Werner Stödtke will unabhängiger Bürgermeister von Südlohn und Oeding werden

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Werner Stödtke möchte neuer Bürgermeister werden. Für Südlohn und Oeding hat er viel vor, ein Parteibuch will er dafür nicht haben. Er kandidiert nur, weil Christian Vedder nicht antritt.

Südlohn

, 23.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zigmal sei er gefragt worden, ob er nicht als Bürgermeister kandidieren möchte. Aus der Politik, aus der Wirtschaft oder von Menschen aus Südlohn und Oeding. Zigmal hat Werner Stödtke dankend abgelehnt.

Erst als klar war, dass der amtierende Bürgermeister Christian Vedder nicht mehr antreten werde, kam eine Kandidatur für ihn infrage:: „Als engster Mitarbeiter der Verwaltungsspitze hatte ich da ganz einfach eine Loyalitätsverpflichtung. Wer mich kennt, weiß, dass ich solche Verpflichtungen ernst nehme und lebe“, sagt er. Jetzt hat der Allgemeine Vertreter von Christian Vedder seine Kandidatur für die kommende Bürgermeisterwahl erklärt.

Auch nach 35 Jahren in der Verwaltung ohne Parteibuch

Oberstes Gebot für ihn: Unabhängigkeit. „Ich bin seit fast 35 Jahren ohne Parteibuch in der Verwaltung tätig. Und auch als möglicher Bürgermeister werde ich keins annehmen“, sagt er. Und so war für ihn klar, dass er nur als unabhängiger Kandidat ins Rennen gehen wolle. Diese Geradlinigkeit lebe er. „Es war immer mein Anliegen, dass die Menschen wussten, dass ich als neutraler Ansprechpartner im Rathaus sitze“, erklärt er.

Ganz allein ist er dabei dennoch nicht: UWG, SPD und FDP sieht er im Rennen um das Bürgermeisteramt hinter sich. „Sie werden ihren Mitgliedern im Rahmen ihrer Aufstellungsversammlungen die Unterstützung meiner freien Kandidatur vorschlagen“, sagt er.

Dennoch muss er Unterstützerunterschriften für seine Kandidatur sammeln. Gerade in Zeiten von Kontaktverboten ein durchaus schwieriges Unterfangen. „Da mache ich mir aber keine Sorgen“, sagt er. Einen guten Stapel habe er schon zu Hause. Die weiteren erwartet er in Kürze.

Schwerpunkte hat er sich natürlich gesetzt

Natürlich hat er sich eine ganze Reihe von Schwerpunkten und Projekten vorgenommen, die er als Bürgermeister umsetzen würde. Eine Auswahl:

Die Bildungslandschaft: Die noch anstehenden Projekte für Kitas und Schulen stelle die Gemeinde vor enorme Aufgaben, die aber unausweichlich seien. Eine „familienfreundliche Gemeinde“ dürfe nicht nur ein Werbelabel sein und sei gerade nach dem Verlust der weiterführenden Schule in Südlohn ein wichtiges Anliegen, welches ihm sehr am Herzen liege. Diese Großprojekte müssten nun ordentlich abgehandelt werden. Dabei dürfe es nicht zu Schnellschüssen kommen. Im Gegenteil: „Man braucht einen langen Atem und muss konstant arbeiten“, sagt er. Das alles brauche Zeit.

Schlagwort Digitalisierung: Dabei gehe es um mehr als nur die flächendeckende Versorgung mit Glasfaser-, Mobilfunk- oder Wlan-Netzen. Auch die Verwaltung müsse ihre Prozesse und Dienstleistungen auf den Prüfstand stellen und sie digital machen. Dabei sieht er aber noch einen anderen Aspekt: „Wir sind eine kleine Gemeinde mit einer kleinen Verwaltung. Wir müssen prüfen, was wir leisten können und wo wir Unterstützung brauchen“, erklärt er. Dafür gebe es beispielsweise die Kommunale ADV-Anwendergemeinschaft West (KAAW). Ein Zusammenschluss von 48 Kommunen, der gemeinsam digitale Strategien und Lösungen für die Gemeinden entwickelt.

