Heiß begehrt und in vielen Bundesländern in Indien kaum noch zu bekommen: Ein Mann umarmt eine Flasche mit Sauerstoff. © picture alliance/dpa/AP

Südlohner Pater Peter blickt mit gemischten Gefühlen nach Indien

Pater Raju Peter sieht und hört täglich, was Corona in seiner Heimat Indien anrichtet. Daher weiß der Seelsorger, dass die Situation nicht in allen 29 Bundesländern gleich dramatisch ist.

Immer wieder zeigen aktuelle Bilder, wie in Indien der Kampf gegen das offenbar hier besonders aggressive Virus aus dem Ruder läuft. Ärzte und Pfleger sind am Limit, freie Klinikbetten gibt es nicht. Lebensrettender Sauerstoff und wichtige Medikamente sind Mangelware. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft die indische Virus-Mutante als „besorgniserregend“ ein.

Für Pater Raju Peter ist das Handy als Kommunikationsmittel aktuelle noch wertvoller geworden.
Für Pater Raju Peter ist das Handy als Kommunikationsmittel aktuell noch wertvoller geworden. © Christiane Hildebrand-Stubbe © Christiane Hildebrand-Stubbe

Das alles kennt der Südlohner Seelsorger auch aus den deutschen Medien, fordert aber zu differenzierterer Betrachtung auf: „Man kann nicht vom Land Indien reden, es gibt hier 29 Bundesländer, in denen 1,3 Milliarden Menschen leben.“

Gesundheit ist Ländersache

Und das Gesundheitssystem liegt in der Verantwortung der Länder, die von Anfang an ganz unterschiedlich mit der Pandemie umgegangen sind. Raju Peter stammt aus Kerala, einem Bundesland im südlichen Indien. „Hier gab es im letzten Jahr den ersten Corona-Fall, vermutlich ausgelöst durch einen Studenten aus China“, sagt der Seelsorger der katholischen Kirchengemeinde in Südlohn.

Wohl auch deswegen habe man sich hier schon frühzeitig vorbereitet und verfüge zum Beispiel über ausreichend Sauerstoff. Zwar gebe es seit dem 8. Mai einen Lockdown mit nächtlicher Ausgangssperre und schon länger eine strenge Maskenpflicht, die Infektionen aber seien rückläufig.

43.000 Neuinfektionen am Mittwoch

Pater Peter schaut auf sein Handy, das wichtigste Kommunikationsmittel in diesen Zeiten, und zeigt auf die aktuellen Zahlen: 43.000 Neuinfektionen am Mittwoch und 95, die an oder mit dem Virus gestorben sind. Und das bei 33 Millionen Einwohnern in Kerala.

Auch wenn das Virus nach wie vor eine große Herausforderung darstellt, ist sich Raju Peter sicher, dass man hier „alles im Griff hat“. Jedenfalls sieht er seine Familie in Indien, zu der neben den Eltern auch zwei Brüder und eine Schwester gehören, gut beschützt durch die Regierung. Daher habe auch seine Familie keine Angst vor dem Virus, wohl aber Respekt: „Die sind sehr vorsichtig.“

Eltern sind bereits zweifach geimpft

Mutter (70) und Vater (73) sind auch schon zweifach geimpft. Mit dem Astrazeneca-Vakzin, dessen größter Produzent Indien ist. „Die sind dort ganz schnell mit dem Impfen“, begrüßt Raju Peter den Umgang mit der Pandemie. Lob hat er auch dafür, dass jede Familie in Kerala im Lockdown mit kostenlosen Lebensmitteln und bei Bedarf auch mit Medikamenten versorgt wird.

Natürlich aber erlebten auch die Menschen in seiner Heimat „schwierige Zeiten“. Auch persönlich hat der Südlohner das erfahren: „Ein Ordenspriester, der als Missionar im Norden des Landes tätig war, ist an Corona gestorben.“ Und von einem weiteren Ordensbruder hat er gerade die Nachricht bekommen, dass er erkrankt ist und auf der Intensivstation liegt. „Der ist erst 33 Jahre alt.“

„Die Menschen sind krisenerprobt“

Der Pater spricht aber auch von der besonderen Mentalität seiner Landsleute, die schon mehrfach Krisen erlebt haben, ihrem Zusammenhalt: „Die Menschen kümmern sich um einander und blicken nach vorne.“

Dieses Kümmern erlebe er ähnlich auch in Südlohn: „Alle fragen, ob es mir gutgeht.“ Über Kontaktmangel kann er sich jedenfalls nicht beklagen. Über den vor Ort nicht, aber über den aktuellen zu seiner Familie schon: „Das letzte Mal war ich 2019 im Urlaub längere Zeit da, im vergangenen Jahr während einer offiziellen Reise nur für zwei Stunden.“

Hoffen auf ein familiäres Wiedersehen

Allerdings ist er über WhatsApp, Skype und Youtube auch immer ganz nah dran an seiner Familie und seiner Heimat. Für dieses Jahr hat er seinen Urlaub noch nicht eingetragen: „Ich warte ab, bis sich die Situation beruhigt hat.“ Heimweh habe er zwar nicht, freue sich aber auf ein familiäres Wiedersehen. Und er geht auch davon aus, dass es klappen wird, wie er überhaupt dazu auffordert, positiv zu denken. Wenig verwunderlich diese Grundhaltung, wenn man den Namen seines Ordens kennt: „Heralds of good news“ – Herolde der guten Nachrichten.

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