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Südlohner Briefmarkensammler verschenkt seine Sammlung für behinderte Kinder

mlzBriefmarken für Bethel

30 Jahre waren Briefmarken seine große Leidenschaft, jetzt hat der Südlohner Theo Wilmers endgültig mit dem Sammeln abgeschlossen. Die Marken hat er für einen guten Zweck verschenkt.

Südlohn

, 11.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Theo Wilmers (71) sitzt entspannt am Wohnzimmertisch von Hans Stelzig (82). Gemeinsam blättern sie durch die Jahrzehnte alte Briefmarkensammlung. Clara Schuhmann, Papst Johannes Paul II. und unzählige Staatschefs lächeln ihnen entgegen. „Ich war nie ein Sammler, aber es fasziniert mich trotzdem“, sagt der Stadtlohner Hans Stelzig. Dass der Südlohner Theo Wilmers ausgerechnet ihm seine Hunderten Marken vermacht hat, ist einem Zufall zu verdanken.

Theo Wilmers erging es wie vielen seiner Generation. 30 Jahre sammelte er mit großer Leidenschaft Briefmarken. Er tauschte Doppelte mit Bekannten, bestellte aus Katalogen und später aus dem Internet oder entfernte sie mit präziser Detailarbeit von Briefumschlägen. Doch mit der Zeit ließ die Hingabe nach. Vor fünf Jahren ist der Punkt erreicht, an dem er sein Hobby endgültig aufgibt.

Werte von Briefmarkensammlungen gehen in den Keller

Es ist nicht die Altersmüdigkeit, die ihn aufhören lässt. „Wir haben gesammelt, um Werte zu erzielen. Das ist heute leider komplett vorbei“, erklärt der Südlohner. Um die Jahrtausendwende habe seine Sammlung noch einen geschätzten Wert von 500 bis 600 Euro gehabt. Heute ist sie nicht mehr als 100 Euro Wert. Für ein Lebenswerk ein Witz. Das hat vor allem zwei Gründe.

Problem eins: Die große Sammelleidenschaft einer ganzen Generation hat dazu geführt, dass die deutschen Nachkriegsmarken in großer Stückzahl produziert wurden. Doch nur wirklich seltene Exemplare in bester Qualität erzielen die Mondpreise, die in Romanen und Filmen gerne aufgegriffen werden. Von der ominösen Blauen Mauritius gibt es weltweit noch zwölf Exemplare. Problem zwei: Durch die Währungsreform wurden mit dem Stichtag 30. Juni 2002 alle Pfenning-Marken entwertet.

Die Suche nach einem Abnehmer gestaltet sich schwierig

Als Theo Wilmers Mutter – ebenfalls Briefmarkensammlerin – 2017 verstarb, entdeckte er in einer Schublade seine alten Sammelbände wieder. Der letzte Versuch, seine Kinder für das Hobby zu begeistern, blieb erfolglos. „Bei den Jüngeren ist einfach kein Interesse mehr für solche Dinge vorhanden“, sagt Theo Wilmers ohne zu klagen. „Wer schreibt denn heute noch Briefe?“

Weil auch der Verkauf zu einem Spottpreis nicht in Frage kam, suchte er nach Alternativen – und entdeckte die passende in der Zeitung. „Ich habe das Foto von Hans Stelzig gesehen, wo er Wäschekörbe voller Briefmarken auf den Weg zur Stiftung Bethel schickt“, erklärt Theo Wilmers. Ein Telefonat zwischen den beiden Männern reichte. Persönlich brachte der Südlohner seine Sammlung nach Stadtlohn. Jetzt warten sie nur noch auf den Versand nach Bethel.

Südlohner Briefmarkensammler verschenkt seine Sammlung für behinderte Kinder

Gerhard Oberhauser ist einer von 125 Menschen mit Behinderung, die bei der Stiftung Bethel Briefmarken sortieren und aufbereiten. © v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel

Stiftung Bethel bereitet Millionen von Briefmarken auf

Die Stiftung Bethel nimmt bereits seit Jahrzehnten Briefmarken entgegen; sammelt und verkauft sie. 125 Menschen mit Behinderung finden durch die Aktion „Briefmarken für Bethel“ eine sinnvolle Tätigkeit, die ihnen ein sicheres Einkommen garantiert. Stolze 128 Millionen Briefmarken sind bisher zusammen gekommen.

„Ich freue mich, dass meine Sammlung nun einem guten Zweck dient“, sagt Theo Wilmers. Von Wehmut keine Spur. Eher Erleichterung, dass sich nach langer Suche doch noch jemand gefunden hat.

Verkauft hat Wilmers in seinem Sammlerleben übrigens nur eine Sache. Einen Umschlag, den seine Tochter beruflich bedingt aus Russland erhielt. Gut 20 russische Briefmarken klebten darauf. „Einem Ebay-User aus Bayern war er 50 Euro Wert“, sagt der Südlohner und lacht.

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