Theo Pass freut sich über die ersten Touristen, die ins Hotel kommen

mlzCorona-Krise

Hotels dürfen wieder regulär öffnen. Die ersten Touristen haben in Oeding schon eingecheckt. Für das Familienunternehmen Pass ist die Corona-Krise trotzdem ein immenser Kraftakt.

Südlohn

, 18.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Montag, Tag eins, an dem Touristen in Nordrhein-Westfalen wieder in Hotels übernachten dürfen. Im Burghotel Pass ist es noch ruhig an diesem Montagvormittag. Der Parkplatz ist fast leer. Inhaber Theo Pass steht allein hinter der Theke. Sein Sohn Clemens (2) spielt neben ihm mit einigen Knobelbechern. Noch gibt es nicht viel zu tun.

„Wir sind die vergangenen Wochen mit Geschäftsreisenden oder Monteuren ganz gut über die Runden gekommen“, sagt Theodor Pass von seinem Stammplatz hinter der Theke. Trotzdem: Als direkt nach der Schließung die Stornierungen reihenweise eintrafen, habe er sich schon Sorgen gemacht. „Das Telefon klingelt und du weißt, dass es wieder eine Absage ist. Die Frage war immer nur, welche“, erinnert er sich. „Da fängst du schon an, schlecht zu schlafen“, erklärt er.

Geschäft komplett zusammengebrochen

Das Geschäft sei Mitte März praktisch auf Null zusammengebrochen. Die Angestellten mussten dann erst einmal freie Tage und Überstunden abbauen. „Da haben sie zumindest beim Gehalt erstmal noch nichts gemerkt“, sagt er. Im April habe das dann schon ganz anders ausgesehen. Mit allen Aushilfen beschäftigt er 40 Angestellte. Auch die Dienstplanung laufe im Moment erst einmal unter Vorbehalt. „Ich weiß ja einfach noch nicht, wie viele Leute ich brauche“, erklärt er.

Auf dem Parkplatz vor dem Burghotel Pass ist im Moment noch nicht viel los. Am Montag durfte das Hotel wieder ganz normal auch für Touristen öffnen – natürlich nur mit den inzwischen überall üblichen Hygienevorschriften.

Auf dem Parkplatz vor dem Burghotel Pass ist im Moment noch nicht viel los. Am Montag durfte das Hotel wieder ganz normal auch für Touristen öffnen – natürlich nur mit den inzwischen überall üblichen Hygienevorschriften. © Stephan Teine

Auch seine Mutter, Maria Pass, die gute Seele des Hauses schaut mit zwei ihrer Enkel gerade zur Tür herein. „So etwas Verrücktes habe ich in 58 Berufsjahren noch nicht erlebt“, sagt sie und schüttelt energisch mit dem Kopf. Sie selbst habe keine Angst vor einer Infektion.

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„Ich tue, was ich kann, um mich zu schützen“, sagt sie. Aber wenn es sie erwische, dann sei das eben so. „Ich kann doch nicht weglaufen oder mich im Wohnzimmer einschließen“, sagt sie.

Mit Absicht keinen Außer-Haus-Verkauf angeboten

Auf Außer-Haus-Verkauf, wie ihn fast alle Restaurants in der Krise angeboten haben, hat Theo Pass bewusst verzichtet. „Ich kann selbst nicht kochen“, gibt er zu. Also hätte er mindestens zwei Köche einsetzen müssen. „Ob sich das dann gerechnet hätte, ist wieder eine ganz andere Frage“, sagt er. Auch so wurde das Personal auf das unbedingt Nötige reduziert.

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Auch das ist jetzt aber schon wieder Geschichte. „Aktuell haben fast alle Angestellten wieder eine Vier-Tage-Woche“, erklärt er. „Auch die ersten Touristen sind schon da“, freut er sich über treue Stammkundschaft. „Aber das Geschäft ist eben ein ganz anderes geworden“, sagt er. Auch wenn die Übernachtungszahlen in Ordnung seien, Tagungen oder Familienfeiern seien noch komplett eingebrochen. „Das ist ja normalerweise ein wichtiges Standbein für uns“, erklärt er. Wann sich das wieder normalisiert, mag er noch nicht abschätzen.

Weitere Entwicklung ist noch völlig offen

Das Telefon klingelt. Eine sechsköpfige Gruppe möchte Ende Juni einen Aufenthalt buchen. „Wie das dann läuft, kann ich Ihnen auch noch nicht sagen“, ruft Theo Pass in den Hörer. Er weiß es ganz einfach nicht. Natürlich hat er die üblichen Hygienevorschriften umgesetzt. Desinfektionsspender stehen an den Türen. Die Tische sind luftiger gestellt als noch vor einigen Wochen.

Theo Pass will der Krise dennoch etwas Positives abtrotzen. „Betriebswirtschaftlich ist das natürlich eine völlige Katastrophe“, sagt er. Doch menschlich habe sich viel getan. „Die Leute sind tiefenentspannt.“ Und dankbar. Sei es der Geschäftsreisende, der Tourist oder auch der Angestellte. „Man kann sich jetzt wieder viel besser über Kleinigkeiten freuen“, sagt er.

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Gerade kommen zwei Gäste nach einem Spaziergang hungrig zur Tür herein. Mittagessen können sie gerade leider nicht. „Aber ich kann Ihnen eine Schnitte schmieren“, sagt Maria Pass und eilt in die Küche. Die Gäste gehen gerne auf das Angebot ein.

Große Hoffnung auf die Urlaubszeit

Noch muss die Küche mittags jedoch geschlossen bleiben. „Aber auch unsere Leute freuen sich, dass sie wieder arbeiten können“, erklärt Theo Pass. Er hofft nun, dass die Urlaubszeit mehr Gäste nach Oeding bringt als üblich. „An der Nord- und Ostsee wird das Geschäft natürlich explodieren“, glaubt er. Das Münsterland habe da noch das Problem, dass es zwar bei älteren Gästen sehr beliebt sei, bei den Jüngeren aber oft nicht auf dem Wunschzettel stehe.

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