Preise auch in Südlohn im Keller: Kalb so teuer wie ein Ferkel

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Ein Kalb kostet 8,50 Euro – weniger als ein Kanarienvogel. Solche Horrormeldungen kennt LOV-Vorsitzender Dieter Valtwies, aber auch andere Preise in Südlohn. Akzeptabel seien sie aber nicht.

Südlohn

, 12.11.2019, 18:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieter Valtwies ist Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbands (LOV) Südlohn-Oeding und selbst Milchviehhalter. Er kennt die Probleme, über die Landwirte schon seit Jahren klagen. Zurzeit eben über die Kälberpreise im Keller.

Antwort des Ministeriums sorgt für Aufregung

Da hatte eine Antwort der Bundes-Landwirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Grünen für Aufregung gesorgt, in der von eingebrochenen Preisen, sogar von unter neun Euro, die Rede war.

Der Südlohner Landwirt wundert sich über Nachrichten eines derart dramatischen Preissturzes, die schnell überall im Land die Runde machten, und fordert dazu auf, Zahlen und Preise genauer zu beleuchten und regional herunterzubrechen: „Probleme mit solchen unterirdischen Preisen wird es vor allem in den Gebieten geben, wo die Blauzungenkrankheit verstärkt aufgetreten ist.“

Ein Kalb kostet 70 bis 80 Euro

Die strengen Auflagen in den betroffenen Bezirken schränken nämlich die Ausfuhr der Tiere und damit auch eine Vermarktung deutlich ein. Vor Ort allerdings kennt Dieter Valtwies andere Preise und spricht von 70 bis 80 Euro für ein schwarzbuntes Bullenkalb. Allerdings: „Kein Preis, der wirtschaftlich oder fair ist.“

Valtwies nennt einen Vergleich: Ein 30-Kilo-Ferkel kostet sozusagen genauso viel wie ein Kalb.

Und das angesichts eines weiter fortschreitenden Strukturwandels und sich verschärfenden Futterprobleme nach zwei trockenen Jahren. Fast die Hälfte der Tierhalter, schätzt Valtwies, hätten in den letzten 20 Jahren aufgegeben. Zum einen wegen fehlender Nachfolger, aber auch wegen immer strengerer Auflagen beim Stallbau und grundsätzlich für die Landwirtschaft.

Auch die Gesellschaft ist gefragt

Valtwies nimmt auch die Gesellschaft in die Pflicht, appelliert an deren Moral: „Die Gesellschaft muss sich doch fragen, ob sie sich dauerhaft Produkte vor leisten möchte, oder nur noch Import-Fleisch aus Südamerika oder anderswo.“ Das auch mit Blick auf das ständig geforderte Tierwohl.

Ärgerlich findet er in diesem Zusammenhang Stichworte wie „industrielle Landwirtschaft“ und die Kritik, dass auch die jetzigen Kälber-Preise selbst verschuldet seien, durch ein Überangebot auf dem Markt.

„Hier bei uns haben wir es ganz sicher nicht mit industrieller Landwirtschaft zu tun, sondern hauptsächlich mit bäuerlicher Landwirtschaft und nur wenigen Großbetrieben“, sagt Dieter Valtwies.

Kurze Transportwege in der Region

Auch vom Vorstoß von Bundeslandwirtschaftsminister Julia Klöckner sieht er sich und seine Landwirts-Kollegen in der Region nicht betroffen. Diese hatte den langen Transportweg (manchmal 19 Stunden), den Kälber oft ausgesetzt wären hinterfragt und Zweifel an deren Vereinbarkeit mit der EU-Verordnung angemeldet.

Valtwies: „Die Transportwege bei uns sind kurz, die Kälber bleiben zu 80 bis 90 Prozent im Kreis Borken, gehen entweder in die spezialisierte Bullen- oder Kälbermast.“

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