Musikschulleiter in Südlohn und Dirigent des Velener Musikvereins: Markus Wellermann © Markus Gehring
Musikschule Südlohn-Oeding

„Rein pädagogisch gesehen war das Musikschuljahr 2020 eine Katastrophe“

Videos statt Gruppenunterricht: Das Corona-Jahr brachte auch für die Musikschule Herausforderungen mit sich. Finanziell ging es, pädagogisch eher nicht, bilanziert Leiter Markus Wellermann.

Das Corona-Jahr liegt auch hinter der Musikschule Südlohn-Oeding – und erwartungsgemäß ein schwieriges Jahr liegt vor ihr. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung den Haushaltsplan der Musikschule für 2021 zur Kenntnis genommen – 63.700 Euro aus der Gemeindekasse hat der Trägerverein als Zuweisung eingeplant. Nicht mehr als 2020.

Rücklage hat sich als gut erwiesen im „Katastrophenjahr“

Wenn Musikschulleiter Markus Wellermann auf das Jahr 2020 zurückblickt, gibt es ganz verschiedene Aspekte zu beleuchten. Was das Finanzielle angeht: „3500 Euro Defizit, das ist tragbar für ein Katastrophenjahr, wenn man es so bezeichnen kann.“ Die Rücklagen der Musikschule, sonst schon mal ein Kritikpunkt der Kommunalpolitiker, habe sich nun als gut erwiesen. „ Wir können das Defizit komplett ausgleichen, ohne dass die Gemeinde zusätzlich zahlen muss.“


Die Musikschule hat für ihre Mitarbeiter auch Kurzarbeit beantragt und in Anspruch genommen. „Die Ausfälle waren im März und April, grob ein Monat, und die eine Woche im November“, bilanziert Markus Wellermann. In der Elternschaft habe er eine große Solidarität festgestellt, die Erstattung für die eine Woche ausgefallenen Unterricht hätten nur sehr wenige in Anspruch genommen. Aber das müsse man sich ja auch leisten können, schränkt Wellermann ein.

Projekt „Musik geht in die Schule“ erst einmal auf Eis gelegt

Im Ergebnis könne man es so festhalten. Kosten seien weniger angefallen, aber es seien ja auch keine Beiträge eingenommen worden. Und: Das auch vom Hilfswerk des Medienhauses Lensing mit 2000 Euro geförderte Projekt „Musik geht in die Schule“ musste erst einmal auf Eis gelegt werden. Beim Blick auf 2021 kann Markus Wellermann feststellen: „Wir sind so aufgestellt, dass eine weitere Entnahme aus der Rücklage uns nicht das Genick brechen würde.“

Und inhaltlich? Der Lockdown im Frühjahr und der Lockdown light –

„rein pädagogisch gesehen ist das schon eine Katastrophe“, wird der Musikschulleiter deutlich. „Wir sind eine pädagogische Bildungseinrichtung, da muss man nicht nur auf die Zahlen sehen.“

Was den Lernfortschritt, die Kontinuität, die Motivation und Entwicklung der Schüler angehe – „all das leidet natürlich unter dem Hin und Her.“ Onlineunterricht hat die Musikschule probiert, „aber wo es an technischen Voraussetzungen fehlte, konnten wir das nicht leisten“. Bei der musikalischen Früherziehung zum Beispiel, da sei nun mal kein Distanzunterricht möglich.

In Grundausbildung auch mit Videos gearbeitet

„In der Grundausbildung haben wir auch mit Videos gearbeitet, da haben die Kinder zum Teil auch nette Sachen zurückgeschickt“, erzählt Markus Wellermann. „Wir haben versucht, den Kontakt zu halten, ständig telefoniert und wo es ging, eben online unterrichtet.“

Aber auch für den Präsenzunterricht mussten Maßnahmen ergriffen werden, von der Desinfektion für Klaviertasten bis zur Anschaffung von Noten für die Lehrkräfte, damit sie aus gebotener Entfernung mitlesen können. Was natürlich ganz fehlte, auch zur Motivation aller: die Vorspiele und vor allem die Weihnachtsvorspiele.

Aktuell hat die Musikschule Südlohn-Oeding 160 Schülerinnen und Schüler – in etwa seit fünf Jahren gleichbleibend. Wenn das Projekt an den Grundschulen wieder läuft, wird diese Zahl enorm steigen. Die meisten Schüler sind Kinder und Jugendliche, aber auch rund 15 Erwachsene lernen Keyboard oder Gitarre spielen. „Gern angenommen wird auch das Angebot für Eltern und Kinder“, erzählt der Musikschulleiter. Dabei erlernen beide dasselbe Instrument.

Welche Musikinstrumente sind die Top Drei?

Welche Musikinstrumente sind die Top Drei in der Gunst der Musikschüler aus Südlohn und Oeding? Gitarre, Keyboard und Klavier, zählt Markus Wellermann auf. Überhaupt biete die Musikschule verstärkt das an, was es in Musikkapelle und den Spielmannszügen nicht gibt. Und der Musikschulleiter freut sich über einen kleinen Trend: Die neue Geigenlehrerin hat gut zu tun, die Musikschule habe gerade schon drei kleine Violinen gekauft.

Wie auch andernorts, dominiert in der Musikschule Südlohn-Oeding auch der Gruppenunterricht. Die Bildungseinrichtung beschäftigt neben dem Musikschulleiter vier Lehrkräfte: eine vollzeit und zwei teilzeit. „Keine Honorarkräfte“, betont Wellermann.

Markus Wellermann nutzt Synergieeffekte

Er selbst ist seit 2013 vollzeit im Rathaus beschäftigt, ein Teil der Stunden ist für die Musikschule, ein anderer Teil für die Bereiche Kultur, Vereine, Jugendwerk vorgesehen. Markus Wellermann gefällt der Zuschnitt – es gibt viele Synergieeffekte, und er kann was für die Außenwirkung der Musikschule tun. Die Zuweisung der Gemeinde an die Musikschule ist rechnerisch auch dadurch geringer geworden, dass die Personalkosten für Markus Wellermann an anderer Stelle verbucht werden.

Gesangsklasse aufmachen, wenn Corona sich verabschiedet hat

Nun blickt Markus Wellermann auf das neue Jahr – und hat Pläne. „Wenn uns Corona nicht komplett einen Strich durch die Rechnung macht, wollen wir eine Gesangsklasse aufmachen“, verrät er. Die Musikschule wolle sich um eine geeignete Kraft bemühen für das neue Angebot, das gleichermaßen Kinder, Jugendliche und Erwachsene ansprechen soll. Dann, wenn Singen nicht mehr nur unter dem Aspekt des Aerosole-Ausstoßens gesehen wird.

Über die Autorin
Redaktion Ahaus
Hat besondere Freude daran, das Besondere im Alltäglichen zu entdecken
Zur Autorenseite
Anne Winter-Weckenbrock

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt