Stadtlohner schlägt Kollegen nieder und tritt auf ihn ein – mit Stahlkappenschuhen

mlzStrafprozess

Weil er einen Kollegen zu Boden geschlagen und getreten hat, ist ein 36 Jahre alter Stadtlohner zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Der Schläger hat aber Gelegenheit, sich zu bewähren.

Südlohn

, 28.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Völlig ausgerastet ist ein Schweißer aus Stadtlohn in einem Betrieb in Südlohn: Nachdem ihn ein Kollege kritisiert hatte, brannten bei dem 36-Jährigen alle Sicherungen durch. Er schlug seinen 37-jährigen Kollegen zu Boden und trat mehrmals mit seinem Stahlkappenschuh auf sein Opfer ein. Dann, so sagt das Opfer, habe der Angreifer versucht, mit einem Eisenrohr auf ihn einzuschlagen. Daran hätten ihn aber andere Kollegen gehindert.

Opfer erleidetet Gehirnerschütterung und Prellungen

Der Vorfall hatte sich am bereits im Dezember 2018 ereignet. Am Montag musste sich der 36-jährige Familienvater wegen schwerer Körperverletzung vor dem Amtsgericht in Borken verantworten. Der Krankenhausarzt hatte eine Kopf- und Kieferprellung, eine Gehirnerschütterung und Prellungen am Oberschenkel diagnostiziert. „Ich hatte eine Woche lang Tinnitus und konnte nicht laufen“, berichtete das Opfer vor Gericht. Zweieinhalb Wochen war der 37-Jährige krankgeschrieben.

„Ich habe Scheiße gebaut“

Der Richter verurteilte den 36-Jährigen zu einer achtmonatigen Haftstrafe, die er für drei Jahre zu Bewährung aussetzte. Der Staatsanwalt hatte zehn Monate gefordert, der Verteidiger sechs Monate für ausreichend erachtet. Dem Angeklagten wurde zugute gehalten, dass er seine Tat vor Gericht unumwunden eingeräumt und bereut hatte. „Ich weiß Bescheid. Ich habe Scheiße gebaut“, sagte der 36-Jährige am Montag.

Seine Version des Geschehens unterschied sich kaum von der Darstellung des Angeklagten: „Wir sind eigentlich gute Kollegen, haben in der Pause immer zusammen Kaffee getrunken. Wir hatten vorher auch keinen Streit.“ Am 14. Dezember aber war alles anders: Der 37-Jährige hatte seinen 36-jährigen Kollegen wegen ungenauer Schweißarbeiten kritisiert und ihn aufgefordert, seine Fehler zu korrigieren. Als der 36-Jährige sich weigerte, meldete der 37-Jährige den Vorfall beim Werkstattmeister.

Richter: Auch Beleidigungen sind keine Rechtfertigung für Gewalt

Das erzürnte den 36-Jährigen so, dass die beiden Kollegen in einen lautstarken Streit gerieten. Dann schlug und trat der 36-Jährige zu. Vor Gericht behauptete der Angeklagte, der 37-Jährige habe ihn noch mit einer schlimmen Beschimpfung provoziert. Der 37-jährige bestritt das. „Das spielt eigentlich auch keine Rolle“, sagte der Richter. Selbst durch Provokationen dürfe man sich nicht zu einer Gewalttat hinreißen lassen. Tritte mit Stahlkappenschuhen auf einen am Boden liegenden Menschen seien in jedem Fall als schwere Körperverletzung zu werten.

„Ich kann eigentlich immer noch nicht richtig nachvollziehen, wie Ihnen die Sicherungen so durchbrennen konnten“, sagte der Richter zum Angeklagten.

Eine mögliche Erklärung bot der Verteidiger an: „Das jüngste Kind meines Mandanten ist einige Tage zuvor operiert werden. Dadurch hat er sich in einer Ausnahmesituation befunden. Das kann aber natürlich keine Rechtfertigung der Tat sein.“

Fristlose Kündigung noch am Tattag

Der Angeklagte hatte sich schon vor dem Prozess bei seinem Opfer entschuldigt. Noch am Tag seines Ausrasters hatte er zudem fristlos seinen Arbeitsplatz verloren. Seiner früheren Firma hat er auch schon 2300 Euro überwiesen, um damit den verletzungsbedingten Ausfall seines Opfers auszugleichen. Im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs muss der Angeklagte seinem Opfer 600 Euro zahlen.

Bei Rückfall steht Eigenheim auf der Kippe

Die Summe wäre höher gewesen, wenn der 36-Jährige nicht so knapp bei Kasse gewesen wäre. Große Teile seines Verdienstes – er hat inzwischen einen neuen Job in einer anderen Firma – fließen in die Bedienung eines Kredits für sein Eigenheim. Der Richter mahnte ihn daher eindringlich, seine Bewährungsauflagen peinlich genau einzuhalten. „Andernfalls müssen Sie die Haftstrafe wirklich antreten. Und dann würde Sie das Haus wohl kaum halten können. Die Zukunft Ihrer ganzen Familie hängt daran.“

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