Die Verwaltung: An der Verjüngung der Verwaltung werde seit Jahren erfolgreich gearbeitet. Das Personalentwicklungskonzept dafür habe er mitentwickelt und begleitet. Neben jungen Führungskräften sei auch der Frauenanteil in Führungspositionen ausgebaut worden. „Familienfreundlichkeit ist auch da mehr als nur ein Schlagwort“, sagt er. Nur mit flexiblen Arbeitszeitmodellen oder durch die Einführung von Homeoffice-Arbeitsplätzen könne die Verwaltung auch langfristig qualifizierte Mitarbeiter halten.

Arbeit in Rat und Ausschüssen: Die Ausschüsse sollen intensiver arbeiten und mehr entscheiden dürfen. Bisher habe es da oft Dopplungen in den Diskussionen im Ausschuss und später im Rat gegeben. So könnten zukünftig Entscheidungen beschleunigt werden. Dabei übt er aber auch Kritik an den Südlohnern und Oedingern: Die Sitzungen seien überwiegend öffentlich. Sich dort vor Ort und aus erster Hand zu informieren solle wieder politische Kultur werden. Auch, um die Arbeit der ehrenamtlichen Politiker zu schätzen. „Wer meckert, sollte auch aus erster Hand informiert sein“, sagt Werner Stödtke.

Bürgerbeteiligung: „Die Bürgerschaft ist die wichtigste Säule der Gemeinde“, sagt Werner Stödtke. Und diese Säule müsse so gut es gehe in Entscheidungen eingebunden werden. Durch seine gute Vernetzung in Vereine und Verbände wolle er diesen Prozess vorantreiben.

Wirtschaft und Haushalt: Südlohn und Oeding haben sich in Werner Stödtkes Augen zu einem guten Wirtschaftsstandort entwickelt. Um die örtlichen Unternehmen weiter zu fördern, liegen weitere Aufgaben vor der Gemeinde. „Die Flächenbeschaffung wird immer schwieriger“, sagt er. Die müsse professionell von der Gemeinde begleitet werden.

Keine Scheu vor dem Wechsel

Vor dem möglichen Wechsel von der reinen Verwaltungstätigkeit in die Politik, in der er als Bürgermeister ja viel mehr im Vordergrund stehen würde, scheut er sich nicht. „Ich bin kein Politprofi“, räumt er ein. Aber er habe eng mit den bisherigen Bürgermeistern und Gemeindedirektoren zusammengearbeitet und so schon einen tiefen Einblick bekommen. „Und die Rats- und Ausschussarbeit kenne ich ja auch schon seit über 20 Jahren“, sagt er.

Klar ist für ihn aber auch, dass es aktuell noch dringlichere Probleme als die Wahl im September gibt. „Jetzt steht erst einmal das Krisenmanagement wegen des Coronavirus an“, sagt er. Dahinter müsse alles andere zurücktreten.

Zur Person Werner Stödtke

  • 53 Jahre alt, Diplom Verwaltungswirt FH, in Südlohn geboren und wohnhaft, verheiratet, zwei erwachsene Kinder. In Oeding aufgewachsen, lebt er seit über 25 Jahren in Südlohn.
  • seit 33 Jahren bei der Gemeinde Südlohn beschäftigt. Nach der Ausbildung u.a. im Personalwesen, als stellvertretender Haupt-, Personal- und Schulverwaltungsamtsleiter mit dem Schwerpunkt Organisation, EDV und Schulen, Wahlen, seit 2013 als Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters und Fachbereichsleitung Zentrale Dienste (ehemals Hauptamt) mit den Bereichen Personalservice, Organisation, EDV, Schulen, Rats- und Gremienarbeit, Wahlen, Kultur- und Vereinsförderung etc.
  • Darüber hinaus in verschiedenen EDV-Projekten, als Wahlleiter, Verantwortlicher für die Einführung des Offenen Ganztags in den Grundschulen und einer Pädagogischen Übermittagbetreuung in der Roncalli-Hauptschule, Datenschutzbeauftragter und Mitglied des Personalrats.
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