Podium bei Pfreundt diskutiert über Familie und Beruf

Zu viele Hochzeiten

Dass das Publikum überproportional jung war, überraschte nicht. Das Thema „Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf“ ist hochaktuell – gestern im Rahmen einer Podiumsdiskussion bei der Pfreundt GmbH speziell aus Sicht junger Menschen beleuchtet.

SÜDLOHN

, 19.09.2014, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Vertreter von Politik, Wirtschaft und Mitarbeiter diskutierten.

Vertreter von Politik, Wirtschaft und Mitarbeiter diskutierten.

Moderator Hans-Jürgen Alt, Geschäftsführer des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer), lobte den Maschinen- und Anlagenbau als vorbildlich in Sachen „corporate social responsibility“. Ein englischer Begriff, für die soziale Verantwortung von Unternehmen. Schemmick, selbst aktuell wegen der Erziehung ihrer Kinder in Teilzeit tätig, erläuterte, dass gerade Frauen heute einen „Spagat vornehmen“ müssten. Sie ermutigte die männlichen Mitarbeiter, das Thema Elternzeit offensiv anzugehen. Markus Fieber, junger Vater, fühlte sich von der „Undurchsichtigkeit der vielen Modelle“ verunsichert – die Politik müsse einen verlässlicheren Rahmen für junge Familien schaffen. Gerade Männer müssten heute mehr denn je auf „drei Hochzeiten tanzen“: Beruf mit nahezu Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit, Familie und Sozialkontakte. Schaten erkannte an, dass „Reformen in Sachen Elternzeit dringend notwendig sind“. Modelle wie „Elternzeit plus“ würden allerdings wohl noch komplizierter. Vielen Vätern fehle immer noch das Rückgrat, die Elternteilzeit in Anspruch zu nehmen.

Auch weil der Druck enorm sei, die Position im Unternehmen zu verlieren und aufgrund finanzieller Einbußen. Zahlen, die diese Entwicklung belegen, nannte Dr. Kaluza. In NRW nutze nur jeder fünfte Mann die Elternzeit. Damit sei man deutschlandweit nahezu Schlusslicht. Sie warf ein, dass die Elternzeit finanziell nicht unattraktiv sei und forderte Unternehmen auf, sich in Sachen des klassischen Rollenverständnisses zwischen Mann und Frau flexibler aufzustellen. Eine moderne Unternehmenskultur sei heute wichtig, ergänzte Alt. Schemmick fügte an, dass die Elternzeit am Thema vorbeigehe: Die demografische Entwicklung belege, dass es nicht mehr Kinder durch Elternzeit gebe. Den Trend zur „Ein-Kind-Familie“ aus finanziellem Druck erkannte Dr. Kaluza an. Es passiere „derzeit aber viel“.

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