Risikogebiet Winterswijk: Der Bürgerbus fährt weiter über die Grenze

mlzRisikogebiet Niederlande

Mal eben einkaufen im Albert Heijn in Winterswijk – oder besser nicht? Oder mit dem Bürgerbus zum Bahnhof und von dort weiter? Seit die Niederlande Risikogebiet sind, gibt es viele Fragen.

Südlohn

, 06.10.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Freitag gibt es viele Fragen: Da erklärte das Robert-Koch-Institut weite Teile der Niederlande – auch den Grenzbereich zum Westmünsterland – zum Risikogebiet. Die steigenden Coronainfektions-Zahlen sind der Grund dafür. Und nun?

Täglich die Kinder über die Grenze zur Schule und Kita bringen

Schnell verbreitete sich die Nachricht an sich – über die Konsequenzen, die die Entscheidung für den Alltag der Menschen mit sich bringt, konnte nur gemutmaßt werden. So stellte sich für Liesie Vrieze am Samstag noch die bange Frage, ob sie denn am Montag problemlos ihre Kinder nach Oeding bringen könne.

Liesie Vrieze lebt mit ihrem Mann, einem Deutschen, in Winterswijk. Aber nur ein paar Autominuten von Oeding entfernt. Weil die Kinder zweisprachig aufwachsen sollen, entschloss sich das Ehepaar, ihren siebenjährigen Sohn in die von-Galen-Grundschule und ihre fünfjährige Tochter in den St.-Jakobus-Kindergarten zu schicken. Und nun lebt die Familie plötzlich im Risikogebiet.

Am Montagmorgen war die Niederländerin schon wieder ganz entspannt. Sie hatte ihren Sohn und ihre Tochter zur Schule und in die Kita gebracht. „An der Grenze war niemand“. Für den Feiertag war angekündigt worden, dass niederländische Polizisten an der Grenze die Passanten über die Coronaregeln aufklären – aber vor allem über die in den Niederlanden.

Niederländer und Deutsche müssen sich nach Grenzübertritt registrieren

Die Gesundheitsämter in der niederländischen Grenzregion rufen ihre Einwohner auf, sich zu melden, wenn sie auch für kurz über die Grenze gefahren sind. Per E-Mail, Telefon oder schriftlich. Das gilt für Deutsche, die mal eben in die Niederlande fahren, ebenfalls: Der Kreis Borken hat dafür ein Online-Formular auf die Internetseite gestellt. Wer zum Arbeiten über die Grenze pendelt, für den gibt es seit Montag ein eigenes Formular, das er nur einmal ausfüllen sollte.

Jetzt lesen

Viele betrifft die Frage des „kleinen Grenzverkehrs“, der zum Alltag vieler Einwohner Südlohner und Oedinger einfach dazu gehört. Oft geht es mit dem Bürgerbus in Richtung Winterswijk zum Einkaufen oder, um mit der Bahn von dort weitere Ziele in den Niederlanden zu erreichen.

Der Bürgerbus fährt weiter über die Grenze nach Winterswijk

Am Montagmittag war Hermann Weddeling als ehrenamtlicher Bürgerbusfahrer im Einsatz. „Winterswijk“ als Fahrtziel war auf dem Schild vorne am Fenster zu lesen. Alles wie immer – aber ob sich das ändert, wusste am Montag auch noch niemand. Herbert Schlottbom, Vorsitzender des Bürgerbusvereins Südlohn-Oeding, hatte sich mit den Verantwortlichen der Regionalverkehr Münsterland in Verbindung gesetzt, um nachzuhören.

Der Bürgerbus Südlohn-Oeding steuert seit Oktober  2019 die niederländische Nachbarstadt Winterswijk an und hält dabei vor dem dortigen Bahnhof/Station. Hier ist auch ein Umstieg auf das niederländische Eisenbahnnetz möglich.

Der Bürgerbus Südlohn-Oeding steuert seit Oktober 2019 die niederländische Nachbarstadt Winterswijk an und hält dabei vor dem dortigen Bahnhof/Station. Hier ist auch ein Umstieg auf das niederländische Eisenbahnnetz möglich. © privat

An sich seien die Bürgerbusfahrer gut geschützt, so Herbert Schlottbom, „und sie steigen ja auch nicht aus“. Im Bus gilt die Maskenpflicht, eine Scheibe (Spuckschutz) trennt die Fahrer von den Fahrgästen. Und die Fahrer haben spezielle FFP2-Masken, die sie tragen können, wenn sie möchten. „Wir haben da Vorsorge getroffen“, betont Herbert Schlottbom. Das Risiko sei eher minimal.

Jetzt lesen

Die Fahrerinnen und Fahrer seien alle ehrenamtlich und auch jetzt natürlich freiwillig im Einsatz. Nur einige wenige Fahrer sind aus persönlichen Gründen aktuell nicht im Einsatz, erzählte Schlottbom.

Wegen Corona: Busse fuhren monatelang nicht grenzüberschreitend

Beim Regionalverkehr Münsterland (RVM) sei man in Gesprächen mit dem Kreis Borken, sagte Pressesprecherin Astrid Herdering auf Anfrage der Redaktion. Vier weitere Linien der RVM sind neben dem Bürgerbus Südlohn-Oeding grenzüberschreitend unterwegs: Die R71 Vreden Winterswijk, der Taxibus Oeding-Winterswijk, der Taxibus Alstätte-Enschede und der Taxibus Barlo-Winterswijk.

Und all diese Linien sind eingestellt worden, als die Corona-Pandemie ausbrach: Vom 8. April bis 12. August. Der Bürgerbus nahm als erster im Juli schon wieder seine Touren auf.

Lesen Sie jetzt