Spedition Hoeper setzt auf Spezialisierung statt auf Massenmarkt – und fährt gut damit

mlzFamilienunternehmen

Mit Spezialtransporten hat sich die Oedinger Spedition Hoeper deutschlandweit einen Namen gemacht. 19 Lkw und 38 Mitarbeiter transportieren empfindliche Fracht quer durch Europa.

Südlohn

, 29.01.2019, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Aktuell sind 19 Lkw für Hoeper unterwegs. 2018 kamen zwei neue dazu. Für 2019 sind zwei weitere 40-Tonner schon bestellt. Die Spedition wächst kontinuierlich. Auch personell: 38 Mitarbeiter sind es inzwischen. Und es sollen noch mehr werden. Schlüssel zu mehr Wachstum sind die Fahrer: „Wir haben keine Not, Lkw stehen lassen zu müssen, weil wir sie nicht besetzt bekommen“, erklärt Geschäftsführer Mark Paehler. Dennoch müsse sich auch ein inhabergeführtes Familienunternehmen wie die Spedition Hoeper um neue Mitarbeiter bemühen. „Wir setzen zum Beispiel auf moderne Fahrzeuge und topausgestattete Fahrerkabinen“, erklärt er. Schließlich sei das der Arbeitsplatz der Fahrer. Dort verbringen sie in der Regel die komplette Woche. Da gehe es nicht um Luxus, sondern einfach nur um einen angenehmen Arbeitsplatz. Zusätzliche Anreize – beispielsweise Sozialleistungen oder ein attraktives Gehalt – sollen neue Mitarbeiter in die Spedition locken. Und das funktioniert offenbar. „Unter den Fahrern haben wir einen sehr guten Ruf“, erklärt Geschäftsführer und Inhaber Michael Hoeper.

Der Anfang war ein einzelner VW Bulli

Eine Flotte von 19 Sattelschleppern? Als Michael Hoepers Vater Richard in den 1960er-Jahren die Spedition in Oeding gründete, war davon noch nicht viel zu sehen. Der Fuhrpark bestand damals aus einem einzelnen VW Bulli. „Mein Vater war bahnamtlicher Rollfuhrunternehmer“, erinnert sich Michael Hoeper. Hauptgeschäft waren der Verkauf von Öl und Kohle. Doch daran erinnern nur noch alte Bilder. 1991 kam Michael Hoeper (48) in den Betrieb. Seitdem wurde die kleine Spedition kontinuierlich erweitert. Heute setzt das Unternehmen auf Spezialisierung.

Spedition Hoeper setzt auf Spezialisierung statt auf Massenmarkt – und fährt gut damit

Michael Hoeper (r.) und Julius Pototzki von GTM Gitterroste und Treppen arbeiten in Oeding zusammen. Am Woorteweg nehmen sie gerade gemeinsam eine neue Halle in Betrieb. © Stephan Teine

Und auf lokale Zusammenarbeit: Für das Unternehmen GTM Gitterroste und Treppen in der Nachbarschaft hat die Spedition Hoeper gerade eine eigene Logistikhalle am Woorteweg fertiggestellt. „Eine langfristige Zusammenarbeit“, sagt Michael Hoeper beim Blick auf die Baustelle. Gerade werden noch die Pflasterarbeiten beendet. Zwei weitere Lagerhallen gehören zum Unternehmen. Die sind noch nicht komplett ausgelastet. In Zukunft könnten so auch mehr Dienstleistungen als der reine Transport zum Aufgabenspektrum gehören: „Lagerhaltung und Kommissionierung zum Beispiel“, erklärt Mark Paehler. Sie setzen nicht auf Masse, sondern auf besondere Leistungen. Auf exakte Zeitfenster und Dienstleistung für ihre Kunden.

