In vielen Gärten wurde an Heiligabend gleichzeitig gesungen und musiziert. Die Aktion der Südlohner Musikkapelle zusammen mit Radio WMW sollte ein bisschen die Weihnachtskonzerte ersetzen. © privat
Weihnachtsständchen im Münsterland

Stille in den Kirchen, aber das Münsterland singt und musiziert

Die Musikkapelle Südlohn und Radio WMW haben an Heiligabend mit vielen Teilnehmern ein Konzert angestimmt, das nicht nur in Südlohn, sondern im ganzen Kreis und darüber hinaus zu hören war.

Das Münsterland spielt sein eigenes Weihnachtsständchen – jeder für sich in seinem Garten und doch gemeinsam mit allen zusammen. Aufgerufen dazu hat Manfred Wanning von der Musikkapelle. Das Radio WMW gab den Einsatz und jeder konnte mitmachen mit Instrument oder Stimme und das Land mit „O du fröhliche“, „Es ist ein Ros entsprungen“, und „Stille Nacht, heilige Nacht“ zum klingen bringen.

Idee wurde zusammen mit dem Lokalradio WMW umgesetzt

Manfred Wanning von der Musikkapelle Südlohn hat den Stein ins Rollen gebracht. „Wir hatten uns als Vorstand zusammengesetzt, und überlegt, was wir machen können. Wir hatten so viel geplant für dieses Jahr, so viele Konzerte, die nicht statt finden konnten.“ bedauerte Wanning.

Familie Brinkmann mit Glühwein beim Ständchen im eigenen Garten.
Familie Brinkmann mit Glühwein beim Ständchen im eigenen Garten. © Sarholz © Sarholz

„Selbst die traditionellen Weihnachtsständchen der Musikvereine fielen wegen Corona aus.“ Aber so still sollte dieses Jahr nicht enden, deshalb seien sie verschiedene Ideen durchgegangen. Eine Idee war Beispielsweise, mit einem Anhänger durchs Dorf zu fahren und mit wenigen Musikern an verschiedenen Stellen kleine Ständchen zu geben, aber auch diese wurde verworfen – zu unsicher.

Ganz viele Fotos und Videos!


Viele Teilnehmer der Aktion haben Fotos und Videos auf der Facebookseite von Radio WMW veröffentlicht. Hier geht es zu diesen Beiträgen.

„Christoph Wilmers brachte die Idee vom Spielen auf der Terrasse nochmal auf den Tisch, wie es im Frühjahr gemacht wurde.“ Aus Sicht der Musiker sei die Durchführung aber nicht perfekt gewesen, so Wanning. Als Musiker einer Kapelle oder eines Orchesters sei es wichtig, aufeinander zu hören und gemeinsam mit dem selben Ton, im selben Takt zu beginnen, damit ein großer Gesamtklang entstehe.

Auch Manfred Wanning von der Südlohner Musikkapelle (rechts) stand im Garten und musizierte mit. © privat © privat

Aber wie bringt man Musiker zusammen, die alle in ihren eigenen Gärten sitzen? Wie kann man die Bevölkerung einbeziehen? „Wir brauchten einen Dirigenten, ein gemeinsames Signal und da fiel uns das Radio ein. Ich rief Radio WMW an, erklärte in einer mail nochmal die Idee, dann kam die Frage in der „geschenkten Minute“ und ab da ging es ganz schnell.“

Liedtexte und Noten für fast jedes Instrument

Bianca Hövel hatte die Noten der drei Weihnachtslieder für verschiedene Instrumente transponiert, auch die Spielmannszüge haben sich beteiligt, so dass Liedtexte und Noten für nahezu jedes Instrument über die Webseite des WMW zum herunterladen bereit stand.Durch einen Juristen beraten seien sie nicht nur coronabedingt, sondern auch rechtlich auf der sicheren Seite bei der Frage, ob man 200 Jahre alte Lieder veröffentlichen dürfe.

Stand kein Instrument zur Verfügung, wurden die Weihnachtslieder mitgesungen. Hier im Bild Familie Kippert aus Südlohn. © Katrin Sarhholz © Katrin Sarhholz

So schlug die Idee an Heiligabend ab 19.30 Uhr große Wellen. Zu Spitzenzeiten gab es 50-100 Aufrufe pro Minute auf der Internetseite des Radiosenders. Sogar der aus Ottenstein stammende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn begrüßte die Aktion als „großes Zeichen des Zusammenhalts“.

Und dann war es soweit. Phillip Brinkmann zum Beispiel hatte extra ein Feuer für seine Familie im Garten angezündet. „Wir hatten im Radio von der schönen Aktion gehört – vielleicht wird es ja auch Tradition und ab jetzt jedes Jahr gemacht?“

Nicht nur in Südlohn und Oeding erklangen Instrumente und Gesänge am Heiligabend aus den privaten Gärten. © privat © privat

Auch Ulla Kippert hatte sofort beschlossen „da machen wir mit!“ und freute sich mit ihrer Familie an den verschiedenen Klängen aus der Nachbarschaft. Aber auch Menschen, die einfach nur zuhörten, waren dabei – standen am Fenster oder im Garten und lauschten.

Auch die Familie unserer Autorin Katrin Sarholz beteiligte sich an dem Weihnachtsständchen. © Kartin Sarholz © Kartin Sarholz

Auch wenn es in den Kirchen still war – „Stille Nacht, heilige Nacht“ erklang trotzdem und erreichte so vielleicht noch viel mehr Menschen. Die Aktion am Heiligen Abend war ein großer Erfolg! Manfred Wanning hofft allerdings, dass er und seine Musiker nächstes Jahr wieder im Dorf spielen können.

In vielen Gärten erklangen am Heiligabend Musikinstrumente. © privat © privat
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