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Haltern: Damals und heute

Die Firma Priebs – Sieben Generationen in Haltern am See

Joan Henrich Wiesmann legte 1798 den Grundstein für die L. Priebs GmbH & Co. KG in Haltern am See. Ein Blick auf die Firmengeschichte.
1798 wurde der Grundstein für die L. Priebs GmbH & Co.KG gelegt. © Archiv Backmann

Der Hutmacher aus Bocholt legte 1798 den Grundstein für das heutige Unternehmen L. Priebs GmbH & Co. KG in Haltern am See – und zwar mit dem Kauf eines Grundstücks auf der Goldstraße hinter dem Alten Rathaus, das bis zur Rekumer Straße 14 reichte. Er stellte Hüte und Pantoffeln aus Filz her.

Haltern am See erlebt die Industrialisierung

Um 1890 suchte sein Enkel Louis Wiesmann Fachkräfte, darunter fand er auch Paul Priebs aus Bad Lausick, Sachsen. Dieser heiratete 1898 die Tochter Maria Wiesmann und übernahm die Betriebsleitung.

Viele Halterner arbeiteten in den ersten Zechen, so dass auch Hüte für Bergarbeiter hergestellt wurden. Das zeigte ein eiserner Zylinderhut über dem Eingang an der Rekumer Straße.

1908 zerstörte ein Großfeuer die Filzfabrik. Vorübergehend wurde in den Lagerräumen der Firma Still in der Annabergstraße weitergearbeitet. Am alten Standort auf der Rekumer Straße entstand ein neues Fabrikgebäude.

Die Marke Lupriflex entsteht

Im Jahr 1924 übernahm der Sohn Ludwig Priebs die Firmenleitung. Für den Bergbau wurden Schuhe aus Stoff und später aus Leder hergestellt. Um 1930 fertigte Priebs warme Filzstiefel für Eisenbahner, bequeme „Unfallverhütungsschuhe“ für Bergleute und Berufsschuhe für Arbeiter.

Ludwig Priebs schuf den bis heute bestehenden Markennamen Lupriflex: Dahinter verbergen sich die ersten zwei Buchstaben seines Vor- und Nachnamens sowie das Wort flexibel. Denn er entwickelte die ersten Sicherheitsschuhe mit flexibler Sohle.

Die Firma Lupriflex blickt auf eine lange Historie zurück. © Lupriflex © Lupriflex

Nach dem Zweiten Weltkrieg firmierte das Unternehmen 1945 unter der Ludwig Priebs KG. Die Geschichte der L. Priebs ist eng verbunden mit der Geschichte des Bergbaus, denn einer der Hauptabnehmer für Lupriflex Sicherheitsschuhe waren die Steinkohlebergwerke. Der Sicherheitsstiefel „Bergbau“ ist heute im Ruhrmuseum Essen zu sehen.

1962 zog die Produktion hinaus aus dem Stadtzentrum in ein neues Fabrikgebäude auf der Annabergstraße.

Die Zeit der Frauen in Haltern

Ludwig Priebs hatte drei Töchter: Agnes, Maria und Helene. 1971 übernahm Helene die unternehmerische Verantwortung. Sie war eine besondere Persönlichkeit ihrer Zeit: Als erste und einzige Frau ließ sie sich zur Schuhfertigerin an der Deutschen Schuhfachschule in Pirmasens ausbilden. Gemeinsam mit ihrem Schwager, Hermann Nelke, führte sie die 1985 umfirmierte.

L. Priebs GmbH & Co. KG. Helene Priebs leitete die Produktion, Hermann Nelke übernahm den Vertrieb. Die Leder und Schäfte, die Oberteile der Schuhe, kamen aus Brasilien und Kolumbien. Die Oberteile wurden nur teilweise in Haltern genäht, der Import-Anteil stieg.

Helene Priebs leitete die Produktion von Schuhen made in Haltern am See. © Archiv Backmann © Archiv Backmann

1990 war die Produktion in Haltern hochmodern ausgestattet. 600 bis 800 Paar Sicherheitsschuhe wurden täglich mit 60 Mitarbeitern produziert. Die Stahlindustrie zählte neben der Bergbauindustrie zu den wichtigsten Kunden. 1997 wurde das neue Gebäude für das Lager und die Verwaltung auf der August-Stieren-Straße eingeweiht.

Das Millennium – der Umbruch

In siebter Generation übernahm Markus Nelke im Jahr 2000 die Geschäftsleitung. Die professionelle Basis bildeten seine Ausbildung zum Schuhfertiger bei der Schuhfabrik ara shoes AG in Lünen und sein Abschluss als Staatlich Geprüfter Schuhtechniker mit dem Schwerpunkt Betriebstechnik an der Deutschen Schuhfachschule in Pirmasens.

2001 musste die Produktion ins Ausland verlagert werden, da die eigenen Kapazitäten nicht mehr ausreichten. Heute werden Lupriflex Sicherheitsschuhe zu 80 Prozent in Italien und zu 20 Prozent in China produziert. Spezialisiert ist die L. Priebs GmbH & Co. KG mittlerweile auf wasserdichte Sicherheitsschuhe und Forststiefel. Auch Sicherheitsschuhe für europäische Handelsmarken werden entwickelt. Etwa 70.000 Paar Sicherheitsschuhe werden jährlich bundes- und europaweit vertrieben.

Spaß am Wandern: 2006 eröffnete Markus Nelke das Fachgeschäft Nelke Outdoor auf der Annabergstraße. © Nelke Outdoor © Nelke Outdoor

Um einen Teil des ehemaligen Betriebsgebäudes zu nutzen und aus eigenem Spaß am Wandern, eröffnete Markus Nelke 2006 das Fachgeschäft Nelke Outdoor auf der Annabergstraße. Zum Sortiment gehört eine große Auswahl an Wanderschuhen sowie Bekleidung und Ausrüstung für draußen mit über 30 Bergsportmarken. Auch Lupriflex Sicherheitsschuhe sind hier ab Lager zum Beispiel für Halterner Handwerker erhältlich.

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