Trockenheit und Hitze verbrennen Gräber auf dem Oedinger Friedhof

mlzTrockener Sommer

Es ist trocken. Viel zu trocken. Das zeigt sich auch auf dem Friedhof in Oeding. Gärtner und Angehörige kommen mit dem Gießen der Pflanzen auf den Gräbern nicht nach.

Südlohn

, 01.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein ganz normaler Mittwochmorgen gegen 9 Uhr. Um diese Zeit ist auf dem katholischen Friedhof an der Schlinge fast mehr los als im Rest des Grenzdorfes.

Menschen mit grünen Gießkannen pendeln zwischen der Wasserstelle und den Gräbern. Im hinteren Teil des Friedhofs ist Marita Schwämmle mit dem kleinen weißen Pritschenwagen der Gartenbaufirma Dönnebrink unterwegs. Das Unternehmen betreut neben dem heimischen Friedhof noch die Areale in Südlohn und in Heiden.

Seit acht Uhr gießt sie nun schon die Pflanzen auf den Gräbern. „Als es noch richtig heiß war vor ein paar Tagen, da sind wir auch schon mal um sechs Uhr angefangen“, erzählt sie, während sie eine Reihe von Gießkannen aus einem Tank auf der Ladefläche des kleinen Lasters befüllt. „Wir haben immer unser Wasser dabei“, erklärt die Gärtnerin. „Das geht schneller und außerdem haben wir in der Gärtnerei in Eschlohn einen eigenen Brunnen.“

Pro Grab mindestens zwei Gießkannen-Ladungen

Genug zu tun hat sie auch an diesem Tag: Pro Grab gibt es mindestens zwei Gießkannen-Ladungen. Insgesamt 22 Kannen drängen sich auf der Ladefläche und um den Füllschlauch. „Ich glaube nicht, dass wir in Zukunft noch die klassischen Sommerblumen haben werden“, prognostiziert sie. „Die halten das Klima nicht aus, wenn es so weitergeht.“ Und ein Blick in die Runde zeigt: Zahlreiche Pflanzen – Bodendecker, Stauden und Blumen, haben es bereits hinter sich.

Trockenheit und Hitze verbrennen Gräber auf dem Oedinger Friedhof

Die Angehörigen sind beim Friedhofbesuch vor allem mit Gießen beschäftigt. © Georg Beining

Hannes Wienken ist gerade mit der Grabpflege fertig. Er vermutet: „Man muss in Zukunft wohl andere Pflanzen setzen.“ Um die Ecke zupft eine Frau an den Rändern eines Grabs das spärliche Unkraut. Ob es hier auch Probleme mit der Trockenheit gibt? „Eigentlich überhaupt nicht“, antwortet sie und verweist auf den einheitlich grauen Kiesbelag des Grabs.

Verbrannte und vertrocknete Pflanzen überall

Franz-Josef Benning ist mit der Pflege des Familiengrabs in der Nähe des Haupteingangs zugange. Zwei Totalverluste der Bepflanzung habe man wegen der Trockenheit schon hinnehmen müssen. „Aber zum dritten Mal pflanzen wir nicht“, betont er, „dann ist nämlich schon Herbst.“

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Otto und Marianne Harmeling sind gemeinsam zum Grab gekommen. „Es ist schon schlimm“, macht die Ehefrau ihrem Herzen Luft und weist mit dem Finger auf eine vertrocknete Staude, deren Sorte nicht mehr zu erkennen ist. „Da hat jemand in der prallen Sonne gegossen.“ Und weil die Wassertropfen wie kleine Brenngläser wirken, ist die Pflanze schlicht und einfach verbrannt.

„Zu Hause gießen wir schon gar nicht mehr“, berichtet Otto Harmeling, der gerade vom Befüllen der Gießkanne zurück ist. „Unsere Wasserreserve ist alle, also bleibt alles trocken – bis zum nächsten Regen.“

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