Mit Video: Polizei stellt bei 21-jährigem Dealer 28.010 Euro Drogengeld sicher

mlzProzessauftakt gegen Dealer

In Südlohn und Oeding werden offenbar reichlich Drogen konsumiert: 28.010 Euro Drogengeld hat die Polizei bei einer Hausdurchsuchung bei einem Dealer sichergestellt. Dazu kiloweise Drogen.

Südlohn

, 11.02.2020, 19:45 Uhr / Lesedauer: 4 min

Ein anonymer Tippgeber hatte die Polizei über den schwunghaften Drogenhandel des 21-jährigen Oedingers informiert. Es vergingen danach ein paar Wochen, dann schlug die Polizei zu: Bei einer Wohnungsdurchsuchung im August 2019 holten die Polizisten den 21-Jährigen schon vor 8 Uhr aus dem Bett.


Video: Hier wurden die Drogen verkauft!

Was die Beamten dann sicherstellten, konnte sich sehen lassen: Fast fünf Kilo Marihuana, etwa 100 Gramm Kokain, 28.010 Euro Bargeld, einen Elektroschocker und einen Schlagring listete der Staatsanwalt am Dienstag bei der Anklageerhebung gegen den vereits vorbestraften Dealer auf. Der muss sich vor dem Landgericht in Bocholt wegen des Handels mit Betäubungsmitteln verantworten.

Seit August 2019 in Untersuchungshaft

Seit der Hausdurchsuchung sitzt der 21-Jährige in einer Herforder Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft. Dort hat der junge Mann inzwischen eine Ausbildung zum Maurer begonnen. Handwerk liege ihm zwar nicht, erklärte der Angeklagte, doch es blieben ihm im Knast keine großen Alternativen. In andere Bereiche wollte er nicht, auch, um nicht noch mehr mit anderen Gefangenen in Kontakt zu kommen.

Mit Video: Polizei stellt bei 21-jährigem Dealer 28.010 Euro Drogengeld sicher

Der Oedinger Heimatverein hat den Platz mit Sitzgruppe und Schachbretttisch eingerichtet, an dem mit nicht unerheblichen Mengen Drogen gehandelt wurde. © Bernd Schlusemann

Nachdem die Anklage vorgetragen worden war, bezeichnete der Anwalt des bis zu einer Festnahme arbeitslosen Angeklagten in dessen Namen die Tatvorwürfe „als überwiegend richtig“. Sein Mandant wolle auch aussagen, ließ der Anwalt diesen strafmindernden Umstand nicht außer Acht und wies weiter darauf hin, dass der Oedinger auch selber intensiver Konsument seiner Drogen gewesen sei.

„Warnschuss“ des Amtsgerichts hat nicht gewirkt

Er räumte auch ein, dass ein Warnschuss des Borkener Amtsgerichts „leider nicht gewirkt hat“. Dort musste der 21-Jährige sich etwa zwei Jahre vor der jetzigen Tat ebenfalls wegen des Handels mit Drogen verantworten. Aus der damaligen Bewährungsstrafe - danach sieht es jetzt aus – wird für den Angeklagten eine längere Gefängnisstrafe werden.

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255 Kunststofftütchen mit jeweils 1,5 Gramm Marihuana, 93 Tütchen mit 2,6 Gramm Marihuana und dazu auch für den Verkauf in Ein-Gramm-Chargen konfektioniertes Kokain hatten die Beamten in der Wohnung des Angeklagten sichergestellt. Dazu auf einem Dachboden weitere Drogen in größeren Mengen, die noch nicht für den Verkauf verpackt waren.

„Wo kamen die Drogen her?“, wollte der Vorsitzende Richter gleich zu Beginn wissen. Neben drei Richtern bilden zwei Schöffen das Strafgericht, das am Ende über die Bestrafung des Oedingers entscheidet.

Den Drogenlieferanten nicht verraten

Darüber, wer ihm die Drogen verkauft hatte, machte der Angeklagte aber keine Aussagen. Er habe die Rauschmittel in Deutschland gekauft, mehr war dem Oedinger nicht zu entlocken. Sei eigener Dealer habe ihm beim ersten Geschäft eine Waffe gezeigt und damit gedroht, der Familie des Oedingers etwas anzutun, sollte dieser bei einer Festnahme seine Lieferanten nennen.

Die Preise für Drogen:

  • Für 100 Gramm Kokain hat der Angeklagte nach seinen Aussagen 3800 Euro an seinen Lieferanten gezahlt. 100 Gramm Marihuana kosteten ihm im Einkauf 4,50 Euro je Gramm.
  • Verkauft hat der Angeklagte das Kokain für 80 Euro je Gramm. Für das Marihuana erhielt er zehn Euro je Gramm.

Im weiteren Verlauf des ersten Verhandlungstages ließ sich das Gericht vom Angeklagten schildern, wie seine Geschäfte so abgelaufen sind. Er kaufte die Drogen in größeren Mengen und packte die in kleine Mengen für den Straßenverkauf ab, sagte der Oedinger.

