Tierfutterhersteller Bewital plant an der Industriestraße ein 38 Meter hohes Hochregallager. Der Rat hat einstimmig den Weg dafür frei gemacht.

Südlohn

, 12.07.2018, 18:48 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bis zu 38 Meter hoch und mit Platz für zunächst etwa 7000 Paletten: Die Planungen, die Jürgen Petershagen, am Mittwochabend im Rat vorgestellt hat, beeindrucken. Der Geschäftsführer von Bewital warb deswegen auch direkt um Verständnis: „Die Planung mag auf den ersten Blick erschrecken, aber sie ist sinnvoll“, sagte er. Auf dem Grundstück, zwischen Industriestraße, Daimlerstraße und K21 – da wo heute noch die LKW von Westrans parken – soll das Gebäude nach und nach entstehen.

Rat gibt grünes Licht für 38 Meter hohes Hochregallager an der Industriestraße

So soll das Hochregallager im Endausbau aussehen. In einem ersten Schritt werden zwei der grünen Lagerriegel und einen Teil des hinteren Gebäudes entstehen. Zum Größenvergleich dienen am ehesten die beiden Sattelschlepper unter der Brücke unten links. Die Bäume in der Grafik dürften ungefähr 20 Meter hoch sein. © Bewital Unternehmensgruppe

Wer sich kein Bild von der Höhe machen könne, solle sich den Kirchturm von St. Vitus in Südlohn ansehen, riet Bürgermeister Christian Vedder. Das Lagergebäude wird dabei rund 90 Meter lang, erklärte Petershagen. Dabei ist das Gebäude allerdings so weit auf dem Grundstück zurückgesetzt, dass an der Industriestraße nicht der Eindruck einer Schlucht entstehen soll. Auch genügend Lkw-Parkplätze seien weiterhin vorhanden.

Viel weniger Lkw, viel schnellere Lieferung

Mit der Planung stelle sich das Unternehmen sicher am Standort auf. Sechs Millionen Euro investiert das Unternehmen im ersten Schritt. Zwei Gründe sprechen aus Bewital-Sicht für den Bau: Die immer stärkere Konzentration der Logistik auf den Produzenten und die bisher sehr zerstückelten Lagerflächen: Paletten für die Produktion sind zum Beispiel in Gebäuden bei Bruno Kleine, in Borken, bei der Spedition Westrans und im eigenen kleineren Hochregallager gelagert. „Wir müssen aktuell Paletten vor der Auslieferung drei bis viermal anfassen und transportieren“, erläuterte Christof Sicking, kaufmännischer Betriebsleiter bei Bewital. Durch ein zentrales Lager könnten nicht nur die Fahrten zwischen den Lagerorten gestrichen werden. Bewital könnte auch flexibler reagieren: „Um uns sicher aufzustellen, müssen wir unseren Kunden noch besseren Service bieten“, so Sicking: Die Lagerhaltung werde inzwischen immer stärker vom Großhändler zum Produzenten verschoben. „Next-day-delivery müssen wir schon bieten, sonst sind wir ganz schnell draußen“, sagte er. Aktuell schaffe Bewital es, Großhändler binnen drei Tagen zu beliefern. Der Ausbau ist dringend nötig, denn das Geschäft bei Bewital brummt: „Der reine Warenausgang lag 2012 bei 97.163 Paletten. 2018 waren es 139.500“, so Sicking. Das Lager ist inzwischen auf 50 Mitarbeiter in zwei Schichten angewachsen.

Unternehmen geht mit Maximalplanung an den Start

Die Zeitplanung für das Projekt ist ambitioniert: Den Antrag für die Genehmigung möchte das Unternehmen noch im dritten Quartal 2018 einreichen. Mit der Genehmigung könnte es dann Anfang 2019 klappen. „Man muss ja noch Träume haben“, sagte Christof Sicking, kaufmännischer Betriebsleiter bei Bewital, mit einem Schmunzeln.

Rat gibt grünes Licht für 38 Meter hohes Hochregallager an der Industriestraße

Wo im Moment noch die Lastwagen stehen, sollen ab 2020 Paletten im Hochregallager gestapelt werden. Die angeschlossene Kommissionierungshalle soll die Logistik rund um das Bewital-Werk vereinfachen. © Stephan Teine

Im zweiten Quartal könnte dann der Bau beginnen. Bauzeit wäre ungefähr ein Jahr, sodass die erste Ausbaustufe des Komplexes im zweiten Quartal 2020 in Betrieb gehen könnte.

Das Gebäude soll dabei nach und nach entstehen: Zuerst der zweistöckige Bereich für Kommissionierung und die Abfertigung von Lkw sowie ein erster Riegel des Hochregallagers. Ergänzungen sind danach auf dem Grundstück noch möglich. „Ob und wann die kommen, hängt auch mit der Geschäftsentwicklung zusammen“, erklärte Jürgen Petershagen. Bei den vorgestellten Planungen handele es sich ausdrücklich um eine Maximalplanung für die Genehmigung.

Rat stimmt einstimmig zu

Mögliche Bedenken zur Gestaltung wischte Jürgen Petershagen beiseite: „Wir wohnen ja auch hier im Dorf. Wir sind darauf aus, dass es schön wird.“ Entsprechend positiv nahmen die Politiker die Planungen auf: Einzelne Nachfragen, etwa zur Gesamthöhe oder zum Brandschutzkonzept waren schnell geklärt. Mit der Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans haben sie den Weg für den Bau frei gemacht. Einstimmig.

Verwaltung arbeitet Pläne für die Industriestraße aus

„Wir können mit der Straße leben. Darauf sind ja unsere Planungen ja auch ausgelegt“, sagte Bewital-Geschäftsführer Jürgen Petershagen in der Sitzung. Dem Unternehmen würde es aber immens helfen, wenn die Industriestraße umgewidmet und dem Betriebsgelände zugeordnet würde. Zusammen mit dem neuen Lagergebäude könnte so ein großer Teil des Kreuzungsverkehrs abgestellt werden. „So würde das Gelände auch viel sicherer“, sagte Petershagen.

Ein Wunsch, der bei den Politikern auf fruchtbaren Boden fiel: „Darüber haben wir ja schon einmal diskutiert“, sagte Alois Kahmen (CDU). Er forderte die Verwaltung auf, den Punkt in die Beratungen aufzunehmen. „Das ist ja ein Prozess, der sich über Jahre hinziehen kann“, sagte er mit Blick auf Genehmigungsverfahren und den Erwerb der entsprechenden Flächen.

Bürgermeister Christian Vedder sicherte zu, das Thema anzugehen.

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