Stammzellenspende in der Vor-Weihnachtszeit

Genetischem Zwilling geholfen

Fünf Tage Gliederschmerzen hatte Sandra Doods hinter sich, als sie vor ein paar Tagen an einen Zellseparator angeschlossen war. Vier Stunden lang wurde der Südlohnerin Blut entnommen, gefiltert und wieder ihrem Blutkreislauf zugeführt. Ihre Gliederschmerzen wurden damit nicht behandelt, die waren bereits weg.

SÜDLOHN

, 05.12.2014, 14:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was sie über sich ergehen ließ, verhilft einem 71-jährigen Amerikaner möglicherweise zu einem längeren Leben. Der Mann bekam in diesem Jahr die Diagnose Leukämie. Stammzellen- und Knochenmarkspenden sind die einzigen Möglichkeiten, Blutkrebs zu behandeln.

Dass die Südlohnerin als Spenderin für den Amerikaner infrage kam, war Glück. Vor zwölf Jahren hatte sie sich bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) typisieren lassen. Seitdem waren ihre Gewebemerkmale dort registriert. Die behandelnden Ärzte des 71-Jährigen haben sich auf der Suche nach einem Stammzellenspender an die DKMS gewandt und dort stellte sich heraus, dass Sandra Doods als eventuelle Spenderin infrage kam.

Diese Information erhielt die Südlohnerin während eines Urlaubs per E-Mail. Danach hat sie sich sofort mit der DKMS in Verbindung gesetzt und nach weiteren Tests stand fest: Sie war die bestmögliche Spenderin. "Der Empfänger meiner Stammzellen ist mein genetischer Zwilling", sagt Doods. Das war zu dem Zeitpunkt als sie sich fürs Spenden entschied, das einzige, was sie über ihn wusste. Erst sechs Wochen nach einer erfolgreichen Transplantation kann der Kontakt zwischen Spender und Empfänger anonymisiert über die DKMS hergestellt werden.

Ohne Operation

Wer die Spende erhält, war für sie aber nicht entscheidend. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Blutkrebspatient überhaupt einen passenden Knochenmark- oder Stammzellenspender findet, ist gering. "Jeder fünfte Patient findet keinen Spender", so die DKMS. "Dadurch sterben zu viele", sagt die Lebensretterin und bedauert, dass nur wenig Menschen typisiert sind und damit überhaupt als Spender infrage kommen.

Dass sie für die Spende Strapazen auf sich nehmen musste, war ein Preis, den sie gern gezahlt hat, um eventuell ein Leben retten zu können. Im Vorfeld der Spende waren Voruntersuchungen notwendig und Sandra Doods musste sich fünf Tage lang Spritzen verabreichen, um die Anzahl der Stammzellen in ihrem Blut zu erhöhen. Durch das Medikament, das sie sich gespritzt hat, traten Gliederschmerzen auf.

Der eigentliche Eingriff sei dagegen kurz und schmerzfrei gewesen. Der Amerikaner benötigte Stammzellen und die periphere Stammzellenspende hatte sich für ihn als geeignetste Methode herausgestellt. In 80 Prozent der Fälle wird diese Methode angewandt und ohne Operation und Narkose durchgeführt.

Sandra Doods fuhr dafür mit ihrem Mann nach Köln. Deutschlandweit ist die Spende bei der DKMS nur in Köln und Dresden möglich. Dort wurden ihr an beiden Armen Zugänge gelegt, über die sie an den Zellseparator angeschlossen war. Von der Vene lief ihr Blut dort hinein und gefiltert wieder zurück. Viel Flüssigkeit wurde ihr dabei nicht entnommen. "Das waren nur 450 Milliliter", sagt sie. 400 Millionen Stammzellen waren in dieser Menge enthalten, plus Blutplasma und Nährstoffe für die Stammzellen. "Mein Blutkreislauf wurde transplantiert", so Doods.

Weihnachtsgeschenk

Ob ihr Blutkreislauf dem Mann das Leben gerettet hat, weiß sie nicht. Zumindest erfuhr sie nach der Spende, dass der Empfänger ein 71-Jähriger Amerikaner war.

"Jeder stellt sich vor, dass er vielleicht einem kleinen Kind oder Jugendlichen Stammzellen spendet", sagt sie. Aber wenn sie diesem Mann noch ein paar Jahre schenken konnte, sei das auch schön. "Für ihn wäre das das tollste Weihnachtsgeschenk", stellt sich die Spenderin vor und damit rücken die Schmerzen, die sie kurzzeitig hatte, in den Hintergrund.

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