Professor von der Universität Köln wirbt für naturnahe Spiellandschaften

mlzKritik an Normgeräten

Was ist der richtige Weg für die Spielplatzplanung? Ein zentraler, top-ausgestatteter Spielplatz oder viele kleine auf die Quartiere verteilte? Wir haben nachgefragt.

Südlohn

, 23.02.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Prof. Dr. Klaus Fischer mag sich weder für den einen noch den anderen Weg entscheiden. Der Professor hat an der Universität in Köln den Lehrstuhl für Bewegungserziehung. Beide Spielplatzkonzepte, der zentrale, größere Spielplatz wie auch der kleine Quartiersspielplatz haben in seinen Augen ihre Berechtigung. „Kinder sollen nicht erst über drei Kilometer zu einem Spielplatz gekarrt werden, damit sie dort toben können“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion.

Quartiere sind deutlich größer als in Südlohn und Oeding

Gleichzeitig fasst er Quartiere aber auch deutlich größer, als sie in Südlohn und Oeding sind. Einen Weg von einem Kilometer zu einem Spielplatz hält er für durchaus möglich. „Eben so, dass Familien sie noch gut zu Fuß erreichen können“, sagt er. Zum Vergleich: Am Luftbild gemessen sind es von der südlichen zu nördlichen Grenze des Südlohner Ortskerns knappe zwei Kilometer. Oeding erstreckt sich von Nord nach Süd über knapp 1,4 Kilometer Luftlinie.

Professor von der Universität Köln wirbt für naturnahe Spiellandschaften

Prof. Dr. Klaus Fischer von der Universität Köln. © Uni Köln

Für Klaus Fischer ist es wichtig, dass sich die Kinder selbst zu ihren Spielplätzen bewegen. „Körperliche Aktivitäten sollten Eltern nach Möglichkeit nicht daran koppeln, Kinder im Auto zu transportieren“, erklärt er.

Gerätelandschaften sieht der Fachmann kritisch

Der Professor sieht allerdings reine Gerätespielplätze kritisch. „Die Konzepte für Spielplätze müssen so gestaltet sein, dass sie naturnah sind“, erklärt er. Als Beispiele nennt er aufgeschüttete Hügel mit Rutschen oder Geräte, die wenigstens multifunktional sind. „Wenn Kinder nur an einer Stelle rutschen und dafür nur an einer Leiter hochklettern können, fördert sie das nicht“, erklärt er.

Genau diese Hangrutschen gab es zwar auf etlichen Spielplätzen im Ort. Jedoch mussten oder müssen sie wegen der geänderten Spielplatznormen abgebaut oder ersetzt werden.

Weniger Normen, mehr freies Spielen

Normierte Spielgeräte von der Stange sind ihm ein Dorn im Auge. Damit meint er natürlich nicht die Sicherheitsnormen. Es geht ihm zum Beispiel um Sprossen einer Leiter. „Warum müssen die parallel sein?“, fragt er. Genausogut könnten sie leicht schief angebracht werden. Kinder würden dadurch in ihrer Motorik gefördert, weil sie sich nicht an einen festen Abstand zwischen den Sprossen gewöhnen können, sondern immer wieder anders greifen müssen. Das fördere nicht nur die Entwicklung, sondern sei ganz einfach auch spannender.

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