Schulneubau hat Verspätung, aber die Schüler sitzen in Zukunft alle auf Augenhöhe

mlzSt.-Vitus-Schule

Der Neubau der St.-Vitus-Schule liegt fünf Wochen hinter dem Zeitplan. Dafür gibt es neue Ideen für die Möblierung: Alle Kinder bekommen gleich hohe Tische und sollen auf Augenhöhe lernen.

Südlohn

, 23.03.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Neubau der St.-Vitus-Schule in Südlohn soll im ersten Quartal 2020 fertig werden. Näher mochte es Bauamtsleiter Dirk Vahlmann in der vergangenen Sitzung des Schulausschusses nicht eingrenzen. Aktuell seien die Arbeiten laut Zeitplan knappe fünf Wochen im Verzug. Dafür machte Dirk Vahlmann das schlechte Wetter verantwortlich. Die Kosten für die bisher ausgeschriebenen Arbeiten liegen rund drei Prozent über der Kalkulation. Überrascht reagierte darauf Joachim Musholt (SPD). „Ich hatte mit deutlich höheren Mehrkosten gerechnet“, sagte er. Ist der Neubau fertiggestellt, schließt sich die Sanierung des Altbaus an.

Einrichtung soll neuen Unterrichtskonzepten folgen

Auch über die Einrichtung der neuen Räume wurde gesprochen. So soll eine Schule nach modernen Gesichtspunkten geschaffen werden. „Der Klassenraum wird heute neben den Mitschülern und Lehrern als dritter Pädagoge gesehen“, erklärte Schulleiterin Friederike Voß, die im Publikum saß und aktuelle pädagogische Anforderungen an Schulmöbel erläuterte. Der Weg führe von einer Schule des Belehrens hin zu einer Schule des Verstehens. „Das steht so längst alles in unserem Schulprogramm“, sagte Voß.

Für Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeiten müssen die Tische schnell verschoben und in unterschiedlichen Konstellationen aufgebaut werden können. Die aktuellen Tische seien dafür kaum geeignet.

Alle Kinder sitzen in Zukunft auf einer Höhe

Kernpunkte für die neuen Möbel sind Flexibilität und Augenhöhe. Die neuen Tische befinden sich alle auf einer Höhe. Unterschiedlich große Möbel wie bisher soll es nicht mehr geben. Stattdessen sollen sogenannte Fußrastenstühle angeschafft werden: Bei denen ist die Sitzhöhe immer gleich, die Stühle werden über eine verstellbare Fußraste an die Körpergröße der Kinder angepasst. So könnten die Kinder auf Augenhöhe lernen und in immer wieder unterschiedlichen Gruppen – auch entsprechend ihrem Leistungsstand – zusammengesetzt werden.

Für die Möbel veranschlagt die Verwaltung 125.000 Euro für den Neubau und später noch einmal 67.000 Euro für den Altbau. Dabei handele es sich um relativ endgültige Summen. „Einen Kostenspielraum gibt es jetzt nur noch bei den Preisen der Anbieter“, so Dirk Vahlmann weiter.

Werbevideo soll zeigen, wie Tische aussehen könnten

In der Sitzung präsentierte die Verwaltung auch ein Werbevideo der Firma Kamira aus Heek. Die setzt auf dreieckige Schultische, die leicht zu verschieben und sich zu unterschiedlichen Gruppentischen und anderen Sitzkonstellationen zusammenstellen lassen. „Das ist natürlich noch keine Auftragsvergabe“, erklärte Dirk Vahlmann. Das ganze Paket müsse ja auch erst einmal ausgeschrieben werden. Aber so ähnlich könnten die Tische für die Grundschule in Südlohn aussehen.

Möbel wie diese des Heeker Herstellers Kamira Konzepteinrichtungen sollen in den neuen Klassenräumen aufgestellt werden. Mit ihnen könne das pädagogische Konzept der Grundschule besser umgesetzt werden als mit den alten Möbeln.

Möbel wie diese des Heeker Herstellers Kamira Konzepteinrichtungen sollen in den neuen Klassenräumen aufgestellt werden. Mit ihnen könne das pädagogische Konzept der Grundschule besser umgesetzt werden als mit den alten Möbeln. © Kamira Konzepteinrichtungen

Alte Möbel werden nach Möglichkeit weitergenutzt

Über die alten Möbel haben Schulleitung und Lehrer Stück für Stück gesprochen: „Möbel, die wir in dem neuen Schulgebäude noch gebrauchen können, wollen wir natürlich übernehmen“, sagte Friederike Voß. Dabei handele es sich um verschiedene Regale oder Schränke. Auch die Einrichtung aus dem jetzigen Sekretariat soll weitergenutzt werden. Michael Schichel (CDU) äußerte große Bedenken wegen der Kosten für die neuen Möbel. „Aber wir widersetzen uns nicht“, sagte er. Maria Bone-Hedwig (CDU) bezweifelte noch, ob jedes Kind mit den neuartigen Stühlen zurecht komme. Diese Zweifel konnte aber wiederum Friederike Voß ausräumen: „Wir haben schon einzelne Stühle im Praxistest. Das funktioniert problemlos“, sagte sie.

Selbst Joachim Musholt (SPD) sonst für kritische Töne im Ratssaal bekannt, zog ein positives Fazit: „Da kann man heute gar nicht meckern“, sagte er.

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