Ratsmehrheit stellt Kulturbürgerhaus von Grund auf in Frage und will Alternativen prüfen

mlzRat in Südlohn

Kulturbürgerhaus oder Konzert-Mehrzweckhalle in der alten Turnhalle: Das Projekt im Südlohner Ortskern hat im Rat eine völlig neue Richtung bekommen. Und verursacht enorme Kosten.

Südlohn

, 13.04.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hat das Kulturbürgerhaus noch eine Zukunft? Bei den Zuschauern der vergangenen Ratssitzung können daran große Zweifel entstehen. Denn die CDU-Fraktion stellt die Planungen insgesamt noch einmal in Frage – und gibt dem ganzen Projekt eine neue Richtung.

Über 100.000 Euro Aufwand: CDU beantragt zwei Standorte im Detail zu prüfen

Aber der Reihe nach. Die CDU-Fraktion hatte beantragt, neben dem Standort im Südlohner Ortskern auch die Turnhalle der Hans-Christian-Andersen-Schule für das Bauprojekt prüfen zu lassen. Unabhängig voneinander sollen dann die Kosten für den Bau, den wirtschaftlichen Betrieb und die dauerhafte Unterhaltung an beiden Standorten ermittelt werden. Dafür stimmten die CDU und Maik van de Sand (Grüne). Bürgermeister, SPD und UWG stimmten dagegen, kamen aber zusammen nur auf sieben Stimmen. „Das wird richtig teuer“, sagt Bürgermeister Christian Vedder unserer Redaktion. Grob geschätzt kommen auf die Gemeinde allein für diese Untersuchung der beiden Standorte Kosten von über 100.000 Euro zu.

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Der Weg zu dieser Entscheidung war eine aufgeladene Diskussion, die einige ratlose Gesichter zurückließ.

Alle Möglichkeiten im Blick behalten

Frank Engbers (CDU) räumte zunächst ein, dass der Standort im Ortskern natürlich interessant sei. „Aber wer andere Standorte von vornherein ausschließt, eröffnet sich auch keine neuen Möglichkeiten.“ Statt des Neubaus am Vikar-Meyer-Platz – dort möchte der Trägerverein ein Haus für Musik, Kunst und Kultur, Begegnung und Jugend reallisieren – möchte die CDU lieber die Turnhalle der Hans-Christian-Andersen-Schule sanieren lassen und entsprechend multifunktional ausstatten, so dass auch dort Proben oder Konzerte möglich sein sollen.

Ratsmehrheit stellt Kulturbürgerhaus von Grund auf in Frage und will Alternativen prüfen

Kann eine sanierte Turnhalle der Hans-Christian-Andersen-Schule eine Lösung sein? "Ja", sagt die Mehrheit aus CDU und Grünen im Rat; "Nein", halten Bürgermeister, SPD, UWG, FDP und Trägerverein dagegen. © Stephan Teine

Christel Sicking (CDU) ging noch einen Schritt weiter und stellte das Kulturbürgerhaus insgesamt in Frage: „Die Frage ist doch, ob die Gemeinde Südlohn so ein Projekt stemmen möchte.“ Es dürfe ja nicht nur um die Bauförderung gehen, sondern auch um den späteren Betrieb. Das sah auch Maik van de Sand (Grüne) so: „Ich frage mich, wie groß unser Leuchtturm überhaupt werden soll und ob es nicht auch eine Nummer kleiner geht.“ Gleichzeitig wollte er die Diskussion insgesamt versachlichen. „Die läuft mir hier viel zu emotional ab.“ Für beide möglichen Standorte gebe es eine ganze Reihe von Vor - und Nachteilen. So könne man bei einer Sanierung der Turnhalle – und dem entsprechenden Umbau als Veranstaltungsort – auch die Schlinge mit einbinden. Ein weiteres Projekt aus dem Katalog des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK).

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Jörg Schlechter (FDP) mahnte die Politiker dazu, den Fokus nicht zu verlieren: „Erstmal ist maßgeblich, was der Trägerverein will, unsere Wünsche sollten wir dabei zurücknehmen“, erklärte er. Auch Siegfried Reckers (SPD) war fest davon überzeugt, dass eine Sanierung der Turnhalle an der Hans-Christian-Andersen-Schule keine Lösung ist. „Davon bin ich fest überzeugt.“ Er wolle sich nicht anmaßen, das Projekt so zu ändern. „Damit haben sich erwachsene Menschen vier Jahre lang beschäftigt. Da können wir jetzt nicht einfach drüber weggehen“, erklärte er. Karin Schmittmann (UWG) bezweifelte die Eignung der Turnhallen-Lösung: „Der Betrieb im Kulturbürgerhaus ist ja nur möglich, wenn der Zweck auch erfüllt wird. Und das kann eine Mehrzweckhalle nicht.“

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Die Zweifler blieben in der Ratssitzung am Ende aber in der deutlichen Minderheit. Mit dem Vorstoß in Richtung Turnhalle jedenfalls kann sich der Trägerverein Kulturbürgerhaus nicht anfreunden: „Wir brauchen keine Jakobihalle 2.0. Kommt die, ist der Verein raus“, sagte Barbara Seidensticker-Beining (SPD), die nicht nur Ratsmitglied, sondern auch zweite Vorsitzende des Trägervereins Kulturbürgerhaus ist.

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