Südlohner muss erst mal auf Tupperdose verzichten

Nach Kunden-Beschwerde an Fleischtheke

„Einmal 100 Gramm Wurst in die Dose, bitte.“ Bisher wurde Franz-Josef Rickers dieser Wunsch an der Fleischtheke seines Supermarktes gerne erfüllt. Bis sich jetzt eine andere Kundin darüber beschwerte.

SÜDLOHN

, 12.12.2017, 17:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ob ein Kaffee für unterwegs oder Fleisch oder Aufschnitt für zuhause: Viel Verpackungsmaterial für Lebensmittel lässt sich mit wiederverwertbaren Behältnissen einsparen. Foto: dpa

Ob ein Kaffee für unterwegs oder Fleisch oder Aufschnitt für zuhause: Viel Verpackungsmaterial für Lebensmittel lässt sich mit wiederverwertbaren Behältnissen einsparen. Foto: dpa © picture alliance / dpa

Warum sie Anstoß an diesem Prozedere nimmt und das Anliegen von Franz-Josef Rickers nicht nach vollziehen kann, auf diese Weise erheblich Verpackungsmüll einzusparen, kann der Südlohner nicht verstehen. „Ich habe von der Beschwerde ja nur über die Marktleitung und den Metzgermeister erfahren, nicht von der Frau selbst“, erzählt der 61-Jährige. „Ich habe die Dose stets nach Gebrauch in der Spülmaschine gereinigt und sie im Markt selbst nur auf die Theke gestellt. Also außerhalb des empfindlichen Hygienebereiches. Da konnte eigentlich nichts passieren.“

Edeka-Marktleiterin Anja Beyer sieht sich dennoch in einer Zwickmühle: „Man möchte ja allen Kundenwünschen nachkommen. Ich kann den Einwand der Kundin ebenso verstehen wie das Ansinnen von Herrn Rickers, weniger Müll zu produzieren. Ich habe mich deshalb auf die Suche nach einem goldenen Mittelweg gemacht, um beide Seiten zufriedenzustellen.“

Hygienevorschriften



Bei ihrer Suche nach einer Lösung sei sie auf ein Verfahren in einem anderen Lebensmittelgeschäft gestoßen, das sie nun übernehmen will: „Dabei wird von uns ein Tablett auf die Theke gestellt, der Kunde legt seine mitgebrachte Dose darauf. Wir nehmen Tablett mit Dose, wiegen die Ware auf einer Folie ab, legen sie dann mit einer Gabel in das Behältnis und reichen Tablett samt Dose zurück über die Theke. Der Kunde kann sein Gefäß selbst verschließen und unsere Verkäuferinnen und Verkäufer kommen damit nicht in Berührung. So hoffe ich, haben wir beiden Seiten gedient.“

Die Hygienevorschriften, so Anja Beyer, ließen ihr mitunter nur wenig Spielraum: „Sie sind schon sehr eng gefasst. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen beispielsweise zunächst durch eine Hygieneschleuse, bevor sie den Thekenbereich überhaupt betreten dürfen.“ Sie wolle die neue Maßnahme zunächst einmal testen: „Es ist eigentlich eine gute Sache, Verpackungsmüll zu sparen. Im Sommer, bei Grillfleisch, ist das auch ein Thema. Viele nehmen zwei Teile von der einen, zwei Teile von der anderen Sorte. Und am Schluss kommen da einige Folien und Tüten zusammen. Die ließen sich mit einer immer wieder verwertbaren Plastikdose einsparen.“

Franz-Josef Rickers würde sich jedenfalls freuen, wenn er wieder wie bisher sein „Döschen“ mitbringen könnte: „Bei uns kommt so maximal ein halber gelber Sack alle 14 Tage zusammen. Manchmal reicht eine Abfuhr bei uns auch nur alle vier Wochen.“

Die Metzgerei Rüweling hat in ihrer Südlohner Filiale bisher noch keine negativen Kundenreaktion verzeichnet. Leiterin Carola Benning: „Einige Kunden kommen auch bei uns mit mitgebrachten Schalen. Aber es sind wenige. Wenn sie darum bitten, füllen wir da hinein ab. Die Dosen dürfen allerdings nur auf der Theke stehen, nicht dahinter. Bei Aufschnitt oder einem Braten ist das ja auch praktikabel, bei Gehacktem oder Gulasch wird’s allerdings schwierig.“

Eigener Kaffeebecher



Verpackungsmüll ist übrigens nicht nur an der Fleischtheke in der Diskussion. Gerade in Bäckereien, etwa beim Kaffee-to-go in Pappbechern, wird inzwischen auf Alternativen gesetzt. „Wir haben zwei feste Kunden, die stets ihre eigene Tasse mitbringen“, sagt Gerlinde van den Busch von der Bäckerei Späker in Oeding. „Es gibt auch Kunden, die sich ihre Brötchen in eine Butterbrotdose oder eine Leinentasche füllen lassen.“ Gleiches berichtet Julia Affeldt von der Südlohner Bäckerei Schlüter: „Ich gehe davon aus, das jeder sein Behältnis schon aus eigenem Empfinden heraus sauber mitbringt. Aufgefallen ist mir, dass selbst Schüler inzwischen auf Verpackungsvermeidung setzen und ihre Dose mitbringen.“

Früh übt sich halt auch bei der Müllvermeidung.

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