Unterwegs im Cohausz-Wäldchen

Besinnungsweg

ich besinnen, zur Besinnung kommen, Sinn finden - wer heutzutage seine Sinne einmal zur Ruhe kommen lassen will, tut sich häufig schwer. Nahezu allerorten und zu allen Zeiten herrschen Eile, Lärm und steter Zeitdruck. Doch es gibt Abhilfe: Der Besinnungsweg der Kolpingsfamilie im Südlohner Cohausz-Wäldchen lädt ein zum Innehalten.

SÜDLOHN

, 06.06.2014, 17:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Ausgestaltung der Stationen mit Kunstwerken aus Holz, Ton, Edelstahl oder Sandstein stellte kaum ein Hindernis dar. „Wir haben fast alles in Eigenarbeit erstellt“, erklärt die 59-Jährige. „Die Kolpinger sind ja fast alle Handwerker.“ Wenning lacht. „Wenn man da irgendeinen fragt – ist er immer bereit, etwas zu tun.“ Ein Sponsorenlauf, eine Tour durch „offene Gärten“ und diverse Spenden taten ein Übriges: Schon 2010 konnte der Weg mit zunächst drei Stationen plus Eingangsstein eingeweiht werden. Wenning: „Jahr für Jahr ist die eine oder andere Station dazugekommen.“

Inklusive des von Franz-Josef Rickers geschaffenen Eingangssteins beim Henricus-Stift sind es mittlerweile sieben Stationen: Eine steinerne Stele mit Weltkugel (Franz-Josef Rickers) fordert zum Nachdenken über die Verantwortung des Einzelnen für das Wohl der Welt auf. Aus Eichenholz und Ton gefertigte Bilderstöcke stellen Bitte und Dank für göttlichen Beistand dar. Georg Fischers Werk aus Eisen und Stein soll dazu motivieren, aus schwierigen Situationen etwas Konstruktives zu machen. Als bisher letzte Station kam 2013 eine eichene Stele nach Art eines Bildstocks mit Edelstahlrahmen und dem Kolping-Symbol hinzu. Ihr Sinnspruch: „Er leitet mich auf rechten Pfaden treu seinem Namen.“

Praktisch jede Station ist mit einer Plakette versehen, die das jeweilige Kunstwerk erläutert oder den in ihm integrierten Sinnspruch wiedergibt. Auch findet sich in unmittelbarer Nähe fast überall eine Bank, die zum Verweilen und Innehalten einlädt und einen Ort für Muße bietet. „Wir haben versucht, darauf zu achten, dass man sich auch an jeder Station Zeit nehmen kann“, erklärt Wenning. Geht es nach dem Willen der Kolpinger, wird der Besinnungweg, der sich bislang durch das Wäldchen entlang der Schlinge und durch die Gärten des Henricus-Stifts zieht, noch deutlich länger werden. Schließlich gibt es bereits eine Station am Friedhof, wo ein „Schluss-Stein“ mit Sonnenuhr an die Vergänglichkeit der Zeit – und damit des Lebens – gemahnt. „Tempus fugit“ mahnt die Plakette, die hier noch installiert wird: Die Zeit vergeht.

Sie würde sehr gerne den Friedensengel am Kriegerdenkmal in den Weg integrieren, und auch im Pfarrersgarten gäbe es Möglichkeiten, eine Station zu installieren, erläutert Wenning. Gespräche und Ideen dazu gebe es bereits. Pfarrer Stefan Scho, der eben aus der Tür tritt, bestätigt das. „Aber das müssen wir noch mit dem Kirchenvorstand abstimmen.“ Eine von Wennings Lieblingsstationen ist zweifellos die Brücke – Symbol für „ein Wort, ein Lächeln, das wir dem anderen schenken.“ Schüler der Roncalli-Hauptschule hatten die Skulptur aus Steinen, Stahl und Holz gemeinsam mit Handwerkern aus Reihen der Kolpingsfamilie gefertigt. Auf dem Rasen beim Henricus-Stift scheint sie ohne Sinn und Zweck über einen aus Steinen in den Rasen „gemalten“ Bachlauf zu führen. Dass sie dennoch Sinn macht, beweist allein das entspannte Lächeln, das Wenning spontan an den Tag legt, als sie sich für das Foto darauf stellt.

Noch einmal gehen wir zurück ins Wäldchen. Die Zeit vergeht nicht nur. Sie drängt, schließlich verlangt der Redaktionsschluss rechtzeitiges Fertigstellen von Reportagen, Layout und Fotos. Doch das Windspiel aus Edelstahl von Paul Engbers am Ufer der Schlinge mahnt an die Notwendigkeit der inneren Balance. „Was bringt mich aus der Ruhe? Wo finde ich Ruhe und Geborgenheit?“ fragt eine entsprechende Plakette. Im Zweifel wohl hier, im Schatten der alten Bäume, am Ufer der gemächlich dahinplätschernden Schlinge, im Angesicht der Stahlkugeln, die sich auf der Spitze einer mannshohen Stange auspendeln. Zeitlos.

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