Coronavirus

Corona-Alltag einer Krankenschwester auf der Intensivstation: „Es ist furchtbar“

Die Menschen auf der Intensivstation haben Todesangst und sind ganz allein. Krankenschwester Ulrike Rux berichtet von bewegenden Momenten – und hat kein Verständnis für Corona-Leugner.
Corona-Patienten auf der Intensivstation müssen Todesängste ausstehen. © picture alliance/dpa

Mehr als 27.000 Corona-Tote gibt es bislang in Deutschland, und hinter jedem steht ein bewegendes Schicksal. Das weiß die Rostocker Krankenschwester Ulrike Rux (44) nur zu gut – gegenüber der „Ostsee-Zeitung“ (OZ) erzählt sie, welche herzzerreißenden Szenen sie bei ihren Covid-19-Patienten erlebt hat.

Corona-Infizierte, die Todesängste ausstehen, verzweifelt um ihr Leben ringen und mutterseelenallein sterben, all das hat Rux, die in der Intensivstation im Klinikum Südstadt in Rostock arbeitet, miterlebt. „Zu sehen, wie Menschen via Telefon und Videochat von ihrer Familie Abschied nehmen müssen – das ist furchtbar. Das kann sich keiner vorstellen“, sagt sie.

Zurzeit kümmern sich Ulrike Rux und ihre Kollegen um einen 48-Jährigen. Sein Zustand sei kritisch, vor allem seelisch. „Er hat große Angst, alleine zu sterben. Wann immer wir bei ihm im Zimmer sind, will er uns nicht gehen lassen.“ Ein Mann, der sich in Todesangst an ihre Hand klammert, sie anfleht, ihn gesund zu machen – selbst für die erfahrene Krankenschwester sei das kaum zu ertragen. „Es ist furchtbar.“

Kein Verständnis für Querdenker

Seit 1996 ist Ulrike Rux Krankenschwester, doch so etwas wie die Covid-19-Pandemie habe sie weder je erlebt noch sich vorstellen können, erzählt sie der „OZ“. „Ich hab‘ mir schon auch Sorgen gemacht. Aber wir waren bei uns in der Klinik gut auf die erste Welle vorbereitet.“ Doch dann infizierte sie sich doch auch selbst: Nachdem ein Kollege positiv getestet wurde, wurde auch bei Rux Covid-19 nachgewiesen. Im Gegensatz zu vielen Patienten sei sie aber glimpflich davongekommen. „Ich hatte zum Glück nur eine dicke Erkältung.“ In Quarantäne musste sie trotzdem, genau wie ihre Familie.

Dass ein Teil der Bevölkerung sich immer noch weigert, Masken zu tragen, und auch sonst Corona-Regeln ignoriert, kann die 44-Jährige nicht nachvollziehen. Manchmal wünsche sie sich, Corona-Leugner könnten auf ihre Station kommen und ihre Patienten sehen, wie sie an Maschinen hängen, mit Schläuchen in jeder Körperöffnung, und um ihr Leben kämpfen. „Dann würden vielleicht auch Querdenker begreifen, wie wichtig es ist, dass wir uns alle zusammenreißen“, so Rux zur „Ostsee-Zeitung“.

RND

Der Artikel "Corona-Alltag einer Krankenschwester auf der Intensivstation: „Es ist furchtbar“" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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