Nicht zuletzt die Corona-Zeit hat Einfluss auf die Bedarfe an Freizeitangeboten bei Kindern und Jugendlichen genommen. Auch diesem Umstand soll eine Befragung Rechnung tragen, die das Jugendwerk nun angehen wird. © Stephan Rape
Schulausschuss

Wie sieht zeitgemäße Jugendarbeit aus? Kinder und Jugendliche werden befragt

Bis ins Jahr 2025 ist der neue Kinder- und Jugendförderplan gültig. Dieser gibt den Rahmen für den Kreis Borken vor. In Südlohn werden Kinder und Jugendliche zu ihren Bedarfen nun befragt.

Welche Angebote wünschen sich Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit, wie sehen ihre Bedarfe aus? Das soll der neue Kinder- und Jugendförderplan des Kreises Borken erfassen. Sandra Berlekamp, Leiterin der Facheinheit Kinder- und Jugendförderung beim Kreis, nutzte im Ausschuss für Schule, Jugend, Senioren und Soziales die Chance, den neuen Rahmenplan vorzustellen.

Einige Ziele vorweg: mehr Partizipation, mehr Unterstützung der Verbandsarbeit, mehr (finanzielle) Wertschätzung, mehr digitale Einbindung. Christina Dogan (Mobile Jugendarbeit) leitete für das Jugendwerk später zur geplanten Kinder- und Jugendbefragung vor Ort über. Die sogenannte Sozialraumanalyse war coronabedingt vertagt worden.

„Corona hat uns alle getroffen.“ Gleich zu Beginn ihres Vortrags ließ Sandra Berlekamp keine Zweifel daran, welche Herausforderungen die Aktiven in der Kinder- und Jugendarbeit bewältigen mussten und müssen. Viele Heranwachsende seien einfach nicht zu erreichen gewesen. „Auch im Jugendwerk Südlohn-Oeding ist man in dieser Zeit enorm kreativ gewesen, die Rückmeldungen sind durchweg positiv“, erklärte sie.

Corona hat Jugendarbeit vor Herausforderungen gestellt

2019 bereits war der neue Kinder- und Jugendförderplan angestoßen worden, dieser wird den Rahmen bis 2025 vorgegeben. „Über einen Fünf-Jahreszeitraum haben wir Daten ausgewertet, 1600 Kinder und Jugendliche befragt, dies online und mit umgehendem Feedback“, erklärte Berlekamp. Man schreibe den Plan nicht fort, sondern neu. Wesentliche Aspekte: „Wir müssen Formate schaffen, die die Kinder und Jugendlichen beteiligen.“

Zudem gelte es, die Verbandsarbeit zu unterstützen. „Problem ist dabei nicht, Ehrenamtliche zu finden, sondern die Zeit.“ Umzusetzen sei dies vor allem durch Aufstockung des Personals in der Kinder- und Jugendarbeit – und eine Erhöhung der Tarife und Zuschüsse. Insgesamt müsse die Kinder- und Jugendarbeit noch flexibler werden.

„Wir sind so bis 2025 gut aufgestellt, richten die Angebote an den Bedürfnissen unserer Zielgruppen aus“, berichtete Sandra Berlekamp. Sie lenkte den Fokus auch auf die Digitalisierung. „Jugendliche sind bis zu fünf Stunden täglich digital unterwegs, das müssen wir für uns nutzbar machen.“ Nicht jeder betrete ein Jugendhaus, mit digitaler Jugendarbeit erreiche man neue Zielgruppen.

Von Ergebnissen soll nicht nur das Jugendwerk profitieren

Christina Dogan vom Jugendwerk knüpfte an diese Ausführungen an. Die Kinder- und Jugendbefragung werde nun angestoßen: „Die dynamische Welt beeinflusst unsere Arbeit, doch passen unsere Angebote noch?“ Speziell: Wie hat die Corona-Zeit womöglich das Verhalten bei den Zielgruppen verändert? Von den Ergebnissen sollten am Ende nicht nur das Jugendwerk, sondern auch viele weitere Vereine und Verbände profitieren.

Über eine Fragebogenaktion könnten bis zu 1345 Kinder und Jugendliche in der Gemeinde zwischen 6 und 21 respektive 27 Jahren erreicht werden. „Wir legen den Fokus auf die Herbstferien und hoffen auf an die 250 Rückmeldungen“, so Dogan. Dabei wolle man verschiedene Quellen bespielen: Schulen, Vereine und Verbände, aber auch die Presse und Soziale Medien.

Durchgeführt wird die Online-Befragung über das Portal Mentimeter. Die Ergebnisse wolle man später mit so vielen Betroffenen wie möglich teilen, richtete Christina Dogan den Blick einmal mehr in Richtung der Vereine und Verbände. „Dann können wir auch schauen, ob es gewisse Angebote schon gibt.“ Münden sollen die Ergebnisse der Befragung in ein Comic-Heft.

Ausschuss hebt Sperrvermerk auf

Niklas Büning (WSO) lobte die „tolle Arbeit“, er fragte nach dem zusätzlichen Zeitaufwand für das Team um Christina Dogan, Katrin Heling (Tipi) und Steffi Zaulig (Oase). Markus Wellermann, Geschäftsführer des Jugendwerks, erklärte, dass in diesem Fall Corona „ausnahmsweise einmal in die Karten gespielt“ habe: „Während der Lockdowns konnte wir andere Akzente setzen.“ Barbara Seidensticker-Beining (SPD) stellte positiv heraus, dass man die Politik so früh einbinde. Denn: „Es wird uns Geld kosten.“

Bis zu einem Höchstbetrag von 12.500 Euro hatte der Ausschuss im Oktober 2019 finanzielle Mittel für die Befragung zur Verfügung gestellt, der Sperrvermerk wurde nun aufgehoben. Einstimmig.

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