ratssitzung am 12. Juni. Bis dahin soll die Verwaltung ein Gespräch mit der Bezirksregierung führen. Das ist für den 24. Mai vorgesehen. Dort soll die Verwaltung klären, welche Chancen zur Förderung es für das Projekt überhaupt gibt und wie hoch diese Förderung ausfallen kann.

Jetzt lesen

Denn: Die Verwaltung nimmt anhand des vorgelegten Raumkonzeptes aktuell Baukosten von rund vier Millionen Euro an. Im ganzen Regierungsbezirk kann die Bezirksregierung aber nur insgesamt acht Millionen Euro Fördermittel aus dem Paket „Soziale Integration im Quartier“ ausschütten. Dass mehr als zwei Millionen Euro nach Südlohn fließen, gilt als ausgeschlossen.

Lenkungsgruppe war vor zwei Jahren schon bei der Bezirksregierung

Norbert Wanning, Vorsitzender des Trägervereins Kulturbürgerhaus, glaubt nicht daran, dass das Gespräch bei der Bezirksregierung in Münster neue Impulse bringt. „Dort waren wir ja als Lenkungsgruppe vor zwei Jahren schon“, sagt er.

Jetzt lesen

Der Konflikt dreht sich letztlich um die beiden möglichen Standorte: Zur Debatte stehen ein Neubau auf dem Grundstück am ehemaligen Haus der Vereine im Ortskern oder ein noch nicht genau umrissener An- und Umbau an der Hans-Christian-Andersen-Schule. Zuletzt hatte der Rat mit knapper Mehrheit beschlossen, für beide Standorte Analysen und Wirtschaftlichkeitsprüfungen anzufertigen. Kostenpunkt: Laut Verwaltung insgesamt rund 100.000 Euro.

Antrag der UWG prallt ab

Das wollte die UWG jetzt mit einem neuen Antrag verhindern. Sie plädierte dafür, sich nur auf den Standort im Ortskern zu konzentrieren und nur dort eine Standortanalyse durchzuführen. „Der Trägerverein hat gesagt, dass er sich das Projekt an der Schule nicht vorstellen kann. Wir brauchen ja kein totes Pferd zu reiten. Die Kosten für die Analyse dort können wir uns sparen“, erklärte Karin Schmittmann (UWG). Eine Mehrheit fand sie damit aber nicht.

Jetzt lesen

Für die CDU ein unnötiger Antrag. Schließlich sei ja schon Beschlusslage, dass die Standorte nacheinander geprüft werden sollen. Das geht laut Bürgermeister Christian Vedder aus dem gefassten Beschluss aber gar nicht hervor. Demnach sollen die Analysen auf jeden Fall für beide Standorte gleichzeitig durchgeführt werden. In der Ratssitzung am Mittwoch war davon keine Rede mehr.

Zwei getrennte Lager

Kritiker und Befürworter des Projekts jedenfalls scheinen aktuell weiter voneinander entfernt denn je. Auf der einen Seite die Kritiker: Hermann-Josef Frieling, CDU-Fraktionsvorsitzender, fürchtet, dass die Gemeinde Südlohn auf einem enormen Kostenberg sitzen bleibt. Einmal abgesehen von der zu geringen Fördersumme sind für ihn auch noch zu viele Fragen offen: So gebe es keine belastbaren Aussagen von Jugendwerk oder Musikschule, dass sie sich tatsächlich an dem Projekt beteiligen wollen. Auch die Grundstücksfragen im Ortskern seien längst noch nicht geklärt. „Da hätte die Gemeinde ja tätig werden müssen“, sagte er. Und wenn die Gemeinde einen Antrag auf Förderung stellen soll, müsse sie im Besitz der Flächen sein und auch die Zusagen möglicher Partner haben. Außerdem: Wenn es nur um den Standort gehe, sollte sich der Trägerverein fragen, warum er das Projekt überhaupt umsetzen wolle.

Kultur soll in den Ortskern

Auf der anderen Seite die Befürworter eines Kulturbürgerhauses im Ortskern. Etwa Barbara Seidensticker-Beining (SPD), die auch im Vorstand des Trägervereins Kulturbürgerhaus sitzt. „Eine Sporthalle mit Anbau ist nicht das Projekt, um das es ursprünglich ging“, sagte sie. Auch sie sprach sich dafür aus, kein Geld für einen Standort auszugeben, an dem das Kulturbürgerhaus nicht funktioniere. In diese Richtung argumentierte auch Günter Bergup (UWG): „Die Zielsetzung war immer ein kulturelles Angebot im Ortskern.“ Und: „Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir das nur machen können, wenn es sich wirtschaftlich rechnet. Sonst müssen wir uns von dem Kulturbürgerhaus verabschieden.“

Der Schlagabtausch zwischen den Fraktionen dauerte eine knappe Stunde. Maik van de Sand (Grüne) setzte schließlich den Schlusspunkt: „Wir sind uns einig, dass wird das Gespräch zwischen Bezirksregierung und Verwaltung abwarten müssen. Lasst uns den Antrag in die nächste Ratssitzung schieben.“ Dem konnten sich schließlich alle anschließen.

Manfred Wanning, Vorsitzender des Trägervereins Kulturbürgerhaus, verließ da nur noch kopfschüttelnd den Ratssaal. Er will die Hoffnung zwar nicht aufgeben, sagt aber auch: „Wir drehen uns im Kreis.“ Seit Jahren gebe es ein stetes Auf und Ab mit dem Projekt. Er hätte gerne ein klares Signal aus der Politik: „Entweder ein deutliches ‚Wir wollen das!‘ oder eben ein ‚Wir wollen das nicht!‘“

Lesen Sie jetzt