Südlohner in Australien: „Überall war Rauch, die Luft war stickig und die Augen tränten.“

mlzNaturkatastrophe

Mehr als zehn Millionen Hektar Land und rund eine Milliarde Tiere sind den Feuern in Australien zum Opfer gefallen. Eindrücke von vor Ort schilderten uns ein Südlohner und eine Stadtlohnerin.

Südlohn

, 15.01.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Langsam, aber stetig verbessert sich die Lage in Australien. Am Montag konnte die Regierung vermelden, dass es der Feuerwehr nach Monaten gelungen ist, den größten Buschbrand des Landes – das sogenannte „Gosper Mountain Fire“ – unter Kontrolle zu bringen. Weitere gute Nachricht: Die Meterologen prognostizieren für die nächsten Tage Regen für einige der betroffenen Gebiete.

Trotz der Katastrophen-Brände sind und waren viele deutsche Touristen und Backpacker in Down Under unterwegs. Die Monate Dezember und Januar gehören aufgrund des dortigen Sommers zur Hauptreisezeit und viele Urlaube wurden bereits weit im Voraus gebucht. Auch Bernd Schlusemann, Redaktionsleiter der Münsterland Zeitung, war bis Dienstag mit seiner Familie in Australien unterwegs.

Nationalpark wegen Feuers gesperrt

„Als wir kurz nach Weihnachten in Sydney gelandet sind, haben wir von den Feuern erstmal nicht viel gespürt. Allerdings hat mein Smartphone vor 785 Bränden in Australien gewarnt“, erklärt Bernd Schlusemann im Telefonat mit der Redaktion. „Als wir die Blue Mountains im Osten Australiens angesteuerten, wurden wir dann auch erstmals mit den Auswirkungen konfrontiert.“ Das Vorhaben, mit dem Wohnmobil im Blue-Mountain-Nationalpark zu übernachten, zerschlug sich schnell. „Uns wurde gesagt, dass er wegen der Feuer auf unbestimmte Zeit gesperrt ist.“

Südlohner in Australien: „Überall war Rauch, die Luft war stickig und die Augen tränten.“

Der Aussichtspunkt „Three Sisters“ und im Hintergrund viel Rauch von den Waldbränden. © Bernd Schlusemann

Auch die Wanderung zum berühmten Aussichtpunkt „Three Sisters“ brach die Reisegruppe nach einer Stunde ab. „Der Rauch brannte in Augen und Lunge“, schildert Bernd Schlusemann. Einen Schlafplatz fanden sie dann aber doch noch: direkt hinter der lokalen Feuerwache. „Da waren wir auf der sicheren Seite“, sagt der Südlohner. Dort erlebten sie aus nächster Nähe, unter welchem Stress die Kräfte der Feuerwehr arbeiteten: „Sie kamen abends gegen 22 Uhr nach einem langen Tag vom Einsatz zurück und wurden mitten in der Nacht direkt wieder alarmiert.“

Den Süden Australiens gemieden

Um den großen Buschbränden, die vor allem im Süden rund um Melbourne wüten, aus dem Weg zu gehen, brach die Familie Schlusemann in Richtung Norden auf. Zwar sei das „genau die richtige Entscheidung gewesen“, allerdings habe man trotzdem viel von der Naturkatastrophe mitbekommen. „Vom Highway konnten wir einige Feuer aus der Entfernung sehen. Einmal gab es für rund 14 Kilometer links und rechts nur runtergebrannte Wälder“, so Schlusemann.

Jetzt lesen

Der Norden Australiens ist von den Bränden weniger betroffen, die Stimmung in der Bevölkerung sei aber auch dort angespannt. „Die Wut auf die Premierminister Scott Morrison war überall spürbar. Zum einen, weil die Regierung der Feuerwehr kürzlich Mittel gestrichen hat und auch, weil er den Zusammenhang zwischen Bränden und Klimawandel leugnete.“ Besonders die jüngere Bevölkerung habe er sich damit zum Feind gemacht. Auch im nördlichen Cairns, berichtet der MLZ-Redaktionleiter, habe es große Demonstrationen gegeben.

Südlohner in Australien: „Überall war Rauch, die Luft war stickig und die Augen tränten.“

Schnappschuss aus dem Auto auf dem Highway: Verbrannte Wälder beidseits der Straße. © Bernd Schlusemann

Zur Unterstützung der Feuerwehr wurden hingegen viele Aktionen initiiert. „In den Geschäften gaben die Menschen fast immer ein oder zwei Dollar mehr als Spende für die Einsatzkräfte. Außerdem organisierten die Nachbarschaften Flomärkte, deren Gewinn an die Feuerwehr gespendet wurde“, sagt Bernd Schlusemann.

Viele junge Menschen als Backpacker unterwegs

Neben den klassischen Touristen nutzen auch viele junge Menschen die Zeit nach dem Schulabschluss, um durch Australien zu reisen und sich mit Aushilfsjobs den Lebensunterhalt zu finanzieren, das sogenannte „Work and Travel“ . So auch Leonie Krumme aus Stadtlohn. Vor gut einem Monat ist sie in Sydney gelandet. Sie bestätigt Bernd Schlusemanns Aussagen.

„Von den Feuern selbst bekommt man in Sydney relativ wenig mit, aber manchmal zieht sich der Himmel durch den Rauch richtig zu. Dann sieht man die Sonne selbst in der Mittagszeit nur noch als roten Punkt“, berichtet die Stadtlohnerin. Auch das Wetter habe sich extrem verändert. „Normalerweise sind es zu dieser Jahreszeit 35 bis 40 Grad in Sydney, aber das Feuer sorgt für ein anders Wetter. Es ist windig und kalt“, schildert Leonie Krumme.

Dass die Lage noch immer dramatisch ist, zeigt auch der Blick auf die Katastrophen-Alarm-App: Dort wurden am Mittwoch um 13 Uhr noch immer 491 Feuer in Australien gemeldet.

Lesen Sie jetzt
Münsterland Zeitung Diskussion um Bonpflicht
Besuch in der Backstube: Johannes Röring hält Bonpflicht für Idee blutleerer Finanzbeamter