Coronavirus

Der europäische Ski-Zirkus: Das gilt in den Alpenländern

Angela Merkel spricht sich dafür aus, die Ski-Gebiete in Europa wegen der Corona-Pandemie zu schließen. Wie planen Österreich, die Schweiz, Frankreich und Italien die Skisaison? Der Überblick.
Ein Schild mit der Aufschrift „Hier gilt Maskenpflicht“ steht vor der Talstation des Sesselliftes „Ice Flyer“ auf dem Titlis. Die Länder Europas streiten um das Thema europaweites Skiurlaub-Verbot. © picture alliance/dpa

Skigebiete schließen oder nicht? Über diese Frage ist in Europa eine heftige Debatte entbrannt. Die Regierungen von Deutschland, Italien und Frankreich fordern eine länderübergreifende Schließung der Skigebiete. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte dazu, sie werde prüfen, ob man alle Skigebiete in Europa schließen könnte.

Jedoch räumte sie ein: Einfach werde das nicht, vor allem mit Blick auf Österreich, „aber wir werden es versuchen“. Mit ihrer Einschätzung dürfte sie Recht behalten, denn Länder wie Österreich und die Schweiz stellen sich gegen ein Verbot. Die Standpunkte der Alpenländer im Überblick.

Deutschland: Skigebiete bleiben erstmal dicht

Sieben bis acht Millionen Deutsche fahren nach Angaben des Deutschen Skiverbandes regelmäßig Ski. Hoffnungen auf einen Skiurlaub in Bayern brauchen die Winterfans sich aber wohl nicht machen. Die Skihallen in Deutschland mussten mit Beginn des Teil-Lockdowns schließen, auch die Skilifte in den Bergen stehen derzeit still.

Was nach dem bis zum 20. Dezember verlängerten Teil-Lockdown passieren soll, ist zwar noch nicht entschieden, ein Start der Skisaison scheint aber zumindest in diesem Jahr unwahrscheinlich. Der Start der Skisaison auf der Zugspitze, der ursprünglich für den 13. November geplant war, wurde verschoben: „2020 kein Skibetrieb mehr“, teilte die Bayerische Zugspitzbahn mit. Das gleiche gilt auch für das Skigebiet in Garmisch, das im Laufe des Dezembers den Betrieb aufgenommen hätte. Die Oberstdorf Kleinwalsertal Bergbahnen werden frühestens am 21. Dezember 2020 in die neue Skisaison starten.

Für Menschen aus Bayern, die nun auf Österreich ausweichen wollen, gibt es schlechte Nachrichten: Das Bundesland führt eine Quarantänepflicht auch für Tagestouristen an. Selbst nach einem Tagesausflug zum Skifahren in ein Risikogebiet – und dazu zählen alle Alpenländer in Europa – müssen Reisende nach der Rückkehrer in Bayern in Quarantäne. Die Zeit der Isolation beträgt zehn Tage und kann frühestens mit einem Corona-Test an Tag fünf verkürzt werden.

Österreich hält an Saisonstart nach Lockdown fest

Das Wintersportgebiet Ischgl ist im Frühjahr zum Symbol für die Corona-Pandemie geworden. Trotzdem betont Österreich seit Monaten: Die Skigebiete sollen mit den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen geöffnet werden. Am besten noch vor den Feiertagen. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: „Ich kann den Vorstößen nach der Schließung von Skigebieten über Weihnachten nichts abgewinnen.“ Die Betriebe in Österreich hätten umfassende Sicherheitskonzepte für den Skiurlaub erarbeitet. Auch Kanzler Sebastian Kurz hält eine internationale Abstimmung über die Skisaison für „übertrieben“, so der „Blick“.

Der Saisonstart wurde jedoch wegen des Lockdowns, der bis mindestens 6. Dezember gilt, verschoben auf frühestens Mitte Dezember. Die zwischenzeitlich geöffneten Gebiete am Stubaier Gletscher, Kaunertaler Gletscher, Pitztaler Gletscher, Mölltaler Gletscher, Hintertuxer Gletscher, in Sölden, Dachstein und Kitzsteinhorn mussten wieder schließen.

Der Lockdown gilt seit dem 17. November. Es gelten Ausgangssperren; und alle Geschäfte, die nicht für den täglichen Bedarf notwendig sind, sind geschlossen. Auch Hotels, Freizeiteinrichtungen und Restaurants in Österreich sind geschlossen, Skigebiete dürfen aktuell nur von Profisportlern genutzt werden.

Schweiz: Wintersaison soll stattfinden

Die Schweiz lehnt die europäische Lösung und die Schließung der Skigebiete ab. „Italien hat im Sommer ja auch nicht die Strände geschlossen“, sagte Nicolo Paganini, Präsident des Schweizer Tourismus-Verbands, dem Magazin „20 Minuten“. Berno Stoffel, Direktor der Seilbahnen Schweiz, betonte: „Es wird kein Alpenabkommen oder Ähnliches geben.“

Auf der staatlichen Tourismus-Homepage lässt die Schweiz verlauten: „Die Wintersaison 2020/2021 findet in der Schweiz unter strikter Einhaltung von umfassenden Schutzkonzepten statt.“ So verspricht zum Beispiel das Kanton Wallis offene Pisten: „Im Wallis wird über die Festtage Ski gefahren und in Restaurants gegessen, egal was Italien macht. Italien, Frankreich und Deutschland sprechen sich offensichtlich ab. Die Schweiz ist aber nicht in der EU und somit auch gar nicht betroffen“, sagt Staatsrat Christophe Darbellay.

Frankreich: Skigebiete öffnen, aber Skilifte bleiben dicht

Wer in Frankreich Skifahren will, muss den Berg zu Fuß erklimmen. Denn die Skigebiete können zwar während der Feiertage wiedereröffnet werden, „aber alle Skilifte sind für die Öffentlichkeit geschlossen“, zitiert die Zeitung „Le Monde“ den französischen Regierungschef Jean Castex. Damit könne jeder „von der frischen Luft in unseren schönen Bergen profitieren“. Aber: Auch die Restaurants und Bars in den Skigebieten bleiben wie im gesamten Land bis mindestens zum 20. Januar geschlossen.

Für den Fall einer Öffnung im Dezember haben viele Skigebiete in Frankreich ihre Stornierungsbedingungen geändert: Reisende können demnach kurzfristig absagen, wenn es die Corona-Lage nötig macht. Jeder Reisende sollte vorher die Bedingungen prüfen. Die französischen Alpen sind, wie ganz Frankreich, aus deutscher Sicht Corona-Risikogebiet, das Auswärtige Amt warnt vor touristischen Reisen. Frankreich strebt einen europäischen Fahrplan zur schrittweisen Öffnung der Skigebiete an.

Italien: Keine Skisaison vor dem 10. Januar

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte preschte in der Diskussion um die Skisaison als erster vor und forderte ein europaweites Schließen der Skigebiete. Er will die Skigebiete angesichts der Corona-Pandemie mindestens bis zum 10. Januar geschlossen halten. „Es ist nicht möglich, einen Winterurlaub zuzulassen, wir können uns das nicht leisten“, sagte er dem Fernsehsender „La7“.

RND

Der Artikel "Der europäische Ski-Zirkus: Das gilt in den Alpenländern" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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