Speditionen haben wegen der Corona-Krise besonders viel zu tun und schützen ihre Fahrer

mlzHeimliche Helden

Homeoffice ist für Berufskraftfahrer keine Option. Um Nachschub für die Supermärkte zu liefern, sind sie auch in der Coronakrise ständig unterwegs. Und schützen sich so gut es geht.

Südlohn

, 24.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Platz vor der Spedition Hoeper ist leer. Ein paar hundert Meter weiter bei Westrans sieht es genauso aus. Nur vereinzelt stehen dort am Dienstagmittag Lastwagen. Doch wie gehen Speditionen, wie gehen Fernfahrer aktuell mit der Krise rund um das Coronavirus um?

Telefon und Lastwagen stehen im Moment kaum still

Im Büro bei Geschäftsführer Michael Hoeper steht das Telefon kaum einen Moment still. „Wir sind zu 100 Prozent ausgelastet“, sagt er. 27 Fahrzeuge sind für das Unternehmen auf der Straße unterwegs, 48 Mitarbeiter beschäftigt die Spedition. Bis zu 20 Ladungen pro Tag müsse er aber dennoch gerade auslagern. „An Partner oder befreundete Speditionen“, erklärt er. Sein Unternehmen hat sich auf den Transport von Lebensmitteln spezialisiert. Und das, was der Verbraucher im Moment im Supermarkt erlebt, gibt es ein paar Maßstäbe größer genauso an den Zentrallagern der großen Supermarktketten.

„Mehl, Kaffee, Konserven, der Bedarf ist enorm gestiegen“, sagt Michael Hoeper. Inzwischen würden sogar die Lagerkapazitäten in den Zentrallagern knapp: „Dort wird gerade so viel Ware bestellt, dass manche Laderampe gar nicht mehr angefahren werden kann, weil dort Paletten mit Lebensmitteln zwischengelagert werden“, berichtet er.

Wartezeiten an den großen Zentrallagern

Dadurch komme es natürlich für die Fahrer zu längeren Wartezeiten. Ansonsten laufe der Verkehr aber viel flüssiger als gewöhnlich. „Kein Wunder, die Straßen sind ja frei“, sagt er. Auch die Parkplatzsituation an den Fernstraßen habe sich entspannt. Viele Fahrer aus Osteuropa seien eben nach Hause gefahren.

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Für die eigenen Fahrer hat er schon vor vier Wochen damit begonnen, Schutzmaßnahmen einzurichten: Beispielsweise, indem überall im Unternehmen und auf den Fahrzeugen Spender mit Desinfektionsmitteln verteilt wurden. „Selbst an unserer Tankstelle“, sagt er. Auch der Zutritt zu den Büros am Woorteweg werde strenger kontrolliert als vor dem Ausbruch des Coronavirus. Ihren Kaffee können sich die Fahrer so aktuell im Vorraum abholen.

Fahrer gehen sehr sensibel mit der Gefahr durch das Virus um

„Unsere Fahrer sind da von sich aus sehr sensibel“, erklärt Michael Hoeper. Im Alltag der Berufskraftfahrer komme es hier und da aber eben doch zu Situationen, wo es schwierig wird, auf Abstand zu gehen. Etwa an den Zentrallagern oder auf Rasthöfen. Zwar seien die an den Autobahnen zumindest in den Kernzeiten geöffnet, sanitäre Anlagen würden teilweise auch kostenlos freigegeben. „Aber die Versorgungslage ist ganz klar unterwegs eingeschränkt“, erklärt er.

Auch die Lastwagen von Westrans – hier auf einem Archivbild – stehen im Moment kaum still. Die Auftragsbücher sind trotz oder gerade wegen der Coronakrise prall gefüllt.

Auch die Lastwagen von Westrans – hier auf einem Archivbild – stehen im Moment kaum still. Die Auftragsbücher sind trotz oder gerade wegen der Coronakrise prall gefüllt. © Westrans

Dennoch sei im Moment wichtiger, dass der Warenverkehr reibungslos läuft. „Unser Personal zieht da zu 100 Prozent mit“, erklärt er. Fahrten ins Ausland würden die Fahrer inzwischen auf freiwilliger Basis absolvieren. „Da zwingen wir niemanden zu“, so Michael Hoeper weiter. Auch zusätzliche Arbeit am Sonntag – das Sonntagsfahrverbot wurde auch für Hygieneartikel und haltbare Lebensmittel aufgehoben – würden die Fahrer im Moment klaglos hinnehmen: „Da ist echter Verlass auf die Kollegen am Steuer“, lobt Michael Hoeper.

Lenk- und Ruhezeiten werden weiterhin eingehalten

Eine Entwicklung sieht er aber kritisch: Die Lenk- und Ruhezeiten wurden aufgeweicht. Fahrer dürfen länger als bisher hinter dem Steuer sitzen. „Das war immer eine heilige Kuh“, erklärt er. So wichtige Bestimmungen so schnell zu ändern, mag er nicht ganz nachvollziehen. „Da muss man sich schon fragen, warum das so schnell gekippt wurde“, sagt er.

Insgesamt könne man die Berufskraftfahrer aktuell aber nur loben. Wie auch Pflegepersonal oder die Kassierer in den Supermärkten seien die Helden der aktuellen Krise.

Westrans fährt nur noch nationale Routen

Das sieht auch Hendrik Kemper so. Er ist Leiter der Unternehmenskommunikation bei Westtrans. Den Respekt für die Fahrer könne man im Moment gar nicht laut genug äußern. „Das ist enorm wichtig“, erklärt er. Schließlich seien gerade die Berufskraftfahrer ein systemrelevanter Beruf. Im Alltag sowieso schon, umso mehr jetzt in Zeiten des Coronavirus.

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Gerade täten Einschränkungen an etlichen Raststätten, an sanitären Anlagen oder in Restaurants für die Fernfahrer besonders weh. Zwar seien die Fahrer bei Westrans in der Regel aktuell nur auf Tagestouren unterwegs – also abends wieder zuhause – dennoch: „Das stößt einfach sauer auf“, sagt Hendrik Kemper.

Bewital-Gruppe gründet eigenen Krisenstab

So gut es geht, steuere die gesamte Bewital-Gruppe gerade gegen die Folgen des Virus an. Dazu zählt auch Westrans. „Vor vier Wochen haben wir einen Krisenstab gegründet“, erklärt Hendrik Kemper. Der stimme alle Maßnahmen im Unternehmen ab und koordiniere die Informationen von Bundes- und und Landesregierung sowie dem Robert-Koch-Institut. „In einer zweiten Phase haben wir alle betrieblichen Kontakte so weit es geht eingestellt“, erklärt er.

Die Verwaltung sei auf Notbetrieb heruntergefahren worden, viele Kollegen arbeiten im Homeoffice. Touren für die 98 Fahrer auf 80 Lkw würden weitgehend digital übermittelt. Natürlich seien alle Fahrzeuge mit Desinfektionsmitteln ausgerüstet. Gleichzeitig beschränkt sich Westrans aktuell nur auf den nationalen Verkehr. „Risikogebiete steuern wir im Moment nicht mehr an“, sagt er.

Gleichzeitig würde die Schulung und Information der Mitarbeiter immer weiter ausgeweitet. „Wir hatten die Sorge, dass sich viele Fahrer aus Angst vor dem Virus krank melden würden“, sagt Hendrik Kemper. Bisher gebe es aber keinen besonders hohen Krankenstand. „Wir glauben, dass das auch an unserer Aufklärungsarbeit liegt“, sagt er.

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