Zwei Streitschlichter nehmen Abschied

Schiedsleute

Die Idee, Streitigkeiten durch Schlichtung beizulegen, ohne einen Richter zu bemühen, ist modern und hat dennoch schon über 180 Jahre Tradition. Schlichtungsverfahren vor der Schiedsperson finden in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten und in Strafsachen statt. In Südlohn und Oeding waren dafür in den letzten zehn Jahren Heinz Kemper und Alfons Böckenhoff zuständig. Nun werden die Ehrenämter frei. Nachfolger werden von den Gemeinden noch dringend gesucht.

SÜDLOHN

19.03.2015, 18:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zwei Nachbarinnen streiten sich am Gartenzaun. Nachbarschaftskonflikte sind ein Beispiel für Fälle, denen sich Schiedsmänner annehmen.

Zwei Nachbarinnen streiten sich am Gartenzaun. Nachbarschaftskonflikte sind ein Beispiel für Fälle, denen sich Schiedsmänner annehmen.

Dass die Gerichte heutzutage meist völlig überlastet sind, ist kein Geheimnis. Damit nicht jede vermeintliche Kleinigkeit den Weg vor das Amtgericht finden muss, gibt es in fast allen Städten und Gemeinden Schiedspersonen, die versuchen, den Weg zum Gericht über Einigung beider Parteien zu verhindern.

"Meist sind das Nachbarschaftsstreitereien von Menschen, die sich mal gut verstanden haben, dann aber über eine Kleinigkeit in Streit geraten sind", erklärt Alfons Böckenhoff seine Hauptaufgabe als Schiedsmann in Oeding.

Fünf, sechs Fälle im Jahr

Sei es ein übers Nachbarsgründstück gewachsener Ast, ein Baum der zu viel Laub auf dem angrenzenden Grundstück verursacht oder eine Überwachungskamera, die nicht die Nebeneinfahrt oder das Grundstück mitfilmen soll. Im Schnitt beschäftigen sich Böckenhoff und Kemper je mit fünf, sechs solcher Fälle pro Jahr.

"Eine Einigung können wir dabei in gut 60 Prozent der Fälle erzielen", freut sich Kemper, der für die Gemeinde Südlohn zuständig ist, über die gemeinsam erreichte Erfolgsquote. Wird keine Einigung erzielt, folgt der Gang vor das Amtsgericht. "Da verfolge ich aber nicht weiter, wie die einzelnen Sachen verlaufen", vervollständigt Böckenhoff.

Gut geschult und gefördert

Für die beiden Schiedsmänner endet am 31. Mai eine Dekade voller interessanter Begegnungen und Fälle. Und das Ehrenamt als Schiedsmann hat beiden viel Freude bereitet. "Es ist natürlich schön, wenn man eine Einigung erzielen konnte und sieht, wie sich zerstrittene Parteien wieder verstehen", so Alfons Böckenhoff, "Außerdem lernt man dabei auch eine Menge. Nicht nur über die verschiedenen Konflikte zwischen Nachbarn, sondern auch über die Gesetze", ergänzt Heinz Kemper.

Denn bevor man überhaupt zum Schiedsmann wird, erhält man eine fundierte Schulung durch den Bund deutscher Schiedsmänner, reichhaltige Literatur und nach der Vereidigung durch das Amtsgericht folgen regelmäßige Schulungen. Ins kalte Wasser wird dabei also niemand geworfen. "Außerdem besteht auch ein enger Kontakt zum Amtsgericht. Da kann man auch schon mal einen Richter anrufen, der Auskunft gibt", so Kemper weiter. Außerdem werden die Schiedsmänner auch jedes Jahr ins Gericht eingeladen, wo man sich mit Richtern und Anwälten austauscht.

Wärmste Empfehlung

Nach zwei Amtsperioden geben Alfons Böckenhoff und Heinz Kemper ihr Ehrenamt nun ab. Nicht, weil sie keine Lust mehr haben, ihren Mitbürgern mit Rat zur Seite zu stehen, sondern aus altertechnischen Gründen. Den designierten Nachfolgern können sie das Amt jedoch wärmstens empfehlen. "Man wird durch die Gemeinde gut an die Hand genommen. Außerdem sind das hier ja alles friedliche Menschen", blickt Böckenhoff zurück.

Personen, die sich für das Amt der Schiedsperson interessieren, können sich bis zum 25. März bei der Gemeindeverwaltung Südlohn -Ordnungsamt-, Winterswyker Straße 1, unter Tel. (02862) 58230, persönlich oder schriftlich bewerben. Neben dem Namen sind auch Anschrift, Alter und Beruf anzugeben.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt