Rauschgift und lose Bretter: An der Grenze werden Spürhunde eingesetzt

Zollkontrolle

OEDING Ganz nah hat er seine Nase an dem Reifen des silberfarbenen VW Polo – der elf Jahre alte Spürhund Alfredo. Er schleicht am Radkasten und weiter am Auto entlang in Richtung Kofferraum. Dort angekommen springt der Kleine mit einem Satz hinein und kratzt energisch an dem links befestigten orangenen Erste-Hilfe-Kasten.

von Von Tobias Kempkes

, 03.10.2009, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ganz real war die Zollkontrolle zuvor am alten Zollamt, die Dertmann mit drei anderen Zollhundeführern unterstützt hatte. Einer von ihnen ist Alexander Markstädter (23), auszubildender Zollbeamter aus Hörstel. Das Fernglas vor Augen erspäht er einen weißen Kleintransporter, der in ein paar Sekunden die frühere Grenze passieren will. „Das ist ein Ausländer“, sagt Markstädter.Kaninchen-Kurier Kollege Klaus Kischkel (61), Zollbetriebsinspektor aus Vreden, reagiert sofort: Mit der rot-weißen Kelle in der Hand winkt er den Kleintransporter heraus. Was der Fahrer denn geladen habe, will Kischkel wissen. „Ratten“, sagt der Niederländer. „Ratten?“, wiederholt Kischkel ungläubig. „Machen Sie bitte einmal hinten auf!“ Und tatsächlich: Als sich die Flügel-Türen hinten öffnen, sehen die drei Zollbeamten vor sich mehrere Kartons auf denen „Live animals“ – auf Deutsch: lebende Tiere – steht. „Die sind für die Uni Münster“, erklärt der niederländische Kurierfahrer.

Er fahre zweimal in der Woche auch Kaninchen dorthin. Mehr wisse er nicht. „Alles klar. Danke. Sie können weiterfahren“, sagt Kischkel. 42 Jahre Erfahrung hat er, aber so etwas auch noch nicht erlebt. Aber nicht nach Ratten suchen Kischkel und seine Kollegen, sondern nach Drogen oder Schmugglern. Also denjenigen, die zum Beispiel mehr als zehn Kilogramm Kaffee, vier Stangen Zigaretten oder Heizöl statt Diesel im Tank haben. Vor allen Dingen geht es Kischkel und Co. auch um Schmuggler. „Wir haben 72000 Schuldner mit insgesamt einer Milliarde Euro Schulden in unserer Datenbank.“ Es sind Menschen von denen entweder das Finanzamt, der Zoll, das Bundesamt für Güterverkehr oder Toll Collect Geld haben will. Auf dem Laptop im VW-Transporter gleichen sie die Kennzeichen mit denen in der Datenbank ab. „Wir hatten gerade einen, da passte Name, Stadt, aber die Straße nicht.“Ungenügend gesichert Beim nächsten angehaltenen weißen Kleintransporter machen sie Augen. Der Wagen mit Steinfurter Kennzeichen hat Bretter geladen, die weit über die Transportfläche hinausragen. Diese sind nur mit einem dünnen Plastikband gesichert. „Das ist ja ein Bindfaden. Dafür müssen Sie sich breite Gurte besorgen“, warnt Kischkel. „Lassen Sie sich nicht von der Polizei erwischen. Dann werden Sie richtig Geld los.“ Hinterher sagt er weiter: „Wenn das die Polizei sieht, kommt der nicht weiter. Aber das ist nicht unsere Aufgabe.“

Nach zwei Stunden wollen die Zollbeamten weiterfahren zum Rasthof Resser Mark an der A 2 bei Gelsenkirchen. „Die Kontrollstelle ist nach einer Stunde, wie wir sagen, verbrannt. Dann warnen die sich gegenseitig.“ Außer bei der Übung kommen die Zollhunde nicht weiter zum Einsatz. Trotzdem werden ihre Spürnasen gebraucht: An Flughäfen, bei der Zollfahndung, Kripo oder bei der Bundespolizei.

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