Thermotransporte für mehr als nur Lebensmittel

Hauptstandbein für die Spedition sind Thermotransporte. In erster Linie Lebensmittel oder Pflanzen. Dafür ist die Spedition sogar zertifiziert: IFS – international featured standards. Aber es geht auch um technische Transporte: „Wir haben schon Teile für Satelliten von Bremen nach Italien gebracht“, erzählt Michael Hoeper – und Stolz klingt in seiner Stimme mit. Die wurden von Italien weiter zum russischen Weltraumbahnhof Baikonur transportiert und ins All geschossen. Die empfindliche Technik musste klimatisiert und von der Außenluft abgeschottet über die Autobahn gefahren werden. Auch Prototypen aus der Autoindustrie oder lange Textileinlagen für Abwasserrohre – sogenannte Liner – finden sich regelmäßig auf der Ladeliste von Hoeper. Auch die müssen in einem stabilen Klima transportiert worden. Gerade die Liner stellen die Spedition noch vor ein besonderes Problem: Sie sind lang und empfindlich.

Spezielle Auflieger für spezielle Fracht

Dafür sind die meisten Auflieger des Oedinger Unternehmens mit besonderen Ladeklappen ausgestattet: Die komplette Seite kann entweder zusammengefaltet oder nach oben geklappt werden. So können lange Güter von der Seite des Anhängers beladen werden. Spezialanfertigungen für spezielle Ladungen. Über diese Spezialisierung hat sich die Spedition Hoeper ihre Nische gesucht. „Ein sehr kleiner Markt, aber unsere Kunden finden uns“, erklärt Michael Hoeper. Die meisten Transporte – Mark Paehler spricht von rund 95 Prozent – bleiben national. „Wir bieten zwar ganz Europa an, aber gegen den Kostendruck von osteuropäischen Speditionen und Fahrern kommen wir nicht an“, erklärt er.

Blickt er in die Zukunft, macht sich Michael Hoeper trotzdem keine großen Sorgen. „In den kommenden zehn Jahren wird sich gar nicht so viel bei den Speditionen verändern“, sagt er zuversichtlich. Es werde weiter auf Fachkräfte am Lenkrad ankommen. „Das autonome Fahren ist noch lange nicht soweit, dass wirklich Lastwagen ohne Fahrer unterwegs sind“, glaubt er. Bei allen Vorstößen, die aktuell im Gespräch sind, müssten immer noch die Fahrer am Lenkrad sitzen. Sie müssen reagieren können, wenn die Fahrassistenzsysteme versagen. Deswegen sind in seinen Augen auch automatische Lkw-Kolonnen, bei denen mehrere Lkw hintereinander herfahren und nur der erste Lkw von einem Menschen gelenkt wird, keine Option. „In ein paar Jahren kommt das vielleicht beim Betriebsverkehr auf einem Firmengelände, aber auf keinen Fall auf der Strecke“, sagt er. So lange zählt vor allem eins für Michael Hoeper: „Menschliches Know-how.“

Lkw werden nicht automatisch fahren

Er geht davon aus, dass die Entwicklungen kleinteiliger sind: „Mehr Sicherheitstechnik, ökologischere und ökonomischere Maschinen“, fasst er zusammen. Digitalisierung bleibt aber auch im Frachtverkehr das große Thema. „Wir setzen darauf, dass wir in ein paar Jahren auf Papier verzichten können“, erklärt Michael Hoeper. Die Dokumentation und Abfertigung von Anlieferung oder Be- und Entladung wäre so ein Thema. Digitalisierung betrifft aber auch die Fahrer: Über GPS-Ortung wissen die Disponenten immer genau, wo ein Lkw steht. Führt das zu ständiger Kontrolle? „Das kommt bei den Fahrern so nicht an“, sagt Mark Paehler. „Wir können so aber unseren Kunden exakt sagen, wann ein Wagen ankommt“, erklärt er. Das ist wichtig, denn die Zeitfenster an großen Lagern sind extrem eng geworden: „Wir müssen auf den Punkt pünktlich sein“, erklärt Mark Paehler.

Lesen Sie jetzt