Südlohner Frauen erzählen köstliche Geschichten vom Leben an der Grenze

mlzErzähl-Ma(h)l des Heimatvereins

Geschichten wie aus einer anderen Zeit hat der Heimatverein Oeding beim Erzähl-Ma(h)l wach gehalten. Sie handelten vom Kaffeschmuggel und nächtlichen Grenzübertritten.

Südlohn

, 20.05.2019, 12:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Elly Benning erinnert sich: „Es war schon spannend früher: Anfang der 60er Jahre war nachts um Punkt 24 Uhr die Grenze geschlossen.“ Und wenn sie und ihre Freundinnen zu spät an ihre Rückfahrt aus Winterswijk gedacht hatten, dann wurde es schon mal aufregend. „Dann sind wir hinten bei Lefting mit dem Fahrrad durch den Graben“, verrät sie schmunzelnd, „Mit Schiss inne Bux!“ Wenn sie mit dem Auto unterwegs gewesen waren, musste auch schon mal ein Umweg über den Grenzübergang Glanerbrug herhalten. Der war auch nach der Oedinger Sperrstunde geöffnet.

Solche Geschichten und Begebenheiten waren an diesem Freitagabend im Bürgerhaus zu hören. Der Heimatverein hatte zur Premiere von „Erzähl-Ma(h)l“ eingeladen. Fast 20 Frauen aus Oeding und Kotten trafen sich dort zu Vertällkes und Leckerem aus dem Suppentopf.

Kaffeeschmuggel in der Trainingshose

Marion Wienand und Barbara Seidensticker-Beining vom Heimatverein hatten für diesen Abend gekocht: Einmal kräftige deutsche Rindfleischbrühe und eine holländische Mostertsuppe. Beide Kreationen kamen ausgesprochen gut an, wie von den anwesenden Damen bestätigt wurde.

Geschichten um den „kleinen Grenzverkehr“ sollten im Mittelpunkt dieses Abends stehen, so Barbara Seidensticker-Beining in ihrer Begrüßung: „Wir haben hier nun mal diese besondere Situation: Eine Grenze, die nicht trennt, sondern verbindet – wie ein Scharnier.“ Und so solle es in Europa auch funktionieren.

Südlohner Frauen erzählen köstliche Geschichten vom Leben an der Grenze

Gemeinsam Essen und der Austausch von Erinnerungen an die Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden: Beim Erzähl-Ma(h)l des Heimatvereins Oeding schwelgten rund 20 Frauen in Erinnerungen. © Georg Beining

Kurioses und Lustiges hatte die gemeinsame Grenzvergangenheit reichlich zu bieten. Besonders der Kaffeeschmuggel hatte die Kreativität der Einheimischen beflügelt. So berichtet Marion Wienand lachend: „Wir sind ohne Busen nach Kotten, dann mit Busen wieder zurück.“ Oder der Trick mit den baumwollenen Trainingshosen. Eine Oedingerin erinnert sich: „Diese Pluderdinger hatten unten als Abschluss einen Gummizug und waren dadurch exzellent für das Befüllen mit Kaffeebohnen geeignet.“

Der Zollbeamte im Haus

Von Vorteil war auch, wie Maria Klein-Menting erzählt, wenn man einen Zollbeamten im Haus wohnen hatte: „Wenn der Dienst hatte, war es ungefährlich für uns. Aber ich hab ja sowieso nie geschmuggelt.“ Sie habe die Sachen immer nur weiter gegeben, sagt sie.

Wer tanzen gehen wollte, musste ebenfalls über die Grenze. Sie sei früher immer „zu Johanna nach Winterswijk“ gefahren, erzählt Elly Benning. Andere Besucherinnen berichten vom „Lido-City-Centrum“ in Groenlo – unter mehrfachem zustimmendem Nicken an den Tischen in der guten Stube des Bürgerhauses. Erika Matschke fasste ihre Erinnerungen so zusammen: „Es war eine tolle Zeit, die ich nie missen möchte. Aber jetzt ist es einfach noch schöner.“

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