Verein will Flüchtlingen helfen in Südlohn und Oeding anzukommen

mlzFlüchtlingscafé

Es ist der erste Donnerstag im Monat. Der Saal des evangelischen Gemeindehauses füllt sich fast minütlich mit mehr Menschen. Ab 15 Uhr wird dort das Flüchtlingscafé angeboten – und angenommen.

Südlohn

, 06.03.2020, 17:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 2015 gibt es das Café, erst jede Woche, nun alle vier Wochen donnerstags. Die Menschen begrüßen sich herzlich, die Kinder finden schnell das Spielzeug, das die Ehrenamtlichen des Vereins „Miteinander in Südlohn und Oeding“ bereitgestellt haben, während ihre Eltern sich an die Tische setzen und einen Kaffee genießen. Kuchen gibt es auch.

Leute ankommen lassen und sie begleiten

Thomas Jansen sitzt mittendrin und unterhält sich rege. Er hat den Verein mitgegründet und ist mit einigen Mitstreitern immer beim Café dabei.

„Wir wollen Leute ankommen lassen und begleiten sie auf dem Weg zu einem vernünftigen Leben in Deutschland“, umschreibt der 62-Jährige im Gespräch mit der Redaktion. So eine Art „Familienpaten“ seien die aktiven Vereinsmitglieder, deren Zahl Jansen mit einem guten Dutzend beziffert. Es könnten mehr sein, wünscht er sich. „Vor allem jüngere Südlohner und Oedinger“ wären gern gesehen in der Runde.

Die Kinder haben Spaß, malen und spielen mit dem Spielzeug, das die Ehrenamtlichen des Vereins "Miteinander in Südlohn und Oeding" ihnen zur Verfügung stellen immer donnerstags beim Flüchtlingscafé.

Die Kinder haben Spaß, malen und spielen mit dem Spielzeug, das die Ehrenamtlichen des Vereins "Miteinander in Südlohn und Oeding" ihnen zur Verfügung stellen immer donnerstags beim Flüchtlingscafé. © Anne Winter-Weckenbrock

Was wird gemacht? Einmal in vier Wochen das Café im evangelischen Gemeindehaus. „Die evangelische Kirchengemeinde unterstützt uns gut, freut sich Jansen.

Nachhilfe und Gänge als Paten

Franz-Josef Watermann, ehemaliger Realschullehrer, und seine Frau Gisela bieten samstagsvormittags Nachhilfe in Deutsch an. Und dann gibt es da eben die vielen Dinge eines „Paten“: Arzttermine vereinbaren für die, die sich wegen ihrer nicht so guten Deutschkenntnisse nicht trauen, die Begleitung zum Arzt, zu Behörden oder auch zum Rechtsanwalt.

Die Geflüchteten, die in Südlohn und Oeding leben, sind aus den verschiedenen Winkeln der Erde ins Westmünsterland gekommen. „Algerien, Albanien, Türkei, Irak, Iran, Syrien, Eritrea, Mali, Libanon, China und ...“, zählt Thomas Jansen auf.

„Wir bekommen die Welt zu uns nach Hause“

Das schätzt er an der Arbeit mit den Menschen: „Wir bekommen die Welt zu uns nach Hause.“ So wie Sarah Shaabi. Sie kommt aus dem Libanon. Die 29-Jährige ist immer beim Café dabei. „Das macht einfach Spaß“, erklärt sie. Sie wartet gerade gespannt, ob sie ihren Deutsch-B2-Kurs geschafft hat. „Wenn wir Hilfe brauchen, bekommen wir sie“, betont sie, was der Verein für sie und ihre Familie bedeutet.

Aber sie selbst hilft auch. „Ich bin eine aus dem Verein“, sagt sie und lacht. Sie hat, eben weil sie schon sehr gut Deutsch spricht, auch schon andere Flüchtlinge zum Beispiel ins Jobcenter begleitet. Im Libanon hat sie als Erzieherin gearbeitet. Ihr Ziel ist klar: Sie will auch in Deutschland diesen Beruf ausüben. Auch wenn es ein langer Weg ist.

Zusammenarbeit könnte besser sein

„Leider kennen wir nicht alle“, sagt Thomas Jansen zu den Flüchtlingen, die in Südlohn und Oeding leben. Zu Beginn seiner Arbeit im Jahr 2015 hatte der Verein immer Infos von der Gemeinde erhalten über neu angekommene Menschen. Das ist aber lange her. „Die Zusammenarbeit ist nicht so harmonisch, wie sie sein könnte“ , sagt der 62-Jährige. Doch nicht alles ist schlecht: An den Kosten des Sommerfests des Vereines habe sich die Gemeinde beteiligt. Nur, so seine Bilanz zur Zusammenarbeit: „Ich könnte es mir besser vorstellen.“

Vom Verein oder auch vom Café erführen die Flüchtlinge durch Mund-zu-Mund-Propaganda. „Ich habe den Eindruck, die Leute, die wir betreuen, profitieren davon“, bilanziert Thomas Jansen.

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