Warten auf die Corona-Schnelltests: Im Henricus-Stift ist man gespannt

mlzCoronavirus in Südlohn

Corona-Schnelltests sollen für Bewohner, Mitarbeiter und Besucher von Pflegeeinrichtungen zur Verfügung stehen. Vieles ist unklar, aber das Henricus-Stift ist vorbereitet auf die Strategie.

Südlohn

, 25.10.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als die Nationale Teststrategie mit Schnelltests für alle Pflegeeinrichtungen angekündigt wurde, dachte Jochen Albers erst einmal spontan: „Wer soll das alles machen?“ Das Mehr an Sicherheit für Bewohner, Mitarbeiter und Besucher begrüßt der Einrichtungsleiter des Henricus-Stifts, doch ist er gespannt auf die praktische Umsetzung.

Der Stichtag für den Start der lang angekündigten und flächendeckenden Nationalen Teststrategie war der 15. Oktober. Pro Bewohner einer stationären Einrichtungen sollten 50 Tests im Monat möglich sein, hieß es. Wer meinte, ab dann seien die Schnelltests vor Ort und könnten starten, befand sich auf dem Holzweg. Wie sieht es denn aktuell, gut eine Woche später, zum Beispiel im Henricus-Stift aus?

„Aktuell bereiten wir ein Testkonzept für unsere Einrichtungen vor, erklärt Matthias Wittland, Vorstand für das Ressort Pflege beim Caritasverband Ahaus-Vreden, dem Träger des Henricus-Stifts. Dieses ausgearbeitete Konzept müsse anschließend dem Kreisgesundheitsamt zur Genehmigung vorgelegt werden.

Erste Charge von 1000 Schnelltests bestellt

Der Caritasverband, der stationäre Einrichtungen auch in Ahaus, Wessum, Heek und Gronau betreibt, habe eine erste Charge von 1000 Schnelltests bestellt. „Um im Bedarfsfall direkt loslegen zu können, wenn unser Antrag genehmigt wurde“, so Matthias Wittland in einer Pressemitteilung.

„Angekündigt waren 50 Tests pro Bewohner, jetzt sind es 20“, hat Jochen Albers schon festgestellt. Er wartet gespannt das Testkonzept ab. Denn eins scheint klar: Nicht jeder Besucher könne schließlich getestet werden. „Aber welcher?“ , fragt er sich im Gespräch mit der Redaktion.

Fieber messen und Fragebogen ausfüllen bleibt für Besucher

Im Henricus-Stift können Besucher vormittags zwischen 10 und 12 Uhr und nachmittags zwischen 14.30 und 17 Uhr zu den Bewohnern. Ohne Anmeldung. Die Besucher müssen sich die Hände desinfizieren, müssen Fieber messen lassen, ihre Personalien angeben und einen Fragebogen ausfüllen: Ob sie Symptome haben, wissentlich Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatten...

„Das wird auch so bleiben, wenn der Schnelltest da ist“, macht Jochen Albers deutlich. Das bedeutet Aufwand, sei aber nötig. Er freut sich, das der Caritasverband geringfügig Beschäftigte eingestellt hat, um diese Aufgabe erledigen zu können. Wichtig sei, dass Besuche ermöglicht werden. „Der Lockdown, das war hardcore“, erinnert sich der Einrichtungsleiter ungern an die Frühlingswochen 2020. „Das wird so nie wieder kommen.“

Südlohner Hausarzt schon für Schulungen gewonnen

Deswegen hält er die Schnelltests auch grundsätzlich für eine gute Idee und Strategie. Eines konnte er auch schon regeln: Es steht fest, dass nur geschulte Pflegekräfte die Tests durchführen und auswerten dürfen. Da gilt für das Personal der stationären Einrichtungen wie auch für die ambulante Pflege. Für die Schulung konnte Jochen Albers schon einen örtlichen Hausarzt gewinnen. „Das ist der Vorteil auf dem Land“, betont der Einrichtungsleiter.

102 Bewohner hat das Henricus-Stift. Bei 20 Schnelltests pro Monat ergäbe das 2040 Tests, die zur Verfügung stehen, also 68 Tests könnten rechnerisch pro Tag durchgeführt werden an Bewohnern, Mitarbeitern und Besuchern. Da wird Personal gebunden werden. „Und wenn man jetzt auch Pflegekräfte dafür einstellen wollte, man findet keine“, sagt Jochen Albers.

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Jede Einrichtung wird in ihrem Konzept festlegen müssen, wie die Testung personell gestemmt werden kann. Am Wochenende seien es im Henricus-Stift durchaus 100 bis 150 Besucher – da brauche es einen roten Faden, wer getestet werden sollte. Auf jeden Fall, so blickt Jochen Albers voraus, werde wohl jeder Mitarbeiter getestet, bei dem die Nase läuft oder der Hals kratzt. „Es ist ja normale Erkältungszeit“, so Albers, und da seien die Schnelltests schon ein Mehr an Sicherheit.

Geselligkeit gibt es nur innerhalb der Wohngruppe

Im Henricus-Stift können sich die Senioren aus den vier Wohngruppen untereinander treffen. Sich unterhalten, gemeinsam essen. Aber das große Kaffeetrinken, Bingo spielen oder die Geburtstagsfeier im großen Kreis mit allen Senioren, die gesundheitlich dazu in der Lage sind – das alles geht im Moment nicht.

Im Henricus-Stift wird soviel Gemeinschaft wie möglich erlebt. Weil Ausgehen nicht geht, wurde in der Cafeteria eine Kegelbahn aufgebaut. Dort können dann – nach dem Konzept des Hauses – immer nur Bewohner eines Wohnbereiches zusammen kegeln.

Im Henricus-Stift wird soviel Gemeinschaft wie möglich erlebt. Weil Ausgehen nicht geht, wurde in der Cafeteria eine Kegelbahn aufgebaut. Dort können dann – nach dem Konzept des Hauses – immer nur Bewohner eines Wohnbereiches zusammen kegeln. © privat

Froh ist Jochen Albers über den Einsatz der Patres aus dem Kloster Burlo: Diese feiern zweimal in der Woche in der Kapelle des Henricus-Stifts eine Messe mit Bewohnern - immer nach Wohnbereich getrennt. Jeder, der dazu in der Lage ist, kann also einmal in zwei Wochen zumindest eine Messe mitfeiern.

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Kontakte sind wichtig, deswegen betont auch Matthias Wittland, dass der Umgang mit den Bewohnern mit Blick auf die steigenden Corona-Infektionszahlen noch vorsichtiger werde. Aber: „Wir möchten Besuche weiter zulassen.“ Eine Phase wie im Frühjahr, als Bewohner komplett isoliert werden mussten, soll es nach Möglichkeit nicht wieder geben.

Die Besuchsverbote hätten bei Mitarbeitern und vor allem den Bewohnern Spuren hinterlassen. „Corona verändert die Menschen“, sagt Matthias Wittland. „Eine Bewohnerin einer Senioreneinrichtung hat gesagt: „Im Krieg war es nicht so schlimm. Da konnten wir uns wenigstens in den Arm nehmen.“

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