Aus einer Bauchtasche heraus wechselten die Drogen dann den Besitzer. Dafür hatte der Dealer einen festen Platz, den auch seine etwa 20 Kunden kannten. „Treffpunkt war am Schachbrett“, erklärte der Angeklagte dem Gericht: Der Drogenumschlagplatz befand sich im Bereich des Oedinger Feuerwehrgerätehauses an einer vom Heimatverein errichteten Sitzecke.

Wer mit dem Rad kam, erhielt seine Ware am Schachbrett. Autofahrer nahmen die Drogen auf dem großen Parkplatz des nahe liegenden Bekleidungsgeschäftes entgegen.

„Oeding ist ein kleines Dorf, das hat sich dort schnell rumgesprochen“, antwortete der Angeklagte auf die Frage des Vorsitzenden, woher seine Kunden denn von dem Treffpunkt wussten. Wie der Dealer erklärte, kamen seine Kunden überwiegend aus Oeding, Südlohn, Stadtlohn und Borken.

Drogen auf Vorrat gekauft

Dass die Polizei bei ihm so große Mengen Drogen sicherstellen konnte, begründete der 21-Jährige damit, dass er „auf Vorrat gekauft“ hatte, weil er den Stress mit dem Kauf nicht haben wollte. Von dem sichergestellte Geld gehöre etwa ein Drittel seinem Lieferanten, schilderte der Angeklagte.

Dem Gericht erklärte dieser, dass er eigentlich mit dem Drogengeschäft aufhören wollte. Aus Liebe zu seiner Freundin. Allerdings habe er die gekauften Drogen nicht verbrennen oder durch die Toilette spülen wollen. Dafür seien die zu teuer gewesen. „Wäre die Polizei drei Wochen später gekommen, hätte sie nichts gefunden“, sagte der Angeklagte.

Verkauft habe er immer nur in Kleinmengen, zwischen ein und zehn Gramm Mariuhana. Das sei für ihn besser kalkulierbar gewesen. Bei größeren Mengen „hätte ich einen Mengenrabatt geben müssen, das wollte ich nicht“, sagte der Angeklagte.

Mit 14 Jahren angefangen, Drogen zu konsumieren

Selber hatte er mit 14 Jahren angefangen, Drogen zu nehmen. Damals war es Cannabis. Später kamen Kokain, LSD und Ecstasy dazu. Wie der 21-Jährige angab, sei es bis zum Zeitpunkt seiner Verhaftung aber überwiegend Marihuana gewesen, das er geraucht habe. Einige Gramm am Tag.

Nach dem Angeklagten hörte das Gericht drei Kripobeamte, die bei der Hausdurchsuchung in Oeding dabei waren. Die 51-, 55- und 40-jährigen Ermittler schilderten die Auffindesituation der Drogen. Beim Betrachten der Tatortfotos meinte der Vorsitzende Richter: „Das sieht alles sehr geordnet und organisiert aus“.

Jugendgerichtshilfe empfiehlt Drogentherapie

Ein Vertreter der Jugendgerichtshilfe erzählte anschließend von seinem Gespräch mit dem Angeklagten in der Haftanstalt. Er empfahl eine Drogentherapie und die Anwendung des Jugendstrafrechts beim Strafmaß.

Das wird in der JVA Herford ganz anders gesehen. Der Richter las ein Schreiben vor, in dem empfohlen wird, den Angeklagten nach dem Erwachsenenstrafrecht zu belangen.

Die gegensätzlichen Aussagen waren für das Gericht Grund, den Angeklagten näher zu seinen Motiven für die Taten zu befragen. „Wir reden nicht über eine Lappalie, wenn man das Gesamtbild betrachtet“, machte der Vorsitzende Richter das mögliche Ausmaß der zu erwartenden Strafe deutlich.

Sein Mandant habe „kindlich naiv“ gehandelt, als der mit den Drogen dealte, meinte der Anwalt. „Es hat ihm etwas gegeben“, so der Jurist auf den abgebrochenen Schulbesuch des Angeklagten hinweisend.

Dealen war für den arbeitslosen Angeklagten „Berufsersatz“

„War das Berufsersatz für Sie“, wollte der Richter von dem Angeklagten wissen, der im Tatzeitraum keiner Beschäftigung nachging. Darauf antwortete der 21-Jährige mit einem deutlichen „Ja“.

Am Ende des Verhandlungstages räumte der Richter ein, ein Problem damit zu haben, eine Reifeverzögerung bei dem Angeklagten zu erkennen. Das Verfahren des Landgerichts gegen den Oedinger wird am nächsten Dienstag (18.02., 9 Uhr, Saal 112 des Amtsgerichts in Bocholt) fortgesetzt. Dann wird es voraussichtlich ein Urteil geben.

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